Und Osiander ist jetzt auch dabei

Ein Kommentar über Osianders Einstieg in den Selfpublishingmarkt von Marisa Klein

Zugegeben, ich mag Osiander. Es ist immer noch inhabergeführt, was auf dem heutigen Buchmarkt für ein so großes Unternehmen Seltenheitswert hat. Außerdem darf die Osianderische Buchhandlung sich regelmäßig über die Auszeichnung als „Händler des Jahres“ in verschiedenen Kategorien freuen. Als das Unternehmen die Auszeichnung 2016 zum 4. Mal für sich verzeichnen konnte, kam mir dann durchaus der Gedanke „Hm, gibt’s da nicht noch mehr Händler auf dem Markt?“ Aber ich will ja nicht meckern. Nun will sich Osiander auch beim Selfpublishing einbringen und das musste ich mir natürlich ansehen.

Was kann man mit Osiander nun machen?

Osiander arbeitet mit dem Selfpublishing-Dienstleister Bookmundo zusammen, der das Angebot bereitstellt. Autoren können Hardcover, Taschenbücher und e-Books veröffentlichen und bekommen Hilfestellung bei der Vermarktung. Ganz neu ist für Bookmundo eine Zusammenarbeit mit Buchhandlungen nicht, die Mayerische nutzt den Dienstleister ebenfalls. Da frage ich mich doch: ist es egal, ob ich nun über die Mayerische oder Osiander mein Buch veröffentliche? Die Konditionen bei Honoraren sind fast dieselben. Die Mayerische bietet allerdings die Chance auf ein höheres Honorar, sollte das Buch in selbiger Buchhandlung verkauft werden. Osiander hingegen bleibt eher unklar bei der Frage, ob die selbstveröffentlichten Werke dann auch einen Platz in den eigenen Buchhandlungen finden können. Übrigens sind die Konditionen bei Honoraren nicht sonderlich ansprechend, so zahlen Books on Demand oder ePubli mehr an ihre Autoren aus. Eine Alternative wäre, über Osiander nur e-Books zu verkaufen, diese werden bei Tolino Media eingestellt. Der Autor kann hier mehr verdienen.

Wie kommt Osiander dazu? Und warum (oder sollte) man das Angebot in Betracht ziehen?

Ein bisschen habe ich den Eindruck, dass Osiander den Selfpublishing-Trend an sich hat vorbeiziehen sehen und dachte: „Irgendwie wollten wir dann aber doch mitmischen, am besten möglichst unkompliziert.“ Bekanntlich ist die Buchbranche nicht die wendigste, das sehe ich hier bestätigt. Stephan Schmitzer, Bereichsleiter Einkauf bei Osiander, drückt das natürlich PR-mäßig schöner aus: „Angesichts der großartigen technischen Möglichkeiten gehört es zu unserem Selbstverständnis als innovatives Unternehmen einfach dazu, dass wir unseren Kunden auch auf dem Weg der eigenen Veröffentlichung begleiten“. Wirklich verübeln kann ich Osiander den Aufsprung auf den gut laufenden Selfpublishing-Zug nicht, ist die Idee für einen Autor, mit einer Buchhandlung zusammenarbeiten zu können, sehr spannend. Schade ist, dass weder Osiander noch die Mayersche zeigen, dass sie „ihren“ Autoren dann auch Raum in ihren Buchhandlungen anbieten. Sicher, Osiander promotet den Titel „Kick Off“ der Selfpublishing-Autorin Jo Berger. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das das zur Regel wird. Dabei wäre ein Selfpublishing-Regal in den Osianderschen Geschäften doch ein interessanter Ansatzpunkt. Hier könnte die Top-Ten der verkauften, über Osiander selbstverlegten, Bücher präsentiert werden. Damit würde Osiander dann nicht nur an den Selfpublishing-Zug hintendran hängen, sondern sich dem Führerhaus nähern.

Wenn man die Idee einer Zusammenarbeit von Selfpublishing-Dienstleistern und Buchhandlungen weiterdenkt, so zeigen sich innovativen Möglichkeiten. Noch ist das Angebot für Selfpublishing-Autoren aber insbesondere finanziell nicht attraktiv genug. Mich interessiert, ob Osiander zukünftig das Angebot noch weiterentwickelt und sich im Selfpublishing stärker engagiert, oder ob es nur ein mittelfristiges Folgen des Trends bleibt

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