Qualitätsmerkmal Cover?

Marisa Klein

Website über Website predigt dasselbe: Ohne ein gutes Cover kein Umsatz! Doch stimmt das wirklich? spubbles wirft einen genaueren Blick auf die Cover der meist verkauften e-books von Selfpublishern. Wir versuchen zu ergründen, ob es wirklich die guten Cover sind, die die Leser anziehen und ob ein gutes Cover auch gleichbedeutend mit einem guten e-Book ist.

Gute Cover folgen bestimmten Regeln

Als Selfpublisher bieten sich im Internet endlose Möglichkeiten, das eigene Cover zu gestalten. Ob mit Hilfe von Dienstleistern, auf deren Seiten man sein Cover anhand von Vorlagen und Vorschlägen selbst erstellen kann, oder Graphikern, die gegen ein Honorar und nach Wunsch arbeiten: Es gibt bestimmte Regeln für ein gutes Cover, die allgemeingültig scheinen. Es sollte dem Inhalt entsprechen, das Genre wiederspiegeln und einen Eindruck über den Tenor des Textes geben. Der Leser soll das Ambiente des Werkes wahrnehmen können. Keiner mag unordentliche, vollgepackte Cover in zehn unterschiedlichen Farben und mit drei unleserlichen, sich gegenseitig bekämpfenden Schriften (Comic Sans ist ganz vorne an der Front). So weit so gut.

Die Cover in den Top 100 der verkauften e-books im Kindle-Shop sprechen für sich

Wirft man nun einen Blick auf die Top 100 Liste der Selfpublisher-e-books aus dem Kindle-Shop, tummeln sich auf den ersten Rängen durchweg Cover, die ein Verlag wahrscheinlich nicht besser designed hätte. Klare Strukturen, zurückhaltende, aber wohlplatzierte Schriften.

Wie sieht es auf den hinteren Rängen aus? Hier finden sich einige stilistische Sünden. Aber unter der schier unendlichen Zahl an e-books unter den Top 100 zu sein, zeichnet diese dennoch als erfolgreich aus. Vergleicht man übrigens diese Cover mit jenen aus 2013 (in Gestaltungsrichtlinien für gute Cover wurde sich der damaligen Top 100 Liste bereits kurz gewidmet), so ist ein Anstieg an Qualität zu erkennen. Ob bei Liebesromanen oder im Fantasy-Genre: Selfpublisher scheinen dem Cover mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Man könnte annehmen, dass die Leser in den letzten Jahren mit steigender Beliebtheit von Selfpublisher-e-Books auch höhere Ansprüche an deren Gestaltung haben. Überprüfbar ist diese Theorie jedoch nicht. Mit hinein in die Rechnung müssen auch die wachsenden Angebote an Dienstleistern und Plattformen, die dem Selfpublisher den Weg zur professionellen Arbeit erleichtern.

Qualitativ hochwertiges Cover = Qualitativ hochwertiger Inhalt?

Das ist nun die Gretchenfrage. Was sich auf den Top 100 Listen an e-books bewegt, ist eben wegen seiner Beliebtheit dort gelandet. Die positiven Rezensionen schwärmen von liebenswerten Charakteren, berührenden Storys oder spannenden Fällen. In den negativen Rezensionen fällt auf, dass gerade bei der romantischen Literatur öfter von „schlechtem Schreibstil“, „mangelndem Stil“, „Anspruchslosigkeit“ o. Ä. die Rede ist. Die Ansprüche der Leser gehen hier auseinander. Während die einen Ungereimtheiten im Stil nicht stören, gehört es bei anderen Lesern zum Lesevergnügen dazu, auch den Stil zu bewerten. Wühlt man sich jetzt auf Amazon einmal durch die verschiedenen e-book Genres und betrachtet die Rezensionen von Büchern mit schlechten Covern (den oben genannten Kriterien nach), so fällt auf: Die Leute finden’s trotzdem gut. Allerdings sollte man ehrlicherweise noch zwischen Ich-hab-es-selbst-mit-Paint-erstellt-Covern und solchen von wohl eher planlosen Graphikern bzw. Autoren, die zu viel wollten, trennen. Für erstere Kategorie gilt: Die Lieblosigkeit und Grauenhaftigkeit des Cover zeigt sich den Rezensionen nach auch im Text. Für letztere beiden Kategorien finden sich trotzdem Fans, die das Cover ignorieren bzw. ihre Kritik daran nicht mit dem Lesevergnügen des Textes gleichsetzen.

Die Qualität des Covers als Kaufkriterium

Einen empirischen Bezug zwischen Covergestaltung und Verkaufszahlen herzustellen ist eine Sache vieler Zahlen und Daten. Dafür müsste ein Basiskatalog festgelegt werden, was auf ein Cover gehört und was nicht. Hier einen Konsens zu finden, ist schwierig. Wie bereits erwähnt, gibt es zwar ein paar Regeln die jeder bei seinem Cover beachten sollte, inwiefern diese dann angewendet werden, ist eine andere Sache. Der Inhalt eines komödiantischen Buches repräsentiert sich schließlich anders als der eines Science-Fiction-Romans.

Die Chance, die ein gutes Cover bietet

Das Cover ist im wahrsten Sinne des Wortes das Aushängeschild für ein Buch und auch für seinen Autor. Ein gutes Cover zeigt dem Leser, dass der Autor Zeit (und eventuell Geld) investiert hat, um seinen Text besonders gut darzustellen. Im Umkehrschluss kann der Leser daraus ablesen, dass der Autor seinen Text ebenso aufmerksam bearbeitet hat, sonst würde er sich die Mühe eines sorgsam erstellten Covers nicht machen. Einen direkten Zusammenhang zwischen einem guten Cover und hohen Verkaufszahlen ist schwer zu ziehen. Doch eines wurde während der Recherche für diesen Text ganz klar: Wer ein wirklich grottiges Cover hat, der transportiert damit, dass er auch für sein Buch selbst nur wenig investiert hat.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Qualitätsmerkmal Cover?

  1. Pingback: Gefunden: Qualitätsmerkmal Cover? | Textflash Autorenberatung

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s