Kinderbücher selbst verlegen

Wenn wir über Selfpublishing berichten, liegt unser Fokus meist auf der Belletristik oder dem Sachbuch. Unsere Fundstücke lassen sich hauptsächlich diesen Kategorien zuordnen und auch auf anderen Websites, beispielsweise der Selfpublisherbibel oder indie-publishing, wird in der Regel über diese Genres berichtet. Doch sind Romane, Ratgeber oder Kurzgeschichten bei weitem nicht die einzigen Bücher, die im Selfpublishing herausgebracht werden. Auch Kinderbücher lassen sich selbst verlegen, obwohl man davon meist nur wenig hört. Liegt es an der Zielgruppe oder  vielleicht an den Illustrationen und deren problematischer Darstellung im e-Book? Und was gilt es zu beachten, wenn man ein Kinderbuch selbst veröffentlichen will?

Kinderleicht! Oder?

Schaut man auf die Seite des Selfpublishing-Dienstleisters epubli, scheint es so, als wäre das Veröffentlichen eines Kinderbuchs im Selfpublishing nicht anders, als das Veröffentlichen eines Romans oder einer Kurzgeschichte. Es gibt ein Angebot zum Drucken, Vertreiben, Konvertieren etc.

Epubli wirbt mit modernster Drucktechnik und einer großen Auswahl von Bindungen, Papiersorten und Formaten, mit deren Hilfe dem eigenen Buch „kinderleicht“ das passende Äußere verliehen werden kann. Klingt soweit erstmal alles ganz normal. Das Angebot scheint sich nicht von dem zu unterscheiden, dass epubli beispielsweise für Romane anbietet. Einfach PDF abliefern und los geht’s – eben kinderleicht! Doch so ähnlich sind sich Kinderbücher und Belletristik nicht. Nein, wirklich nicht.

Hohe Qualität bei Illustrationen

Beschränken wir uns für diesen Beitrag auf eine Altersgruppe von 0 bis 6 Jahren. Es geht somit hauptsächlich um Bücher mit vielen Illustrationen und wenig Text – reine Bilder- und Vorlesebücher also, die quasi erst durch die darin enthaltenen Illustrationen zum Leben erwachen. Somit unterscheidet sich ein solches Buch doch schon sehr von einem gewöhnlichen Roman. Deshalb gibt es einiges, worauf Selfpublisher, die ein Kinderbuch veröffentlichen wollen, besonders achten sollten. Hier sind wir wieder bei dem, was epubli verspricht bzw. verschweigt. Mit einer einfachen Ablieferung eines PDFs ist das Zustandekommen eines schönen Kinderbuchs nämlich noch lange nicht gewährleistet.

Die in diesem Beispiel angenommene Zielgruppe der 0- bis 6-Jährigen achtet zwar selbst noch nicht auf die optimale Auflösung oder ein einwandfreies Layout, die Eltern – also die Käufer – hingegen schon. Abgesehen vom Talent des Illustrators ist es wichtig, auf die Druckqualität der Abbildungen zu achten. Auch den kleinen Zuhörern macht es sicherlich mehr Spaß, schöne Bilder zu betrachten, deren Farben nahezu aus dem Buch herausstrahlen.

Besonderheiten der Herstellung

Der Selfpublisher muss somit sowohl bei e-Books als auch bei gedruckten Büchern vor allem auf die Qualität der Herstellung achten. Er wird nicht darum herumkommen, sich über einige Details zu informieren. Welches Papier wird verwendet? Welches Druckverfahren bietet sich für Selfpublisher an und wie teuer ist das alles?

Für Farbseiten im Innenteil des Buches wird das Fotomatt 120 Gramm Papier empfohlen. Für Standarddruck wird meistens das weiße 90 Gramm Papier verwendet. Das speziell beschichtete und dickere Fotopapier ist teurer, dadurch verliert der Autor zwar ein paar Prozente beim Erlös, doch ist es unerlässlich – Illustrationen die durchscheinen und sich so womöglich gegenseitig überlagern oder die Textblöcke beeinträchtigen stören den Lesefluss.

