Anti-(e-Book)-Piracy

Am Donnerstag Nachmittag sprach Andreas Kaspar, der Inhaber von CounterFights Anti-Piracy, über e-Book-Piraterie und ob diese Umsatzverluste herbeiführt oder sich als Werbeeffekte positiv für den Autor auswirkt.

2014 gab der Springer Verlag bekannt: „…durch e-Book-Piraterie ergibt sich kein Schaden für den Verlag“.

Um dieser These auf den Grund zu gehen, stellt Kaspar den Vergleich zur Musikindustrie her: Dort fördern illegale Downloads von Alben oder einzelnen Songs den Absatz, statt ihn einbrechen zu lassen. Oft wird ja die Buch- mit der Musikbranche verglichen, doch ist auch in diesem Beispiel die Gegenüberstellung sinnvoll?

Bei e-Books gibt es keinen Qualitätsunterschied – egal, ob man das e-Book in einem Online-Shop wie beispielsweise Thalia kauft, oder illegal auf einer entsprechenden Plattform herunterlädt. Bei Musikdateien oder Filmen ist das hingegen oft der Fall und der User hat einen „Nachteil“, wenn er sich die Datei illegal beschafft. Bei Büchern gibt es für den Leser diesen Nachteil nicht. Somit ist der Vergleich in diesem Fall hinfällig.

Kaspar sagt jedoch, dass, ähnlich wie bei der Musikindustrie, die illegalen Plattformen durchaus Werbung sein können. Es wird schließlich das Buch und der Autor erwähnt, Leser werden auf den Titel aufmerksam und lesen ihn. Doch was nutzt das dem Autor, wenn dabei kein Geld fließt? Umsätze werden schließlich nur über Verkäufe generiert und nicht über illegale Downloads.

Dennoch argumentieren auch viele Autoren damit, dass es schon nicht so schlimm sei, wenn das Buch auch auf einer illegalen Plattform zu haben sei. Doch die meisten sind sich nicht bewusst, wie viele Bücher illegal angeboten werden und vor allem wie schnell das geht. Dem Autor bleibt kaum Zeit, das Buch zu vermarkten und zu verkaufen, nachdem es veröffentlicht wurde, denn im Schnitt sind 45 Prozent der Bücher schon innerhalb eines Monats nach Erscheinen zum illegalen Download verfügbar. Bei dem Genre Thriller/Krimi lieg die Zahl sogar noch höher: Innerhalb des ersten Monats sind 74 Prozent online verfügbar und bei Romance-Titel liegt der Prozentsatz schon bei 93. Im Durchschnitt entsteht durch e-Book-Piraterie hypothetisch ein wirtschaftlicher Schaden von ca. 30 Prozent des Umsatzes.

Was kann man tun? Wie kann der Piraterie entgegengewirkt werden? Um richtig reagieren zu können, ist es zunächst wichtig, die verschiedenen Lesertypen zu definieren:

  1. Den regelmäßigen Leser und Käufer, für diesen ist es selbstverständlich, Geld für ein Buch auszugeben und er ist ein treuer Fan des Autors.
  2. Den „Hardcore-Downloader“, diesem Lesertypen ist das Urheberrecht egal und er lädt sich die Bücher generell nur illegal runter.
  3. Den digitalen Nutzer, dieser Lesertyp besitzt digitale Lesegeräte, ist in Netzwerken aktiv und sucht stets nach dem günstigsten Download, ist aber auch bereit, Geld für ein e-Book auszugeben.

Diese drei Lesertypen sind unterschiedlich zu behandeln. Der erste ist der treue Kunde, durch ihn werden Umsätze erwirtschaftet. Der zweite nimmt keine Rücksicht auf den Autoren und ist meist auch nicht belehrbar. Bei dem dritten Lesertypen hingegen können die Anti-Piraterie-Bemühungen ansetzen und Früchte tragen, da dieser Leser grundsätzlich auch für das Buch zahlen würde. Nun hat der Autor oder der Verlag verschiedene Möglichkeiten. Entweder das Problem wird ignoriert, oder es wird dagegen angekämpft und versucht die dritte Leserkategorie wieder als Käufer zu gewinnen. Dafür muss das e-Book von den illegalen Plattformen entfernt werden. Dadurch lassen sich die potentiellen Umsatzverluste wieder minimieren. Jedoch sollte den Autoren hier bewusst sein, dass es mit einmaligem Entfernen der Datei nicht getan ist – oftmals sind die Bücher auf mehreren Plattformen verfügbar und werden auch nach dem Löschen wieder eingestellt. Man muss somit dauerhaft ein Auge auf die verschiedenen Plattformen haben und die Datei womöglich ständig wieder melden und entfernen lassen. Ziel ist es hier, den „Uploader“ so lange damit zu „nerven“, bis das Buch nicht wieder eingestellt wird.

CounterFights bietet diesen Service an, sie überwachen die verschiedensten Plattformen und kümmern sich darum, dass die Datei entfernt wird und dauerhaft nicht mehr zum illegalen Download zur Verfügung steht. Einmalig kostet dieser Service für einen oder zwei Titel 35 Euro. Es gibt auch ein Abonnement, bei dem für drei Monate 20 Euro gezahlt werden.

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