Mit Kind und Karre auf der Buchmesse

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Wir freuen uns, dass wir dieses Jahr fünf Studierenden die Möglichkeit geben konnten, uns auf die Buchmesse zu begleiten. Heute wird uns Maren Boguslawski berichten, wie sie die Messe empfunden hat. Ein liebes Danke dafür!

Nachdem ich in meinen zwei abendlichen freien Stunden das Programm für den Freitag der Buchmesse nach spannenden Themen durchforstet und mir – optimistische – elf Veranstaltungen herausgeschrieben hatte, ging ich voller Vorfreude ins Bett. Natürlich war es genau an diesem Tag wieder eine schlechte Nacht. Ich schlief also einfach später am Morgen und warf etwa fünf Veranstaltungen im Halbschlaf über Bord. Tatsächlich trafen wir (mein Mann, Sohn und ich) erst um kurz vor 13 Uhr auf dem Messegelände ein. Es blieben nach Besuchen an Ständen und von Freunden noch genau zwei Veranstaltungen übrig, die wir erfolgreich bzw. größtenteils – mit Stillpause, da ansonsten Sebastian Fitzek wohl kaum sein eigenes Wort verstanden hätte – besuchten. Von einer möchte ich etwas genauer berichten, da dieses Thema einige Parallelen zum Selfpublishing bietet.

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©Elisabeth Böker

Open Stage, Agora, 14 Uhr: „Vom Buch zum Spiel: Transmedialität sehen und verstehen“ mit den Teilnehmern Karla Höß (Experimental Game, Producerin), Dipl. Kult. Christian Huberts (Freier Journalist, Moderator) und Jan Theysen (King Art Games, Entwickler).

Zunächst gewinnen wir einen Eindruck vom neusten Spiel der Entwicklerschmiede King Art Games „Die Zwerge“, das noch diesen Herbst erscheinen soll. Es basiert auf der Fantasyromanreihe „Die Zwerge“ von Markus Heitz, wobei sich das Spiel lediglich auf den ersten Band bezieht. Die Entwicklung des Rollenspiels startete mit einer Kickstarter-Aktion, was es dem Studio ermöglichte, begeisterte Leser der Reihe früh mit einzubinden und natürlich auch zu fesseln. Doch wo ist hier der Autor? Welche Rolle übernimmt er bei der Entwicklung eines Spiels, das schließlich auf seinem Buch basiert? Das Entwicklerteam war selbst sehr daran interessiert Markus Heitz immer auf dem Laufenden zu halten. Heitz gab Feedback zu Charakteren, war aber nicht deren Richter und Henker, sodass sich die Zusammenarbeit unkompliziert gestaltete. Frei nach dem Motto „ich das Buch, ihr das Spiel“, jedem seine Handlungsfreiheit auf dem Gebiet, das er beherrscht.

Als nächstes kommen wir zu Karla Höß, Producerin bei Experimental Game, welche an einem Tool zur Entwicklung von Games arbeitet. Das im Baukastenprinzip gehaltene Programm kann von allen Beteiligten gleichermaßen genutzt werden, indem jeder seinen Teil zum Ganzen beisteuert: Grafische und spielerische Elemente werden von Game-Designern in Bibliotheken hinterlegt, sodass Autoren auf sie zugreifen und für ihre Story verwenden können. Ablauf und Fortschritt der gemeinsamen Arbeit können vom Producer verfolgt und kontrolliert werden. Die Vorteile des Tools liegen auf der Hand: Einmal eingepflegte Inhalte können für transmediale Projekte mehrfach verwendet werden, was weniger finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeutet. Aus einem Spiel kann also ganz leicht ein Film produziert werden. Das besagte Tool ist allerdings noch nicht fertig gestellt. Es wird wahrscheinlich verschiedene Versionen geben, die es auch Einsteigern ermöglichen werden, das Programm ohne großen finanziellen Aufwand zu nutzen. Wie sehen Entwickler dieses Tool? Können sie sich eine Arbeit damit vorstellen? Herr Theysen gibt zu bedenken, dass man nach jahrelanger Entwicklerarbeit selbst Programme und Vorgehensweisen entwickelt hat, die gut funktionieren und eingespielt sind. Aber für Neulinge auf dem Markt ist es eine durchaus interessante Möglichkeit, den Einstieg zu finden. Es wird sich zeigen müssen, wie die Spieler auf diese Form der Spielentwicklung reagieren und ob sie diese annehmen werden. Ganz ähnlich wie es beim Selfpublishing der Fall war, das mittlerweile ein wichtiges Thema auf der Buchmesse geworden ist. Die anfängliche Skepsis muss abgebaut und an der Qualität der Produkte gearbeitet werden. Ganz sicher aber können auf diese Art erstellte Spiele den Markt bereichern, indem neuen Autoren ermöglicht wird, sich und ihre Geschichten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Genau wie das Spiel eine zusätzliche Möglichkeit ist in eine Welt einzutauchen und damit das Buch in keiner Weise auszuschließen, werden hier Bilder aus den Köpfen Lesender umgesetzt, zusammen erlebbar und teilbar.

Schon während der Veranstaltung wurde es verdächtig voll in der Agora – Sebastian Fitzek stand mit seinem neuen Roman „Das Paket“ in den Startlöchern. Er wirkte wirklich sympathisch, spontan ehrlich und rundete damit den ersten Besuch der Buchmesse mit Kind ab. Gerne hätte ich die Intuition anderer Eltern besessen und lieber keinen Kinderwagen mitgenommen. Die Suche nach Fahrstühlen und die engen Gänge, auch zwischen großen Verlagen, erschweren einem das Vergnügen Buchmesse zum Teil sehr. Nach fünf Stunden war der Besuch wieder vorbei, so viele Eindrücke müssen erst einmal verarbeitet werden. Bis zum nächsten Jahr – hoffentlich mit Kind, aber ohne Karre!

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