Fantasy – ein All-Time-Klassiker

Lukas Lieneke

Seit den Anfängen des modernen Selfpublishing gehört Fantasy bei Lesern wie Autoren zu einem der populärsten Genres. Bis vor wenigen Jahren waren in den E-Book-Bestsellerlisten nicht nur im Bereich Jugendbuch zu einem Großteil Fantasy-Titel vertreten. Auch wenn das Angebot inzwischen deutlich differenzierter geworden ist, ist Fantasy mit seinen zahlreichen Sub-Genres nach wie vor beliebt und vielfältiger als je zuvor. Ein klarer Trend lässt sich trotzdem ablesen. Fantasy im Selfpublishing Teil II.

Zauberwort „Romantasy“

Inspiriert durch Stephanie Meyers Twilight-Saga und den darauffolgenden Vampir-Boom dominiert in der selbstpublizierten Fantasy derzeit vor allem ein Sub-Genre, das von seinen Autorinnen (tatsächlich sind fast hauptsächlich Frauen in diesem Sub-Genre aktiv) als „Romantische“ oder „Gefühlvolle Fantasy“ bzw. kurz „Romantasy“ bezeichnet wird. In ihr werden Motive der Liebesgeschichte mit phantastischen Elementen verknüpft. Häufig steht beispielsweise die Liebesbeziehung zwischen einem magischen Wesen (einem Vampir, Werwolf oder Gestaltwandler) und einem normalen Menschen im Mittelpunkt.

Ein einfaches, aber nichts desto trotz sehr erfolgreiches Schema. Autorinnen wie Rose Snow (Die Bücher der Erinnerungen; Die Bücher der Sterne), Marah Woolf (Die Mondlicht-Saga; Götter Funke) oder Mella Dumont (Colors of Life; Die Siebenstern-Dilogie) gehören hier mittlerweile zu fest etablierten Größen, deren Titel in den Bestsellerlisten sogar erfolgreiche Verlagsautorinnen und -autoren der Fantasy wie J. K. Rowling, George R. R. Martin oder Stephen King ausstechen.

Gegensatz zu den Programmen der meisten Fantasy-Verlage, in denen trotz bekannter Autorinnen wie Cornelia Funke, Stephenie Meyer und Joanne K. Rowling die meisten Titel nach wie vor von Männern stammen, wird erfolgreiche Fantasy im Selfpublishing vor allem von Frauen verfasst. Generell ist Fantasy im Selfpublishing mehr und mehr zu einer Frauendomäne geworden, auch was die Leserschaft betrifft.

Leser werden zu Autoren

Setzt man sich mit dem Thema Selfpublishing und Fantasy auseinander, kommt man um Fanfiction kaum herum. Viele Autoren, die später ihre eigenen phantastischen Welten entwarfen und publizierten, haben hier ihre ersten Schreibversuche unternommen. Fanfiction ist sicher die größte Quelle für nicht kommerzielle und selbstpublizierte Fantasy. Dies wird deutlich, wenn man auf den gängigen Fanfiction-Portalen einen Blick auf die literarischen Vorlagen wirft, zu denen die Autorinnen und Autoren ihre Fangeschichten verfassen. Auf Fanfiktion.de stammen beispielsweise die zehn Romanvorlagen, zu denen die meisten Fanfictions verfasst wurden, alle aus dem Bereich Fantasy. Besonders Geschichten zum Thema Harry Potter (ca. 45.000 Geschichten) sind bei den Autorinnen und Autoren besonders beliebt, gefolgt von Adaptionen zu Stephenie Meyers Bis(s)-Saga (ca. 14.000 Geschichten) und Fanfictions zu Tolkiens Mittelerde (ca. 7.400 Geschichten). Erst auf Platz 11 findet sich mit „Shades of Grey“ (ca. 650 Geschichten) eine Romanvorlage aus einem anderen Genre. Insgesamt gehören fast zwei Drittel der behandelten Romanvorlagen zur phantastischen Literatur. Ähnlich sieht die Situation beim englischsprachigen Pendent Fanfiction.net aus. Auch hier stammen die ersten zehn Vorlagen in der Kategorie „books“ aus der Fantasy-Literatur, sogar in ähnlicher Reihenfolge wie auf Fanfiction.de.

In der Fanfiction bestätigt sich außerdem die These, dass die Leserinnen und Leser von phantastischer Literatur deutlich häufiger dazu tendieren, selbst als Autoren aktiv zu werden, als dies in anderen Genres der Fall ist.

Verlage auf der Suche nach neuen Trends

Fantasy bedeutet im Netz allerdings nicht zwangsläufig Fanfiction. Es gibt darüber hinaus noch viele weitere Plattformen – teilweise sogar genrespezifische – auf denen eigene Fantasygeschichten veröffentlicht und von der Leserschaft kommentiert und diskutiert werden können. Auf Fantasy-Geschichten-Forum.de können Autoren beispielsweise neben Fanfiction auch eigene Fantasy-Geschichten hochladen. Unterteilt wird hier nach verschiedenen Fantasy Sub-Genres, wie High Fantasy, Urban Fantasy oder Dark Fantasy. Nicht nur für Autoren sind diese Foren interessant. Auch Verlage halten hier – ebenso wie auf Fanfiction-Plattformen – nach neuen Trends Ausschau, die bei der Fantasy-Gemeinde auf Interesse stoßen. Das Netz bietet hier die idealen Voraussetzungen zur Marktforschung.

Es lässt sich festhalten, dass das Genre der Fantasy ein All-Time-Klassiker zu sein scheint, dessen konstante Beliebtheit beim Lese-Publikum sich auch in einer Vielzahl von Neu-Autorinnen und Neu-Autoren widerspiegelt. Nach den Neuentwicklungen der letzten Jahre muss sich noch zeigen, ob die Fantasie der Autoren zukünftig auch dazu führen kann, noch mehr der alten Schemata zu durchbrechen und die Leserschaft in fremde Welten zu entführen.

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