Fundstück: „Steppenbrand – Die Legende von Dejasir no’Sonak“ – Codex Aureus 2

Marisa Klein

Zwischen Machtgier und Größenwahnsinn – die Legende von Dejasir no’ Sonak

Für dieses Fundstück habe ich mich diesmal in das Fantasy-Genre vorgewagt. Nike Leonhard widmet sich im „Codex Aureus“ einer Sammlung an phantastischen Legenden und Erzählungen. Bisher gibt es 5 Ausgaben des Codex. Je nach Leselust und -zeit ist für jeden etwas dabei. Besonders schön: die Bände müssen nicht nacheinander gelesen werden, sie hängen nicht zusammen. Herausgepickt habe ich mir „Steppenbrand – Die Legende von Dejasir no’Sonak“, der zweite Codex Aureus.

LeonhardSteppenbrand

© Nike Leonhard

Aufstieg und Fall eines großen (und grausamen) Herrschers

Dejasir wird in den reisenden Steppenstamm der Khon geboren. Schon bald tritt er den Loshazari bei, die das wichtigste Gut der Khon bewachen: die Herden. Die Tiere stehen für den Reichtum und die Bedeutsamkeit der Familien eines Stammes und für dessen gesamten Status. Dejasir spürt schon bald den Drang nach mehr Besitz und Macht für sich und seinen Stamm und tut sich in den folgenden Jahren als fähiger Reiter und Kämpfer hervor. Durch sein charismatisches Auftreten kann er Verbündete gewinnen und sie von seinem Ansinnen überzeugen. Er wird der Häuptling seines Stammes, heiratet mehrere Frauen und beginnt, nach und nach andere Stämme unter sich zu vereinen. Doch bald geht es ihm nicht mehr um Macht und Reichtum für seinen Stamm, sondern um das Streben an sich. Dejasir unterdrückt zunehmend die weiblichen Angehörige des Stammes, insbesondere seine eigenen Ehefrauen und Töchter. Er verbannt sie sogar aus den Loshazari. Sein Kontrollwahn breitet sich auch auf die Städten der Sesshaften aus, die er einnehmen und die Bewohner brutal niederschlagen lässt. Dejasir sichert sich selbstverständlich das schönste, größte Haus und schickt seine Verbundstämme auf immer mehr Raub- und Kriegszüge in andere Städte. Die Beute behält er hauptsächlich für sich. Die Anteile, die er an die Verbundstämme abgibt, reicht diesen jedoch bald kaum mehr zum Überleben. Die Herden werden durch das ständige Ausziehen der Männer und die Verbannung der Frauen ins Haus sträflich vernachlässigt. Die Tiere verlaufen sich, werden gestohlen und getötet. Somit brechen die einstmals guten Einnahmen weg. Dejasir aber ignoriert die Sorgen der Verbundstämme. Er hat ganz andere Ziele: das Ausbauen seiner Macht und seines Einflusses ins Unermessliche und die Errichtung einer sagenhaften Stadt. Der Herrscher schreckt schließlich nicht davor zurück, den verbliebenen freien, unabhängigen Stämmen zu drohen, sollten sie sich dem Verbund nicht anschließen. Doch Widerstand regt sich. Ausgerechnet seine erste große Liebe, Shoulaika no’Maroum, die ihn einst verschmähte, hat für ihren freien Stamm bereits einen Plan ausgeheckt, der Dejasirs Schreckensherrschaft beenden könnte…

Kurzweilig, spannend, klare Empfehlung!

Die Geschichte um Dejasir hat mich wirklich gefangen genommen. Die Beschreibung der Gebräuche und Traditionen der Khon sowie der schicksalhafte Aufstieg von Dejasir waren unheimlich flüssig geschrieben. Leonhard fühlt sich in diesem Genre eindeutig zu Hause. Ihr Ansinnen, den Codex als „optimales Lesefutter für Zwischendurch“ zu schaffen, ist eindeutig gelungen. Eine interessante Beigabe sind die Anmerkungen zur von Leonhard eigens erdachten Sprache der Khon mit einem kleinen Glossar. Nicht nur etwas für Fantasy-Leser!

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2 Kommentare zu “Fundstück: „Steppenbrand – Die Legende von Dejasir no’Sonak“ – Codex Aureus 2

  1. Pingback: Nike Leonhard: „Selfpublishing gibt mir die Freiheit, die Geschichten zu erzählen, die mir wichtig sind“ | spubbles 2.0

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