Das Selfpublishing und der Buchhandel – was sich im letzten Jahr getan hat…

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Spubbles ist wieder auf der Leipziger Buchmesse unterwegs und auf Entdeckungstour: Was gibt es Neues im Bereich Selfpublishing? Was hat sich verändert, welche neuen Chancen gibt es und wo sind immer noch Defizite? Als erstes habe ich mir eine Veranstaltung von Books on Demand über das Thema „Selfpublishing und der Buchhandel. Herausforderungen und Chancen“ angesehen.

Ja, das Selfpublishing und der Buchhandel… das die Beziehung zwischen diesen beiden Buchmarkt-Segmenten nicht immer einfach ist, ist inzwischen bekannt. Auch, dass der Buchhandel offener gegenüber selbstverlegten Büchern geworden ist, scheint nicht mehr in Frage gestellt zu werden. Dennoch gibt es auf jeder Buchmesse und zwischendurch immer wieder Diskussionen um das Verhältnis der beiden. Aber gibt es auch Fortschritte? Es sprachen Iris Kirberg (Leiterin Marketing und Vertrieb für Autoren bei BoD), Stephan Schmitzer (Osiander) und Axel Schwab (Selfpublisher und Verlagsautor).

Selfpublishing dominiert – aber nicht im Buchhandel

Selfpublishing dominiert die Bestsellerlisten im Netz, doch im stationären Handel sind solche Titel immer noch kaum vertreten – soweit die zu Beginn aufgestellte These. Woran liegt das? Schmitzer von der Osianderschen Buchhandlung sagt, dass Buchhandlungen vor allem auf die Nachfrage reagieren. Sie kaufen ein, was sich verkauft. Diese Nachfrage wird von den Kunden, also Käufern, generiert, ist aber meistens durch große Bestsellerautoren und besondere Marketingstrategien der Verlage vorbestimmt. Bei Osiander wird jedoch ebenfalls auf das „besondere“ Buch Wert gelegt – und hier kommt das Selfpublishing ins Spiel. Selfpublisher bedienen oft Nischen und Special-Interest-Themen, sie wagen Neues und können Marktlücken bedienen, an die sich Verlage nicht wagen. Osiander will das födern, doch das ist nicht so einfach. Schmitzer zufolge ist es besonders schwer, den Überblick zu behalten. Im Selfpublishing werden Unmengen an Titel produziert – wie soll man herausfiltern, was davon wirklich gut ist, was sich verkaufen lässt und eben nicht zum Ladenhüter wird!? Die Online-Verkaufszahlen eines Selfpublishing-Titels lassen sich nicht auf das stationäre Geschäft übertragen und sind somit kein Garant für einen erfolgreichen Absatz. Auch sehen die Buchhandlungen in selbstverlegten Büchern immer noch nicht die selbe Qualität wie bei Verlagstiteln. Hier fehlt scheinbar immer noch ein ausreichendes „Qualitätssiegel“.

Dienstleister sind Schnittstelle

Um also die Flut der Selfpublishing-Titel zu bewältigen und auch noch die „Rosinen rauszupicken“ brauchen die Buchhandlungen die Selfpublishing-Dienstleister. Die Dienstleister bieten eine Schnittstelle zwischen den Selfpublishern und dem Buchhandel. Denn Autoren können nicht immer in direkten Kontakt zu den Händlern treten. Vor allem bei einer Buchhandels-Kette entscheidet der Händler oftmals nicht selbst, was in den Laden kommt und an den Einkauf kommt man als Selfpublisher kaum ran. Hier kann der Dienstleister helfen. Kirberg sieht vor allem Vorteile bei Titeln mit starkem regionalen Bezug. Beispielsweise schickt BoD entsprechende Bücher an die Buchhändler der entsprechenden Region. Das ist erfolgsversprechender als einfach selbst in die Buchhandlungen zu gehen, was auch nicht von allen Buchhändlern gerne gesehen wird, im Fall von Osiander einfach nichts bringt oder bei überregionalen Titel nicht zu stemmen ist. Auch Autor Axel Schwab sieht in der Regionalität ein Erfolgsrezept. Der Dienstleister ist somit eine Qualitätsinstanz und erweckt wahrscheinlich auch mehr Seriösität als ein „Vertreterbesuch“ des Autors.

Was tut der Dienstleister?

Zusätzlich zum direkten Kontakt zu Buchhandlung und der Vermittlung von Selfpublishing-Titeln, versuchen die Dienstleister mehr Übersichtlichkeit zu erreichen. BoD beispielswiese launchte vor kurzem seinen neuen Online-Shop: Es gibt nun mehr Bestsellerlisten. Diese sind differenzierter und sollen den Buchhändler oder auch den Leser schneller zum gewünschten Titel führen. Zusätzlich werden Kataloge nach verschiedenen Themengebieten erstellt, so gibt es immer unterschiedliche Schwerpunkte, die die Auffindbarkeit erleichtern sollen. Außerdem wird das Vertriebsnetz verbreitert.

Konkurrenz zu Verlagstiteln

Schmitzer betonte noch, dass es besonders wichtig sei, dass die Selfpublishing-Titel in direkter Konkurrenz zu Verlagstiteln stehen. Ein eigenes Selfpublishing-Regal hält er für wenig sinnvoll. Seiner Ansicht nach muss sich ein selbstverlegtes Buch neben Verlagstiteln behaupten können. Verlage sind somit immer noch Vorbilder für Selfpublisher. Vor allem, wenn es um Preis und Ausstattung geht. Hieraus leiten sich auch die drei wesentlichen Punkte ab, die Schmitzer für erfolgreiche Selfpublishing-Titel definiert:

  1. Die Verfügbarkeit: Wie ein Verlagstitel müssen auch die Selfpublishing-Titel über eine ISBN verfügen, im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) gelistet und über die bekannten Barsortimente zu beziehen sein.
  2. Die Ausstattung: Das Cover ist und bleibt das A und O für ein erfolgreiches Buch!
  3. Die Preisgestaltung: Der Preis darf weder zu hoch, noch zu niedrig angesetzt werden. Hier sollten sich die Selfpublisher ebenfalls an vergleichbaren Verlagstiteln orientieren.

In the end …

Alles in allem lässt sich sagen, dass der Buchhandel offener gegenüber dem Selfpublishing geworden ist, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Und auch dem Problem der Titelflut versuchen die Dienstleister immer stärker entgegenzuwirken. Eine Zusammenarbeit von Buchhandlungen, Diensleistern und Autoren ist unabdingbar, will sich das Selfpublishing auch stationär etablieren. Der Wille scheint auf allen Seite vorhanden zu sein, es war ein Gespräch über die Zukunft, ohne Ablehnung und mit viel gegenseitigem Verständnis. Vielleicht wird es zur nächsten Frankfurter Buchmesse ja schon ein weiteres Modell geben, wie alle drei Segmente besser zueinander finden und voneinander profitieren können…

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