Was die Farbe und die damit verbundene Drucktechnik betrifft, gibt es seit einigen Jahren stetige Entwicklungen. Vor allem der digitale Farbdruck, auch 4c-Druck genannt, macht Fortschritte. Der Digitaldruck ermöglicht auch Selfpublishern schnell und einfach farbige Bücher drucken zu lassen, allerdings hat das auch seinen Preis. Der 4c-Druck ist immer noch teuer. Selfpublisher müssen die Kosten für Herstellung, Papier und Druck auf den Verkaufspreis umschlagen, dadurch werden die Bücher oft teuer und können mit der Verlagskonkurrenz nicht mithalten. Es ist also deutlich teurer, ein farbiges Bilderbuch zu drucken, als einen monochromen Roman. Jedoch muss auch nicht immer das gesamte Buch farbig gedruckt werden. So bietet sich der 4c-Druck auch für nur wenige Seiten im Buch an. Das macht das Print on Demand-Verfahren möglich. Der Selfpublisher kann genau angeben, welche Seiten später farbig und welche monochrom gedruckt werden sollen. So können die Kosten zumindest ein Stück weit reduziert werden.

Bei einem Print-Titel sollte darauf geachtet werden, dass die Abbildungen in den Primärfarben der subtraktiven Farbmischung (CMYK) angelegt sind. Bei e-Books hält man sich an RGB-Farben, die Primärfarben der additiven Farbmischung.[1]

Digitale Kinderbücher – eine gute Idee?

Ein Kinderbuch als e-Book? Kann das funktionieren? Einige der aktuellen e-Reader können Farben schon sehr gut darstellen, aber nicht alle. Vor allem die günstigeren Varianten haben oftmals ein schwarz-weiß-Display. Deshalb sollte der Selfpublisher bedenken, dass die Illustrationen auf vielen Endgeräten nicht farbig angezeigt werden können. Es ist dann wichtig, dass die Bilder kontrastreich sind und eben auch schwarz-weiß gut wirken. Auf Tablets oder anderen Lesegeräten ist die farbige Darstellung meist unproblematisch. Besonders toll für Kinder ist es, wenn das e-Book beispielweise durch Ton oder Videos angereichert wird. Das funktioniert auf Tablets sehr gut. So kann die Geschichte mit passenden Geräuschen, Zusatzinformationen oder anderen Extras untermalt werden und wird dadurch zu einem enhanced e-Book. Doch neben farbigen Abbildungen und netten Zusätze gilt es auch das Format zu beachten: Bilderbücher sind meist großformatig, die Displays der Tablets und e-Reader sind klein und je nach Bildschirm und Einstellung von Textgröße verändern sich die Umbrüche. Bei reinem Text ist das meistens kein Problem, bei Illustrationen hingegen schon. Bilderbücher brauchen oftmals ein fixes Layout, damit sie auf digitalen Lesegräten auf einer Seite angezeigt werden können. Dabei füllen sie dann zwar den ganzen Bildschirm aus, es kann aber nicht gezoomt werden.[2] Aufgrund dessen sollte der Autor sich vorher überlegen, in welcher Form er veröffentlichen möchte und welche Standards für den Druck und für e-Books gelten. Mit nur einer Datei wird man hier nicht auskommen.

Ist der Prozess der Herstellung beendet, stellt sich die Frage nach der bestmöglichen Vermarktung des Buches. Über das „normale“ Angebot der Selfpublishing-Dienstleister hinaus, gab es bei dem Dienstleister Ruckzuckbuch die Edition Kugelfisch, die auf Kinderbücher ausgelegt war. Leider gibt es dieses Angebot seit der Insolvenz des Unternehmens nicht mehr und bisher hat auch kein anderer Selfpublishing-Dienstleister ein entsprechendes Nachfolgeangebot. Somit muss sich das Kinderbuch unter renommierten Kinderbuchverlagen behaupten. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Beispielsweise ist die Autorin Paja Reisch mit ihrem selbstverlegten Kinderbuch „Träum mit mir“ sehr erfolgreich und zeigt, dass Qualität, Kreativität und Marketing am Ende zum Verkaufserfolg führen können.

[1] https://www.hubertundco.de/buchdruck/artikel/3-farben.php

[2] http://www.literaturcafe.de/selfpublishing-so-veroeffentlichen-sie-kinderbuecher-fuer-kindle-und-co/

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