Gesprächsrunde zum Thema Lektorat

Von Donnerstag bis Sonntag organisierte der Selfpublisher-Verband – jeweils um 15Uhr – eine Gesprächsrunde zum Thema Lektorat.

Ich besuchte die Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse am Donnerstag. An diesem Tag waren Marion Voigt (freie Lektorin), Klaus Seibel (Autor) und Hans Peter Roentgen (Coach für Autoren) zum Gespräch mit Ruprecht Frieling (Gründungsmitglied des Selfpublisher-Verbandes) geladen.

Zunächst stellte sich die Frage, ob für Lektoren die Zusammenarbeit mit Selfpublishern schwieriger sei als mit Verlagsautoren. Natürlich liegt diese Vermutung nahe, da Selfpublisher vor ihrer ersten Veröffentlichung noch ganz „neu“ in der Branche sind und noch keine Erfahrung haben. Die Gepflogenheiten und die Zusammenarbeit mit einem Lektor, der in den Text eingreift, erschließt sich da gegebenenfalls noch nicht. Hier war man sich aber schnell einig, für den Lektor ist nicht wichtig, woher ein Autor kommt, sondern es zählt alleine der Text. Dennoch, manchmal kann die Zusammenarbeit ohne den Verlag als Dritten im Bunde persönlicher und direkter sein und die Kooperation vereinfachen. Entscheidend für ein erfolgreiches Lektorat ist aber voll allem, dass Autor und Lektor zusammenarbeiten können und eine ähnliche Zielvorstellung haben.

Interessant war dann die erste Frage an Klaus Seibel: „War dein Lektor dein Anwalt?“
Der Autor hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und antwortete aus seiner Erfahrung heraus: „Ja und Nein.“ Ein erfolgreiches Lektorat kann umfangreich sein, muss es aber nicht zwangsweise. Seine erste Lektorin habe seinen Text komplett zerlegt und habe nicht nur lektoriert, sondern sich als eine Art Schreibcoach verstanden. Die zweite Lektorin hingegen habe weniger Korrekturen gemacht, arbeitete aber dennoch sehr effektiv. Beides habe seine Vor- und Nachteile. Letztendlich bleibt es dem Autor überlassen, welche Art des Lektorates er bevorzugt.

Hans Peter Roentgen führte die Frage weiter aus, indem er darauf hinwies, dass der Lektor der heimliche Dritte zwischen Autor und Leser sei. Er coacht Autoren, wobei er zu Beginn ein Gespräch führt, um den Autor kennenzulernen. Seine Entscheidungen orientieren sich dann primär am Text. Er verweist auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Lektoren und auf typische Anfängerfehler, die jeder Autor macht. (So beginnt er selbst gerne Sätze mit „und“ oder „oder“.) Sein wichtigster Tipp letztendlich: „Schreib nicht über deine Figuren – schreib mit deinen Figuren – tauche in sie ein!“
Die entscheidende Frage, die Autoren sich stellen sollten, ist letztendlich nicht „Habe ich Talent“ sondern „Will ich schreiben oder nicht“.

Marion Voigt kam nun auch zu Wort, sie unterstreicht die Bedeutung des Erstgespräches zwischen Lektor und Autor und hält es für besonders wichtig, gemeinsame Zielvereinbarungen zu treffen. Denn sie geht an Texte, mit denen der Autor primär Geld verdienen möchte anders heran als an Texte, die dem Autor am Herzen liegen – also keine primäre Gewinnabsicht verfolgen, sondern das Gefühl zum Buch.
Weiterhin beantwortet sie praktische Fragen, wie die Kosten für ein Lektorat. Hier sagt sie allerdings, dass es zwar auf der einen Seite vom Text abhänge, auf der anderen Seite ein guter Lektor aber bereits nach einem Probelektorat von ca. 3–6 Seiten durchaus abschätzen könne, wie arbeitsintensiv der Text sei und daraus einen realistischen Kostenvoranschlag machen könne. Außerdem verweist sie darauf, dass Lektoren niemals ein Geschmacksurteil abgeben. Die Frage nach dem Talent des Autors kann nicht beantwortet werden, auch wenn jeder gerne hören möchte, dass er einen sehr guten Sprachstil und Talent hat…
Final war für mich der wichtigste Punkt: Die Bewertung eines Lektors reduziert sich nicht nur auf „gut“ oder „schlecht“, sondern stellt ein qualifiziertes weiterführendes Feedback dar.

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2 Kommentare zu “Gesprächsrunde zum Thema Lektorat

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