L’auto-édition – Selfpublishing in Frankreich

Frankreich und Deutschland vereint nicht nur eine gemeinsame Geschichte, sondern die beiden Länder ähneln sich auch in Bezug auf die Buchbranche. Buchpreisbindung und verminderter Steuersatz auf das Kulturgut Buch tragen dazu genauso bei, wie die Popularität der Gegenwartsliteratur. Frankreich verzeichnet eine Vielzahl von bekannten Autoren, darunter Namen wie Patrick Modiano, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Michel Houellebecq und Yasmina Reza. Berühmte Autoren, literarische Rebellen und Unterhaltungsliteraten finden in Frankreich ihre Leserschaft. Als Gastland der letzten Buchmesse konnten wir uns alle ein Bild von der französischen Literaturlandschaft machen. Aber was ist mit dem Selfpublishing und Autoren, die sich auch in Frankreich für das selbständige Verlegen entschieden haben? Hat das Selfpublishing im literarischen Frankreich einen relevanten Marktanteil und Stellenwert erreichen können?

Verlage und Vertrieb in Frankreich

In Frankreich gibt es um die 10.000 Verlage. Die Verlagswelt ist also, ähnlich wie in Deutschland, bereits sehr breit aufgestellt (Deutschland: ca. 14.500 Verlage beziehungsweise verlegerisch tätige Institutionen). Die Vertriebswege in Frankreich sind, wie in Deutschland, über Verlagsauslieferer, Distributoren und Grossisten organisiert. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Frankreich aber keine Lieferung über Nacht via Barsortiment. Frankreich unterstützt sehr stark den unabhängigen Buchhandel, der dank staatlicher Förderungen weniger durch die Konkurrenz großer Ketten bedroht ist, als es in Deutschland der Fall ist. Neben Deutschland verfügt Frankreich daher über eines der dichtesten Buchhandelsnetze weltweit.

Der e-Book-Markt

Der Global ebook report 2017 setzt sich nicht nur detailliert mit der Situation des e-Books weltweit auseinander, sondern beschäftigt sich am Rande auch mit dem Thema Selfpublishing. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass Selfpublishing seinen Erfolg der Möglichkeit des digitalen Vertriebs und dem e-Book verdankt – und das auch in Frankreich. Hört man auf verschiedene Meinungen aus der Branche, so findet das e-Book in Frankreich im Vergleich zu Deutschland keine so große Leserschaft. Der Anteil des e-Books am Gesamtumsatz der Buchbranche in Deutschland betrug 2015 4,5 Prozent (2016: 4,6 Prozent), in Frankreich war es mit 3,2 Prozent im Jahr 2015 deutlich weniger. Der Umsatzanteil des e-Books in Frankreich ist also durchaus noch ausbaufähig. Allerdings sind diese Zahlen auch nur bedingt zum Vergleich geeignet, da es beispielsweise für Frankreich auch eine weitere Angabe von 6,3 Prozent gibt, die den Verkauf von professionellen Datenbankdiensten oder auch digitale Inhalte auf CD-Rom mitzählt. Wie so oft muss man als Zahlensympathisant hier genau darauf achten, woher die Zahlen kommen und welche Arten des digitalen Produktes sie erfassen, um sich ein tatsächlich vergleichbares Bild schaffen zu können. In diesem Fall kann die erste Zahl zum Vergleich mit dem deutschen Handel herangezogen werden, da die 4,5 Prozent sich auf den privaten Bedarf beziehen (ohne Schul- und Fachbücher).

