Spubbles Lore – Teil 1

Samuel Kerber

Selfpublishing und Fanfiction bestehen oft darin, Geschichten zu adaptieren, sie zu verändern und dadurch an ihnen teilzuhaben. Allerdings gibt es auch außerhalb der Literatur ähnliche Strömungen – vor allem Computer- oder Konsolen-Spiele kommen zunehmend ins Fadenkreuz akademischer Forschung. Vieles dreht sich dabei um den mysteriösen Begriff „Lore“. Ist dieses Konzept also nur Fanfiction in einem anderen Medium? Oder doch etwas komplett Eigenständiges? Um das herauszufinden, werden wir in den nächsten Wochen sowohl mit Fanfiction-Theorien, als auch mit der Games-Forschung auseinandersetzen und sogar einen Abstecher in die Mythos-Forschung unternehmen.

Beginnen wollen wir, indem wir uns Gedanken über Fan-Fiction überhaupt machen. Darunter verstehen wir es, wenn Fans eines bestimmten Werkes den Stoff dieses Werkes so bearbeiten, dass sich die Geschichte, aber eben nicht der Stoff an sich ändert. Die Beweggründe dafür finden sich häufig in der Fan-Sozialisation. Innerhalb einer Szene kann das Verändern der Geschichte als Zeichen der Beherrschung des Stoffes angesehen werden. Wenn man es beispielsweise schafft, zwei Charaktere, die sich im Original nicht ausstehen können, in eine Liebesbeziehung zu setzen, ohne ihre grundlegenden Charaktereigenschaften zu verändern, beweist das ein hohes Wissen um die Charaktere, den Narrativ und zugleich um den Stil des Original-Autoren.

Zugleich ist eine Fan-Fiction eine Form der Partizipation – man ist nicht länger nur Leser einer Geschichte, sondern ein Mit-Schöpfer. Dadurch, dass man anderen Lesern einen Einblick in die eigene Bearbeitung des Ausgangsstoffes gibt, erhebt man, bildlich gesprochen, die eigene subjektive Sichtweise in den Status einer pseudo-offiziellen Interpretation. Oder einfacher gesagt: man vermischt den eigenen Narrativ mit dem Narrativ des Autors.

Games haben in der Regel auch eine Geschichte, eigenen Stoff und einen Narrativ. Vor allem im Bereich der Rollenspiele (RPG), auf den wir uns konzentrieren wollen. Anders als in der Literatur erfordert ein Game aber bereits per se Partizipation. Die eigene Interpretation des Spiels ist das Spielen selbst – nicht unwahrscheinlich ist das ein Erklärungsansatz für die Menge an „Let’s plays“, die sich momentan hoher Beliebtheit erfreuen.

Die Fan-Fiction hat im Bereich Games allerdings klarere Brüder, zum Beispiel Fan-Modifikationen, die direkt in das Programm des Games eingreifen, oder eben die Lore. Dieser Begriff beschreibt eine Sammlung der ganzen Geschichte (wie z. B. in „Folklore“) eines Games, diese Geschichte ist es, die gesammelt, bearbeitet und interpretiert wird.

Direkt in die Lore und die Game-Szene tauchen wir im nächsten Artikel ein.

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