Fanfiction verlegen – Potential eines populären Genres für die Buchbranche

Ein Gastbeitrag von Lisa Spägele

Fanfiction ist zwar kein Phänomen der Neuzeit, allerdings gewinnt es mit Hilfe von Plattformen wie Wattpad und Fanfiction.de in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit, so auch im Bereich des Selfpublishings. Deswegen habe ich mich in meiner Bachelorarbeit mit dem Thema Fanfiction verlegen – Potential eines populären Genres für die Buchbranche auseinandergesetzt und untersucht, welchen Nutzen Fanfiction für Verlage haben könnte und ob es einen einfachen Weg gibt Fanfiction zu verwerten, denn nicht immer ist das Urheberrecht klar definiert.

Zuallererst wäre es gut zu wissen, wieso Verlage sich für Fanfiction interessieren sollten. Spätestens nach Werken wie 50 Shades of Grey oder der Buchreihe After ist das Genre erschließbar geworden und zeigt, dass auch hier Bestseller entstehen können. Außerdem erreicht Fanfiction auf den verschiedensten Plattformen (vor allem via Wattpad) Millionen von begeisterten Fans, die es genießen ihre alten Helden in neuen Geschichten auferstehen zu sehen. Somit können mit Fanfictions neue Leser gewonnen und eine Vielzahl an Menschen erreicht werden.

Jetzt aber die große Frage: Was ist Fanfiction überhaupt? Mit dieser Frage habe ich mich sehr lange auseinandergesetzt, da in der Wissenschaft verschiedene Ansatzpunkte zur Lösung dieses Problems gegeben werden. Zum Beispiel beschreibt Rebecca Black in ihrem Buch Adolescents and Online Fan Fiction, kurz gesagt, Fanfictions nur als Texte, die von Fans geschaffen werden, wohingegen Abigail Derecho in ihrem Aufsatz Archontic Literature: A Definition, a History, and Several Theories of Fan Fiction auf den Aspekt der ständigen Veränderung ihren Schwerpunkt legt. Zum Schluss bin ich zu meiner eigenen Definition gelangt:

Fanfiction bezeichnet von Fans geschaffene und jederzeit veränderbare Texte, die Originalmaterial wie Bücher, Filme, Fernsehserien, aber auch reale Personen abwandeln und ergänzen, wodurch neue Werke entstehen, die nicht kommerziell vertrieben werden, sondern kostenlos im Internet zur Verfügung stehen.

Somit verliert, nach meiner Definition, die kommerziell vertriebene Geschichte den Status als Fanfiction und wird zu einem eigenen selbständigen Werk, das selbst Fanfiction nach sich ziehen kann. Wie ist es jetzt aber mit dem Urheberrecht, wenn Fanfiction kommerziell vertrieben wird? Können Verlage damit ein Problem bekommen? Solange die Fanfiction zu unkommerziellen Zwecken angeboten wird, verstößt es normalerweise gegen keinerlei Urheberrechte und zumindest in Deutschland sollte es keine rechtlichen Probleme bei einer Veröffentlichung geben, wenn der Eigenanteil der geistigen Schöpfung hoch genug ist, d. h., dass das Originalwerk nur als Anregung für die eigene Geschichte diente.

Wie kann aber nun ein Verlag Fanfiction für sich am besten nutzbar machen? Dazu habe ich in meiner Arbeit verschiedene Wege der Erschließung von Fanfiction für Verlage untersucht und mir in diesem Zuge verschiedene Kooperationen von Verlagen angesehen: Zum Beispiel die Suche nach Autoren über einen Wettbewerb oder Kooperationen mit Plattformen wie Wattpad, aber auch der Start einer neuen Plattform wie Amazons Kindle Worlds. Schließlich bin ich zu dem Fazit gelangt, dass es für Verlage erfolgsversprechender ist, sich bei der Vermarktung auf die eigentliche Geschichte der Fanfiction statt auf Autoren zu konzentrieren: Die meisten Verlage haben bisher mit Fanfiction-Autoren zusammengearbeitet, um sie als Autoren für Geschichten und Stoffe außerhalb des Fanfiction-Genres zu gewinnen. Allerdings steckt in den eigentlichen Fanfictions der Autoren oftmals viel mehr Potential, wie zum Beispiel 50 Shades of Grey oder After bewiesen haben, denn diese Geschichten waren bereits auf Plattformen im Internet erfolgreich und haben sich dort gegen die Texte anderer Autoren durchgesetzt. Somit hat sich auch der Autor etabliert und sich seine eigene Fanbase geschaffen. Außerdem wird beim Verlegen einer bereits etablierten Fanfiction nicht nur die entstandene Fanbase, sondern auch das Fandom (= Zusammenschluss aller Fans eines Originalwerkes) des Originals angesprochen. Auf diesem Weg erschließt sich dem Verlag noch einmal eine größere Zielgruppe potentieller Käufer.

Amazon hingegen hat versucht, aus Fanfiction Profit zu schlagen und dazu 2013 die Plattform Kindle Worlds gestartet. Allerdings wurde die Plattform sowohl von Autoren als auch von Lesern kaum angenommen, denn die meisten Fans sehen Fanfiction als kostenlose Geschichte von Fans für Fans, missgönnen dem Einzelnen aber den Erfolg nicht. Kindle Worlds hat jedoch nicht versucht, den Einzelnen kommerziell zu vertreiben, sondern ein ganzes Fandom in ein Bezahlmodell zu stecken. Das funktionierte nicht.

Während Kindle Worlds erfolglos blieb und von kaum jemandem angenommen wurde, hat Wattpad als kostenlose und weltweit größte Lese- und Schreib-Community-Plattform in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Durch ihre eigene App hat das kanadische Unternehmen den Zugang zu ihrer Plattform erleichtert und erreicht inzwischen über 40 Millionen User weltweit. Der Erfolgskurs des Unternehmens hält weiterhin an und sollte von Verlagen bei der Suche nach einer Fanfiction auf jeden Fall in Augenschein genommen werden.

Mein Fazit dazu, ob Fanfiction Potential bzw. einen Nutzen für Verlage hat? Ein klares „Ja!“

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