Ein neuer Preis für Selfpublisher – brauchen wir das?

Ein Kommentar von Nina Rubach zu einem Preis, der Selfpublishing im Buchhandel präsenter machen soll.

Letzte Woche wurde es bekannt gegeben: Es gibt eine neue Auszeichnung für Selfpublisher! Ganz schlicht nennt er sich „Deutscher Selfpublishing-Preis“. Gar nicht mal so schlicht sind die Medien-Partner, Sponsoren, Unterstützer sowie die Jury, die hinter dem ganzen steckt. So zählt zu den Medien-Partnern neben den Branchen-Journalen Börsenblatt und Buchjournal auch Zeit Online. Sponsoren sind VLB, Lovelybooks, die Selfpublisherinnen Hanni Münzer und Poppy J. Anderson und andere. Gründungspartner sind unter anderem die Selfpublishing-Dienstleister epubli und neobooks. Auch die Jury ist hochkarätig besetzt: Robert Duchstein (Reuffel), Nina George (Autorin), Florian Geuppert (Holtzbrinck), Matthias Matting (Selfpublisher-Verband), Karla Paul (Buchkolumne), Ronald Schild (mvb) und Jochen Wegner (Zeit Online) vergeben den Jury-Preis. Es gibt aber auch noch einen Publikumspreis.

Noch weniger schlicht ist die Idee hinter dem Preis, ja eher ziemlich ambitioniert würde ich sagen: Die beiden Veranstalter, mvb – Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH und der Selfpublisher-Verband e.V., haben sich zum Ziel gesetzt, der Qualität und Vielfalt im Selfpublishing eine Bühne zu geben. Selbstpublizierte Literatur soll im Buchhandel präsenter gemacht werden.

Die Besonderheit ist, dass es bei diesem Preis keinen Verlags-Vertrag als Gewinn gibt. Stattdessen wird sich auf den Handel fokussiert. Darauf zielt auch das beachtliche Preisgeld in Höhe von insgesamt 90.000 Euro ab. Der Jury-Preis ist mit einem Geldpreis von 10.000 Euro dotiert, die restlichen 80.000 Euro werden in Form von Medialeistungen zur Vermarktung des Gewinnertitels und der zehn Shortlist Kandidaten investiert. Vom Publikum können die zehn Shortlist-Titel bewertet werden. Der Titel mit den meisten positiven Bewertungen erhält den Publikumspreis und wird von der Jury im weiteren Verfahren besonders berücksichtigt.

Brauchen wir das? Ja! Ich würde sogar sagen, unbedingt! Die Anzahl der Auszeichnungen und Preise für Selfpublisher ist noch gering, zumindest im Vergleich zu Förderungen, Auszeichnungen etc., die es für Verlagsautoren gibt. Es wird Zeit, dieses Feld auch für Selfpublisher weiter auszubauen. Zum einen, um das Schreiben der unabhängigen Autoren zu honorieren und zu fördern. Zum anderen hat der Selfpublishing-Preis sich das Ziel gesetzt, die Präsenz der selbstverlegten Bücher im Buchhandel zu erhöhen. Schon lange wird diskutiert, wie man als Selfpublisher seinen Weg in den Buchhandel finden kann, welche Chancen es gibt und so weiter. Eine konkrete Lösung für das Problem, dass die Präsenz noch eher minimal ist, gab es bisher nicht. Der Selfpublishing-Preis kann dabei helfen. Auch durch seine Sponsoren und Partner, vor allem aber durch das besondere Marketing-Paket, das den Gewinnern winkt. Zudem ist der Selfpublishing-Preis als literarischer Preis ausgeschrieben. Soll heißen, dass es sich um Literatur handelt. Um qualitativ hochwertige Literatur, die einen Platz in den Regalen des Buchhandels verdient hat. Ich denke, dass eine weitere Auszeichnung für Selfpublisher auch dafür steht, dass die Selfpublishing-Branche sich mehr und mehr professionalisiert, die Wertschätzung der Selfpublisher dadurch gefördert wird und sie auf eine Stufe mit Verlagsautoren stellt. Das ist wichtig. Anerkennung ist wohl das Stichwort bei diesem Preis. Gerechtfertigt würde ich sagen. Im Börsenblatt geben die Jurymitglieder ihr Statement ab, warum sie die Deutschen Selfpublishing-Preis für sinnvoll und notwendig halten. Und ich muss sagen, ich sehe das genauso! Ich bin gespannt, wie viele Selfpublisher an der Ausschreibung teilnehmen werden, wie hoch die Resonanz in der Presse sein wird und erhoffe mir durch die Kooperation mit Zeit Online auch eine hochwertige Berichterstattung in der Presse abseits der Buchbranche über Selfpublishing. Eine Berichterstattung, die weiter geht, als von misslungenen Covern oder einzelnen Erfolgsbeispielen zu berichten.

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2 Kommentare zu “Ein neuer Preis für Selfpublisher – brauchen wir das?

  1. Hat dies auf Nike Leonhard – Fantasy und Historisches rebloggt und kommentierte:

    Ich hoffe ja sehr, dass dieser Preis keine einmalige Angelegenheit bleiben, sondern zur festen Institution werden wird. Für mich ist er ein deutliches Signal, dass Selfpublishing mehr ist, als der schnell produzierte und billig verkaufte Kitsch ohne literarischen Tiefgang, den das Feuilleton so gerne unterstellt. Und natürlich würde ich in einem der kommenden Jahre gerne auch eines meiner Bücher ins Rennen schicken.

    Gefällt 3 Personen

  2. Ein Preis, der selbstpublizierte Bücher unterstützen und im Buchhandel sichtbarer machen soll, ist von seiner Idee her auf jeden Fall eine gute Sache. Ich hoffe nur, dass sich in der Shortlist am Ende auch tatsächlich innovative und ungewöhnliche Titel wiederfinden und nicht nur die klassischen „Selfpublishing-Genres“ – also Liebesromane, Krimis und Fantasy – wie z. B. im Fall des Kindle Storyteller Awards. Womit ich nicht sagen will, dass es sich hierbei nicht um gut geschriebene und professionell publizierte Bücher handelt, ganz im Gegenteil. Aber viele dieser Titel sind nun mal tatsächlich Unterhaltungsliteratur – nicht mehr und nicht weniger – und eher selten außergewöhnlich innovativ oder literarisch anspruchsvolle und ambitioniert. Sollte die Shortlist des Deutschen Selfpublisher-Preises daher ebenfalls nur aus den üblichen Verdächtigen bestehen, dürften sich Feuilleton und Co. in ihrer Meinung, dass es sich bei Selfpublishing um Kitsch ohne literarischen Tiefgang handelt, eher bestätigt sehen. In dem Fall würde der Preis leider das Gegenteil von dem bewirken, was er eigentlich soll …

    Gefällt 1 Person

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