2017 – Wie war das Jahr für die Selfpublisher?

Marisa Klein

Inspiriert von Matthias Mattings Blick in die Glaskugel 2016 stellte ich letztes Jahr Überlegungen dafür an, ob 2017 das Jahr der Selfpublisher werden könnte. Wachsende Umsätze, alternative Formate, erweiterte Tätigkeitsfelder – was davon hat sich bewahrheitet? Außerdem natürlich Mattings Prognosen für 2018 mit der spannenden Erwartung, ob er Anfang 2019 dann auf eine höhere Erfolgsquote für seine Weissagungen zurückblicken kann.

Tredition und Books on Demand blicken auf 2017 zurück

Anfang letzten Jahres stellten Gerd Robertz, Sprecher der Geschäftsführung von Books on Demand, und Sönke Schulz, Geschäftsführer von tredition, ihre eigenen Mutmaßungen für 2017 an. Der erwartete Zuwachs an Verkaufserlösen war zumindest nicht so signifikant, dass es durch die Presse gegangen wäre. Eine großartige Verschlechterung ist hier aber sicher nicht zu verzeichnen. Zahlen über die Titelmenge oder allgemein Informationen über Umsätze durch selbstveröffentlichte Büchern sind bekanntermaßen schwierig zu bekommen. Doch da das eBook in Deutschland ein langsames, aber konstantes Wachstum erlebt, kommt das auch den Selfpublishern zugute. Hier waren die Erwartungen für 2017 deutlich schlechter.

Einen größeren Grund zur Freude (zumindest für BoD selbst) bietet BoD in seinem Jahresrückblick: In einer Umfrage unter 361 Buchhändlern gaben über die Hälfte an, Selfpublishing-Titel in ihrem Sortiment zu führen. tredition (die 2017 übrigens ihr zehnjähriges Bestehen feiern durften) sieht einen Trend für selbstverlegte Bücher in den Regalen des stationären Buchhandels bestätigt. Deren Einfall, durch mehr Selfpublishing-Präsenz in den Läden würde sogar das Buchhandlungssterben aufgehalten, ist ziemlich gewagt. Kleine Buchhandlungen legen in der Regel ohnehin großen Wert auf ein ausgesuchtes Sortiment, um sich von den „Großen“ abzugrenzen. Ob Selfpublisher da wirklich „frischen Wind“ hineinbringen können?

Es gibt viele tolle Autorinnen und Autoren. Allerdings fehlt es noch an wirklichen mainstreamtauglichen Innovationen im Selfpublishing. Ich meine damit Titel, die der klassische Buchmarkt nicht bietet und bieten kann, die aber eine breite Masse von Lesern anziehen würden – der Traum aller Selfpublisher.

Wie sieht es mit den alternativen Formaten für Selfpublisher aus?

Besonders interessant: Was machen die selbstverlegten Hörbücher? Das ist eine gute Frage. Dazu finden lässt sich so gut wie gar nichts. Ich konnte keinen nennenswerten Anstieg feststellen, auch wenn (glaubt man den Kommentaren auf „die Selfpublisher-Bibel“ zu den passenden Artikeln) einige Selfpublisher dieses Format in Angriff nehmen. Bis jetzt macht es scheinbar keinen so signifikanten Anteil am Markt aus, dass es eine Erwähnung wert wäre. Gerade bei alternativen Formaten wird sich erst in ein paar Jahren abzeichnen, was bleibt und was geht.

Mattings Blick in die Glaskugel für 2018 – die interessantesten Prognosen

Ein Jahresrückblick vereint sich gerne mit einem Jahresausblick. Daher bediene ich mich hier Mattings Glaskugel und stelle die interessantesten Prognosen seinerseits vor.

Matting wünscht sich eine Allianz zwischen Skoobe und Tolino, um dem übermächtigen KindleUnlimited auf dem Buchmarkt als Gegengewicht zu dienen. Die Amazon Marketing Services, mit denen Verlage bereits auf Amazon Buchwerbung schalten können, sollten auch in Deutschland für Selfpublisher verfügbar sein. Überlegungen dazu, wie und ob die Preisgestaltung für Selfpublisher allerdings erschwinglich wäre, stellt Matting nicht an. Die Idee, dass Selfpublisher ihr Werke auf Amazon bewerben könnten, finde ich trotzdem spannend. Das sich Selfpublisher vielleicht mehr darauf stützen werden, ihren Namen als Marke zu etablieren (ähnlich dem allseits bekannten regulären Autor Sebastian Fitzek), ist für Matting eine logische Konsequenz, um die abnehmende Bedeutung der Charts abzufangen. Eine treue Fanbase ist zudem ein Garant für ein regelmäßiges Einkommen. Eine weitere Prognose Mattings besagt, dass immer mehr Schriftsteller als Co-Autoren Bücher gemeinsam schreiben werden, um dem in Genres wie Fantasy oder Romance schnellen Veröffentlichungsrhythmus hinterher kommen zu können. Im Bereich Romance hat Matting noch eine ganz andere Idee: „Der erste von einer KI geschriebene Liebesroman wird in den USA erscheinen und von den Leserinnen Fünf-Sterne-Kritiken bekommen.“ Automaten, die auf Knopfdruck Gedichte erstellen gibt es schon (mit leidlichem Erfolg). Ob es da bis zum Roman noch so weit ist?

In Sachen Autoren sieht Matting die Etablierung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der zwei Drittel der Selfpublisher speziell mit Amazon Erfolge verzeichnen werden können, während die restlichen Selfpublisher ihr Geld mit dem Verkauf ihrer Werke in Buchläden verdienen werden. Da die meisten Selfpublisher bisher vor allem online erfolgreich sind und viele Buchhandlungen sich noch sehr scheuen (oder konsequent weigern), Selfpublisher ins Sortiment aufzunehmen, erscheint mir das die gewagteste Prognose zu sein.

In einem Jahr werde ich erneut zurückblicken, mich an Mattings Vorhersagen für 2019 erfreuen und hoffe bis dahin, dass 2018 für alle Selfpublisher auf die eine oder andere Weise erfolgreich wird.

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Ein Kommentar zu “2017 – Wie war das Jahr für die Selfpublisher?

  1. Pingback: Blogempfehlung – Jahresrückblick auf 2017 im Bereich Selfpublishing auf Spubbles 2.0 – Paula Grimms Schreibwerkstatt!

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