Zum aktuellen Stand der Akquise über Selfpublishing-Plattformen

Noch vor einem Jahr schrieb spubblizistin Fabienne: „Bis Selfpublishing-Plattformen aber eine zentrale Rolle bei der Autorenakquise einnehmen, wird es wohl noch eine Weile dauern“ in ihrem Beitrag Selfpublishing – Die Zukunft der Autorenakquise.

Nun, heute sehe ich das etwas zuversichtlicher!

Betrachtet man die Marktsituation fünf Jahre nach Einführung des Kindles, so wird deutlich, dass immer mehr größere Verlagshäuser sich mit dem Thema Selfpublishing intensiv auseinandersetzen und geeignete Firmen aufkaufen oder das eigene Portfolio erweitern: BookRix wurde 2014 zum großen Teil von Bastei Lübbe übernommen, wodurch der Medienkonzern seine Digitalstrategie weiter ausbauen will. Random House kooperiert 2015 mit BoD und gründet unter seinem Dach den Selfpublishing-Verlag Twentysix, epubli und neobooks bündeln Anfang des Jahres ihre Kräfte unter dem bereits bestehenden Dach des Holtzbrinck Konzernes.

Warum haben die großen Häuser ein so starkes Interesse an diesem Markt?

Nun, Bastei Lübbe macht es vor, das Verlagshaus konnte die erfolgreiche Selfpublisherin Poppy J. Anderson unter Vertrag nehmen. Die Investition in Selfpublishing-Plattformen erschließt den Verlagshäusern nicht nur einen neuen Verdienst durch den Zuwachs an Autoren in diesem Bereich, sondern es stellt für sie auch eine Art der Akquise dar. Das wohl beste Beispiel dafür ist die Plattform neobooks, die 2010 von Holtzbrinck beziehungsweise Droemer Knaur alleine für die Autorenakquise gegründet wurde und sich in den letzten Jahren zur Selfpublishing-Plattform entwickelt hat. Der Verlag Droemer Knaur akquiriert mit Hilfe der Plattform gezielt Autoren für das eigene Programm.

Betrachtet man das aktuelle Verlagsprogramm von Knaur, so finden sich hier mindestens 154 e-Books und 51 Print-Titel von (ehemaligen) Selfpublishern und auch der unter dem selben Dach befindliche Verlag feelings zeigt, dass die Akquise funktionieren kann. Hier finden sich 81 e-Books und 37 Print-Titel von Selfpublishern.

Werden Verlagen ungewollt Manuskripte zugesandt, so wird davon ausgegangen, dass nur ein bis zwei Prozent davon überhaupt in Frage kommen. Tatsächlich realisiert wird dann vielleicht eins von tausend. Da erscheint doch auch für den Autor der Weg über die Selfpublishing-Plattform (die an einen Verlag angebunden ist) logischer. Hier veröffentlicht er in jedem Fall und hat gleichzeitig die Option unter der Menge der Titel nicht komplett unterzugehen und dann vielleicht sogar im Verlag zu landen.

Verlagslektoren akquirieren also nicht mehr nur über Lizenzen, Agenturen oder Blogs, sondern eben auch über die Plattformen, auf denen sie gezielt nach neuen Talenten suchen. Neue Autoren sind ein wichtiger Teil der Programmplanung und werden daher immer gesucht werden!

Natürlich gibt es auch die Kehrseite des Vorstoßes der großen Medienhäuser in den Selfpublishing-Markt, der sich mehr und mehr kommerzialisiert. Als kleiner Nischenplayer wird man leicht aufgekauft (BookRix) oder muss Insolvenz anmelden (Monsenstein und Vannerdat).

Advertisements

Ein Kommentar zu “Zum aktuellen Stand der Akquise über Selfpublishing-Plattformen

  1. Pingback: Verlage aquirieren Selfpublishingportale und damit auch neue Autoren | Von "Buchmachern" und ihren Büchern

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s