Buchhandlungen für Selfpublisher: Ein Modell mit Zukunft?

Ein Kommentar über das Konzept der Selfpublishing-Buchhandlung von Fabienne Franz

Ein großer Wunsch vieler Selfpublisher ist nach wie vor, das eigene Buch in einer Buchhandlung im Regal zu sehen. Weil man dann der Welt und sich selbst beweisen kann, dass man es endlich geschafft hat, auch ohne Verlag ein „richtiger“ Autor zu sein.

In der aktuellen Europäischen Selfpublishing-Studie 2016 von BoD geben 42 Prozent der Buchhändler an, selbstverlegte Bücher im Sortiment zu führen. Das klingt doch vielversprechend, der stationäre Handel ist also bereit! Aber woran liegt es dann, dass viele Selfpublisher es trotzdem nicht in die Läden schaffen? Ist der ausschlaggebende Punkt, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent, ebenfalls aus der genannten Studie) aller Buchhändler hauptsächlich selbstverlegte Titel führt, die man im Barsortiment bestellen kann? Die Bedeutung des Barsortiments für Selfpublisher würde dadurch erneut bestätigt.

Trotz dieser positiven Tendenzen verbinden die meisten Leser Selfpublishing auch weiterhin mit Onlineshops und kaufen die Bücher dort, auch dies zeigt die BoD-Studie. Es bleibt also die alte Frage, wie beide Seiten, die sich für Selfpublishing interessieren zusammen kommen.

In Bad Segeberg könnte dafür die Lösung liegen. Dort eröffnete im letzten Jahr die Buchhandlung Wortwerke, die nur selbstverlegte Bücher anbietet. In einem Interview mit indie-publishing erklärte die Inhaberin Bianca Bolduan, die selbst auch als Kleinverlegerin tätig ist, dass sie der zähen Debatten mit dem regulären Buchhandel müde sei und so ihre Idee geboren wurde. Die Realität der Chancen selbstverlegter Werke im Buchhandel sieht also doch nicht so positiv aus wie gehofft. Laut eigener Aussage, lohne sich die Buchhandlung, sodass eine Expansion innerhalb der nächsten Zeit realistisch ist, drei Filialen gibt es bereits. Das Modell hinter dieser Selfpublishing-Buchhandlung ist ein Mietverhältnis, für 12,50 Euro pro Titel und Monat kann man als Autor Regalfläche in den bisherigen Filialen mieten. Darin enthalten sind die Präsentation und der Verkauf des Buches, sowohl im Laden als auch auf der Wortwerke-Website. Die Erlöse aus den Buchverkäufen gehen zu 100 Prozent an den Autor.

Ist hiermit die Lösung gefunden? Meiner Meinung nach leider nicht. Die Idee und das Modell klingen vielversprechend, das steht außer Frage, aber ich sehe Gefahren in einem möglichen Konkurrenzkampf zwischen „normalen“ und Selfpublisher-Buchhandlungen, die sich gegenseitig die Kundschaft streitig machen. Ebenso denke ich, dass der Bedarf der Leser eher  zu „gemischten“ Buchhandlungen tendiert, in denen sowohl selbstpublizierte als auch Werke von renommierten Verlagen zu finden sind. Die Kombination aus Vielfalt und Beratung generiert hierbei den Pluspunkt, der es mit Selfpublishing-Plattformen aufnehmen kann. Gleichzeitig können beide Seiten auf diese Weise neue Kunden generieren.

Das sieht auch Bolduan so, sie möchte in Zukunft eine Kooperation herstellen zwischen stationären Buchhandlungen und ihrem Unternehmen als Vermittlerinstanz. Und das wiederum klingt für mich wirklich nach einem zukunftsträchtigen Modell.

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