Selfpublishing

In Frankreich ist das Selfpublishing ähnlich wie in Deutschland gewachsen und stellt auch hier eine Alternative zum traditionellen Verlegen dar. Auch, wenn man meinen möchte, dass die Vorurteile gegenüber Selfpublisher in Frankreich tiefer verankert sein könnten als in Deutschland. Ob das daran liegt, dass die Franzosen als weniger e-Book-affin gelten oder das Selfpublishing einfach noch stärker wachsen muss, bleibt an dieser Stelle eine Hypothese. Sicher ist, von 2005 bis 2015 hat sich die Anzahl der Selfpublishing Titel, die die französische Nationalbibliothek verzeichnet hat, fast verdreifacht (von 4000 auf 11.500 Titel). Im gleichen Jahr wurden allerdings auch 76.287 neue Titel von Verlagen verzeichnet, was die Zahl in einen vergleichbaren Kontext setzt und damit nicht mehr so groß erscheinen lässt. Seit 2007 haben 25.000 französische Autoren sich für das Selfpublishing entschieden und das, ähnlich wie in Deutschland, vor allem auf dem digitalen Weg.

Selfpublishing-Dienstleister

Auch in Frankreich findet man international tätige Unternehmen, wenn es um die Etablierung geeigneter Plattformen für unabhängige Autoren geht. Amazon ist mit Kindle Direkt Publishing allerdings nicht so dominant vertreten wie in Deutschland. Darüber hinaus ist auch der deutsche Dienstleister BoD und die Plattform Lulu in Frankreich aktiv. Neben internationalen Anbietern, finden sich aber auch Plattformen, die aus dem französischen Buchmarkt entstanden sind, wie beispielsweise Edilivre, Bookelis, Imprimermonlivre oder Librinova.
Letztere ist einen besonderen Blick wert. Librinova wurde von Laure Prételat und Charlotte Allibert gegründet, die sich der Aufgabe verschrieben haben, „alle unabhängigen Autoren zu beraten, zu unterstützen und zu fördern“. Die Plattform fungiert nicht nur als Selfpublishing-Dienstleister, sondern gleichzeitig auch als Literaturagentur. Die Agenten schalten sich ein, wenn ein Autor mehr als 1000 Stück von seinem digitalen Buch verkauft hat. In Zusammenarbeit mit der Vertriebsgesellschaft Cultura, die nach eigenem Selbstverständnis allen Menschen den Zugang zu kulturellen und künstlerischen Inhalten ermöglichen möchte, betreiben sie die Plattform La Boutique des Auteurs. Unter der Marke können Autoren verlegen und profitieren damit beispielsweise von der Vertriebskraft der Cultura Buchhandlungen. Hier gibt es darüber hinaus das comité éditorial Cultura, das Autoren auswählt, die eine besondere Förderung, beispielsweise in Form von Marketingmaßnahmen erhalten.

Motivation der Autoren

Einige Erfolgsstorys gibt es auch unter den französischen Selfpublishern, hier fallen beispielsweise Namen wie Chrys Galia, Aurelie Valognes, Jacques Vandroux oder Agnes Martin-Lugand. Die letzten beiden sind mittlerweile auch auf Deutsch erhältlich. Aus der BoD-Studie von vor einem Jahr ging hervor, dass französische Selfpublisher vor allem Wert auf die Kontrolle ihrer Inhalte legen. Darüber hinaus schätzen sie die Nähe zum Buchmarkt und investieren viel Zeit in das richtige Marketing. Auch die Nähe zu ihren Lesern ist ihnen sehr wichtig, allerdings sind sie weniger bereit, Änderungswünsche ihrer Fans in ihre Werke einzuarbeiten, als deutsche Selfpublisher. Außerdem gehören sie zu den Vielschreibern und verbringen mehr als 10 Stunden die Woche am Schreibtisch. Die Motivation zum Schreiben und die Entscheidung für das Selfpublishing sind also auch in Frankreich durchaus nachvollziehbar und vermutlich auch mit anderen Märkten, nicht nur Deutschland, vergleichbar.

Die vielen Parallelen zwischen deutschem und französischem Selfpublishing machen deutlich, dass auch in Frankreich das Selfpublishing sich seinen Platz erobert hat. Neben all den bekannten Autoren finden auch Nischenthemen, Hobbyautoren und Hybridautoren ihren Weg zum Leser. Wir sind gespannt wie es im Jahr 2018 mit dem Selfpublishing – auch international – weitergehen wird.

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