Fake News – jetzt auch Thema im Selfpublishing

Was sind eigentlich Fake News und wieso beschäftigen sie die Selfpublishing-Branche? Ein Kommentar von Nina Rubach

Fake News – spätestens seit der Präsidentschaftswahl in den USA ein allgegenwärtiges Thema. Darunter zu verstehen sind ganz allgemein Lügen, die vor allem im Netz, auf verschiedenen Plattformen gezielt verbreitet werden. Sie beeinflussen die Leserschaft, ja, die Gesellschaft und können sich beispielsweise auf Wahlen auswirken.

Facebook steht schon länger in der Kritik wegen solcher Falschmeldungen, die sich vor allem in dem sozialen Netzwerk rasend schnell verbreiten. Die Zeit widmete sich  diesem Thema und berichtete, dass das Hauptproblem der Verbreitung von Fake News in der Schnelligkeit des Netzwerkes liegt: „Kontroverse Posts erzeugen mehr Reaktionen und erreichen dadurch auch mehr Menschen. Dabei spielt der Wahrheitsgehalt einer Meldung keine Rolle.“ Eine Richtigstellung ist danach kaum möglich. Auch der Spiegel berichtete vor einiger Zeit darüber, dass Facebook nun das stiftungsfinanzierte Recherchebüro Correctiv ausgewählt hat, für den Konzern Lügengeschichten zu kennzeichnen. Gelangt Correctiv zu dem Schluss, dass eine Fake News vorliegt, wird diese zwar nicht gelöscht, aber mit zwei Warnhinweisen versehen. Die Beiträge müssen dafür vorher von Facebook-Nutzern als Falschmeldung an Facebook gemeldet sein.  Der Beitrag ist folglich nicht weg und kann weiterhin geteilt werden. Auch die Bundesregierung will gegen Falschmeldungen auf Facebook vorgehen und droht mit Bußgeldern. Ob das funktioniert, wird sich zeigen – vor allem in Hinblick auf die anstehenden Wahlen in Deutschland.

Doch wieso werden Fake News auch im Selfpublishing zu einem Problem? Das Handelsblatt veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel „Lügen wie gedruckt“ und behauptet, dass die verschiedenen Dienstleister Fake News zu großen Raum bieten. Das Handelsblatt thematisiert vor allem „die Kontrollmechanismen der Dienstleister, die hauptsächlich auf Selbstregulierung setzten – wenn Nutzer auf strafrechtlich relevante oder gegen gute Sitten verstoßende Inhalte melden, wird man tätig“. Das klingt so, als wären Selfpublishing-Plattformen voll von Fake News. Sicherlich ist die Kritik des Handelsblatts in Teilen angebracht, ist es doch durch die Selbstregulierung möglich, Inhalte zu verbreiten, die beispielsweise antisemitisches Gedankengut transportieren, aber nicht von der Community gemeldet werden. Allerdings denke ich, dass es schwieriger ist, Falschmeldungen über Selfpublishing-Plattformen zu verbreiten, als beispielsweise über Facebook. Doch was sagen die Experten?

Indie-publishing ließ einige Selfpublishing-Experten zu Wort kommen. Beispielsweise Ruprecht Frieling vom Selfpublisher-Verband. Dieser sagte, dass das Thema der Falschmeldungen nicht neu sei und es schon seit Jahrzehnten Lügen in Form von Büchern verbreitet werden. Er sieht dieses Problem aber auch bei klassischen Verlagen, denen eigentlich zugeschrieben werden sollte, dass sie ihre Inhalte alle prüfen. Dennoch sagt Frieling, dass „bislang viel weniger Spinner und Faker aufgetreten sind als in der von den Verlagen ‚bewachten‘ Buchlandschaft“. Sein Ansatz diesen Wenigen dennoch entgegenzutreten, ist die weitere Professionalisierung des Selfpublishing, dadurch soll sich das Image bessern. Soll sich das Problem also einfach von selbst lösen? Die Professionalisierung soll zumindest auch teilweise ein Kontrollmechanismus sein, indem Inhalte von Dritten kontrolliert, geprüft und überarbeitet werden – beispielsweise durch externe Lektoren. Das könnte allerdings noch einige Jahre dauern und am Veröffentlichen falscher Informationen und deren Verbreitung wird sich nichts ändern. Weiterhin kann jeder über eine Selfpublishing-Plattform veröffentlichen, der das möchte.

Gerd Robertz von BoD hält fest, dass Fake News kein Massenphänomen im Selfpublishing sind, sondern sich auf Einzelfälle beschränkt. Er hält es für nicht ganz treffend, die aktuelle Fake News-Diskussion der sozialen Medien auf das Selfpublishing zu übertragen. BoD sei das schon länger bewusst und prüfe  Inhalte schon vor der Publikation. Doch was, wenn dann mal was durchrutscht – denn ganz ehrlich, alle Inhalte vorher kontrollieren zu wollen, das ist utopisch. Doch auch Sönke Schulz von tredition sagt: „Bei uns wird jedes Buch manuell geprüft„. Allerdings betont auch Schulz, dass es darum geht, Inhalte auszuschließen, die gegen geltendes Recht verstoßen. Die Buchinhalte werden vor der Veröffentlichung auf Legalität geprüft, sind sie innerhalb des Gesetzesrahmens, werden sie zugelassen. Falschmeldungen und gezielte Lügen müssen aber nicht gegen das Recht verstoßen und sollten doch eigentlich trotzdem gelöscht werden – oder? Das scheint bisher wirklich außerhalb der Möglichkeiten der Selfpublishing-Dienstleister zu liegen.

Dennis Schmolk von bookrix hält den Mechanismus der gezielten Meldung durch die Community für ausreichend. Er sagt: „Aus unserer Sicht hat sich an der Grundproblematik nicht viel geändert. Neu ist vielleicht, dass im aktuellen politischen Klima Hemmungen verloren gehen und andererseits die Sensibilität steigt. Die Inhalte radikalisieren sich mit den Menschen. Das heißt für uns, dass wir mehr Einzelentscheidungen fällen müssen und dass wir auch unsere eigenen Wertvorstellungen immer wieder neu verhandeln müssen.“ Aber auch diese Einzelfälle können nicht automatisch erfasst werden.

Was kann die Selfpublishing-Branche tun? Die Communities müssen stärker involviert werden, die Leser, Autoren und alle Nutzer müssen aktiv werden. Falschmeldungen müssen gemeldet werden – am besten so schnell wie möglich und von mehreren Personen. Dann bleibt zu hoffen, dass der entsprechende Dienstleister schnell reagiert und bestenfalls den Titel löscht, selbst wenn er nicht gegen eine bestimmte Rechtsgrundlage verstößt. Das wird aber schwer durchzusetzen sein, da sich die Dienstleister prinzipiell dazu bereit erklären, alles zu veröffentlichen, was nicht gegen Rechtsgrundlagen verstößt. Ein Problem das wahrlich nicht neu ist, unsere Gesellschaft aber derzeit stärker denn je zu prägen scheint.

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