Monsenstein & Vannerdat – War es mal wieder Amazon? Oder: was Johannes Monse und Tom van Endert trotz Insolvenz richtig machen

Ein Kommentar über die Insolvenz von Monsenstein & Vannerdat von Marisa Klein

Johannes Monse gründete 1999 mit Tom van Endert nach einer durchzechten Nacht „Monsenstein & Vannerdat“ – und erlebte (und prägte!) damit die Pionierzeiten des Selfpublishing in Deutschland. Nun ist der Verlag insolvent. Warum? Laut einem Interview in heise online mit Johannes Monse kam die Insolvenz überraschend, auch wenn Monsenstein & Vannerdat seit 2012 versuchten dagegen zu wirken. Ab diesem Jahr wurde Selfpublishing für den deutschen Buchmarkt interessanter denn je, sodass große Verlage anfingen mitzumischen. Die Konkurrenz wuchs, der kleine Verlag verlor mehr und mehr an Umsatz und machte sich auf die Suche nach Nischen. Gefunden hat Monsenstein & Vannerdat den Rundumservice für Privatautoren, „ein Premiumdienstleister für Hobbyschriftsteller“. Doch nach drei Jahren intensiver Investitionen war klar: Das Geld reicht nicht, die Märkte sind zu träge. Das Maß voll machte dann das VG-Wort-Urteil, das das Auszahlen der Hälfte der für Publikationen anfallenden Kopiervergütungen an die Verlage für rechtswidrig erklärte. Monsenstein & Vannerdat fehlte dadurch auf einmal eine große Summe Geld und die Insolvenz war nicht mehr vermeidbar.

Ist das jetzt Amazons Schuld gewesen?

 „Amazon ist ein Monster. Sehr effektiv. Die machen einen guten Job, das muss man leider zugeben.“ Monse überrascht mit seiner Einstellung zu Amazon. Anders als in der Buchbranche allgemein üblich, beschränkt er sich nicht darauf, Amazon zu verteufeln sondern analysiert kritisch, dass deren Preispolitik dem Markt nun einmal entspreche. Das empfinde ich als erfrischend, denn auch wenn mich Amazons Behandlung von Buchpreisen und Mitarbeitern selbst ärgert, so ist das bei Großkonzernen an der Tagesordnung (was nicht heißt, dass das so bleiben sollte…). Monse versucht mit seinem Unternehmen innovativ zu bleiben und will den Premiumservice für Privatautoren fortführen, sowie den Hochschulbereich in Bezug auf Open-Access weiter ausbauen. Damit präsentiert er sich nicht als („weiteres“) Opfer von Amazon, sondern entwickelt sich den Möglichkeiten entsprechend, immer auf der Suche nach neuen Ideen.

Was man von Monsenstein & Vannerdat lernen kann

Nicht nur Amazon und andere Big Player verteufeln, sondern an sich selbst weiterarbeiten. Auf den Markt achten: der Markt reagiert nur langsam auf neue Trends, das ist nicht nur in der Buchbranche so. Dem Entgegenwirken kann man nur, indem man innovativ ist und Qualität in Bereichen bietet, die bisher vernachlässigt wurden. Siehe Open Access-Universitätsverlage und Monses Aussagen zu Nachhaltigkeit und Produktqualität, die er im Interview mit heise online erwähnt. Kritische Selbstreflektion! Nicht aufgeben, sondern weiterentwickeln. Das würde dem Großteil des stationären Buchhandels beispielsweise auch mal ganz gut tun …

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