Besser vorlesen

Sonja Faußner

Wenn Menschen lesen, hat das manchmal seinen Zauber. Wir sitzen gemütlich, der Blick schweift in die Ferne, die Geschichte nimmt uns gefangen und wenn der Spuk vorbei ist, ist uns, als wären wir aus einem Traum aufgewacht.

Wenn Menschen vorlesen und wir diese Menschen sind, geht uns die Muffe. Unser Text ist unser Kind, wir sind es gewohnt im stillen Kämmerlein vor uns hin zu werkeln, am liebsten ist es uns, niemand fragt uns danach und liest und mag es.

Und doch: Lesungen gehören dazu. Und können eben jenen Zauber vermitteln.

Wie es uns gelingen kann, gut, nein, eher besser vorzulesen, sagt uns Fabian Neidhardt (Straßenpoet, Sprecher & Botschafter des Lächelns) im Gespräch mit Wolfgang Tischer.

Besser vorlesen – So begeistern Sie Ihr Publikum.

Einmal ist es wichtig, den Körper als Ganzes zu betrachten und die Stimme durch ihn hindurchfließen zu lassen. Die richtigen Saiten zu zupfen und den Korpus schwingen zu lassen. Herr Neidhardt steht während des Vortrags. Spricht mit viel Mimik und Gestik. Und wirkt dabei sympathisch und lebendig. Wussden Sie, dass es ka amdliches Hochdeutsch gibt? Was ist denn schon deutsche Sprache? Er appelliert an uns: Schmeißen erlernte Grammatik Sie über den Haufen!

unterteilen sie sätze nach sinnabschnitten und lassen sie kommas satzzeichen oder gar punkte einfach weg dann werden sie merken was zusammengehört und was nicht sie werden dann anders lesen weg vom klassischen erlernten vorlesen punkt

Doch wozu das denn? Wir Autorinnen und Autoren lieben unseren Text und sind auf gewisse Art und Weise blind für ihn. Wir kennen ihn. Ein Lesender oder Hörender noch nicht. Nehmen Sie ihm keine Spannung. Entwickeln Sie für jeden Sinnabschnitt eine Haltung. Auffordernd, appellativ, fragend, froh, traurig. Aber nicht übertreiben, sonst holt Sie der grooooooße böööööse Wolf mit den schaaarfen Zääääähnen und ihre Zuhörer und Zuhörerinnen schalten aus Selbstschutzgründen ab. Nehmen Sie Kinder als Versuchsobjekte, sie werden gnadenlos ehrlich sein.

Schön Sprechen ist nicht inhaltlich verständlich sprechen. Wir wollen mehr Mut zur Hääääässlichkeit! Weg von dem, was wir immer dachten. Sätze neu denken. Und neu vorlesen. Lauschen Sie anderen, was gefällt Ihnen daran? Was gefällt Ihnen an ihrem eigenen Stil?

Wenn wir vorlesen, sollte unser Auge schneller sein als der Mund. Lassen Sie uns auch einmal vom geschriebenen Text abweichen und eine hässliche, aber inhaltlich korrekte Lesefassung zum Besten geben. Hippopotomonstrosesquippedaliophobie. Streichen.

Seien wir nicht so streng zu uns, jahrelang «falsch» vorlesen kann man nicht in einer Nacht korrigieren. Lassen Sie uns ehrgeizig professionelle Hilfe aufsuchen. Es gibt so etwas wie Sprecherziehung. Fast überall. Auch in Ihrer Nähe.

Tage um Tage, Monate um Monate hat uns unser Dialekt, unsere Stimme, unsere Begabung und unser Leben geprägt. Es ist ok. Wirklich.

Sie sind aufgeregt vor Lesungen?

Perfekt.

Los geht´s!

Der Körper ist nach Herrn Neidhardt in einer gewissen (An-) Spannung gerade richtig für einen Auftritt. Etwas Mut zum Scheitern und blöde Aussehen. Auch das können wir üben.

Da.

Ha. Sie haben es nicht gesehen.

Mist, das war nicht Sinn der Sache.

Morgen in der Ubahn dann.

Ganz praktisch schlägt er uns vor, den Tisch beim Lesen wegzulassen und im Stehen vorzutragen. Aber wo ist dann unser Sichtschutz vor bösen Blicken? Und wo kralle ich meine feuchten Hände hinein, ohne dass es jemand merkt? Da sind wir wieder bei dem Punkt mit dem blöde Aussehen.

 

Und am Ende, lassen Sie uns durchatmen. Geschmäcker sind verschieden. Nobody is perfect again what lörnd. Ist ein glücklicher Autor mit Herzblut dabei, ist der Zauber auf dem Weg. Hex. Hex.

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