Auf und davon – das eigene Buch im Ausland veröffentlichen?

Marisa Klein

Ist ein Verlagsbuch sehr erfolgreich, wird es oft in vielen verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Der Autor kann sich dabei zurücklehnen und über die unterschiedlichen Cover staunen. Für Selfpublisher hingegen ist die Veröffentlichung im Ausland eine große Aufgabe, bei der im Vorfeld vieles bedacht werden muss. Vor allem der Kosten-Nutzen-Faktor spielt hier eine Rolle.

Welche ersten Schritte sind zu tun?

Die Übersetzung? Nein, als erstes sollte man sich überlegen, in welchem Land man sein Buch an den Mann bzw. die Frau bringen will. Matthias Matting hat in seinem Artikel „Via Amazon mit dem eigenen e-Book in die Welt – lohnt sich eine Übersetzung“ seine Erfahrungen zusammengetragen. Wichtig ist, den Markt und die Kultur zu kennen. So gibt es in China bspw. die staatliche Zensur, die es Ausländern erschwert, ihre Texte zu veröffentlichen. In Indien konkurriert man stark mit US-Autoren. Zudem sollte man nicht den Fehler begehen, den UK-Buchmarkt und den US-Buchmarkt, sprachlich und kulturell, gleichzustellen. Und man muss wissen, über welche Plattform man sein Buch anbieten will. Matting weist darauf hin, dass Amazon mit KDP noch nicht in allen Länder vertreten oder dort noch nicht angekommen ist. Zwar verkauft Amazon seine e-Books weltweit, gibt es aber keine eigene Länderseite, wird auf amazon.com umgeleitet. Anbieter wie iBooks, Kobo oder Google Play hingegen gibt es in sehr viel mehr Ländern, doch ihre Reichweite ist in manchen Ländern gering.

Die Krux der Übersetzung

Es gibt mehrere Wege, sein Werk übersetzen zu lassen. Man hält sich an Schriftsteller-Kollegen, die bereits übersetzt wurden, und fragt nach deren Empfehlung. Man sucht nach entsprechenden Gruppen bei Xing oder LinkedIn. Oder man hält sich an Dienstleister wie Babelcube, Proz, Freelancer und Upwork. Während Seiten wie Freelancer und Upwork allgemein zur Vermittlung von Aufträgen an Freischaffende dienen, sind Babelcube und Proz auf Übersetzungstätigkeiten gemünzt. Insbesondere Babelcube spezialisiert sich auf Bücher. Von 3 bis 1 Cent pro Zeichen über 25 Euro pro Seite bis hin zur nach Ertrag gestaffelten Gewinnbeteiligung – es gibt viele verschiedene Preismodelle. Und viele Fragen, die gestellt werden müssen:

  • Wird eine Probeübersetzung kostenlos angeboten (eigentlich Standard)?
  • Ist der Übersetzer Muttersprachler und verfügt über sehr gute Fähigkeiten in der Ausgangssprache?
  • Hat er Erfahrung mit literarischen Übersetzungen, mit dem Genre, mit dem Thema?
  • Ist er vielleicht selbst Schriftsteller (durchaus sinnvoll)?
  • Schließt sich der Übersetzung ein Korrektorat und Lektorat an?
  • Wie ist das mit dem Urheberrecht?

Auf jeden Fall ist zu beachten: Es wird so oder so nicht billig. Hat man einen Übersetzer gefunden und sich bezüglich des Preises geeinigt, stellt sich die Frage, wie sich die Qualität der Übersetzung überprüfen lässt. Einen anderen Muttersprachler drüber lesen zu lassen ist sicher die beste Option, doch nicht jeder hat einen mehrsprachigen Freundeskreis. Einen weiteren Übersetzer fürs Lesen zu bezahlen, lässt die Kosten noch mehr steigen.

Werbung, Werbung, Werbung

Die britische Autorin Joanna F. Penn, die ihre Bücher vom Englischen ins Deutsche übersetzen ließ und nun auf dem hiesigen Buchmarkt mit „Pentecost – ein ARKANE Thriller“ ihr Glück versucht, hält noch einige Tipps bereit. Interessant ist ihre Idee, mit deutschen Schauplätzen und Namen ein Genre ähnlich den auch uns bekannten und beliebten Skandinavien-Krimis zu schaffen. So könnten Selfpublisher sich quasi eine eigene Nische schaffen. Das Deutsche also als eigene Marke? All die schönen Einfälle nutzen allerdings nichts, wenn nicht entsprechend Werbung gemacht wird. Penn schlägt vor, mehrere Bücher oder zumindest ein weiteres fertig zu haben, um sich der potenziellen Leserschaft gegenüber breiter aufzustellen. Für bereits gewonnene Fans lohnt sich ein Newsletter, in allen Sprachen, in denen auch das Buch erhältlich ist. Dass das Buch handwerklich und gestalterisch einwandfrei sein sollte, dürfte selbstverständlich sein. Woran die meisten nicht denken: soll das Buch auf einem Buchmarkt in einer anderen Zeitzone einschlagen, so muss man das beachten. Zeitlich begrenzte Gewinnspiele oder Postings im Social Media-Bereich sollten darauf abgestimmt sein. Über allem steht als Schwierigkeit: die Sprache. Ein bisschen Englisch kann jeder, doch Mandarin, Hindi oder Japanisch? Da man für seine Zielgruppe bzw. für sein Publikum Werbung macht, sollte das auch in der Zielsprache geschehen. Somit steht man seinen Lesern viel näher bzw. kann überhaupt erst Interesse wecken. Hat man keine Beziehungen zu Freunden oder Bekannten, die kleine Übersetzungen gerne für den Autor übernehmen, so muss man wieder auf einen Übersetzer zugreifen. Wie im vorangegangenem Abschnitt erwähnt: Das kann teuer werden.

 Auf und davon oder doch lieber daheim bleiben?

Es ist teuer und lohnt sich nur bedingt. Wer nicht schon Kontakte und eine Fanbase hat, bereits in Deutschland Erfolge feiert oder einen zumindest überdurchschnittlichen Ertrag auf dem hiesigen Markt aufweisen kann, der wird nur schwer Fuß fassen. So jedenfalls ist der Eindruck, den man bei einer Recherche über Übersetzungen für Selfpublisher erlangt. Wer trotzdem den großen Wunsch hat, sein Werk in einem anderen Land bekannt zu machen, sollte jedenfalls einiges an Durchhaltevermögen mitbringen.

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