neobooks und Droemer Knaur – Wie funktioniert die Akquise über die Selfpublishing-Plattform?

neobooks wurde 2010 als Autorencommunity bzw. als Akquise-Plattform für Droemer Knaur gegründet. Mittlerweile hat sich der Dienstleister zu einer Selfpublishing-Plattform entwickelt. Dennoch wird bei neobooks immer noch für die Verlage Droemer Knaur und Rowohlt nach neuen Autoren gesucht. Wie genau das funktioniert und wie der Arbeitsalltag von Lektorinnen an dieser Schnittstelle aussieht, werden uns im folgenden Interview Eliane Wurzer und Julia Schaer von Droemer Knaur beantworten.

Wie sieht für Sie ein normaler Arbeitstag aus?

Eliane Wurzer und Julia Schaer: Unsere Aufgaben hängen sehr stark von unseren Autoren ab. Wenn diese viele Fragen und Wünsche haben, kann es einen Tag ausfüllen. Je nach dem wo in der Programmplanung wir uns befinden, stehen viele Meetings für Marketingmaßnahmen, Coverabsprachen, Programmpräsentationen, das Scouting, die Pflege unseres feelings Blogs und viele weitere Aufgaben wie Titel-Brainstorming, SEO-optimiertes Werbetexten, Titelprüfung, Plot- und Sprachredaktion an. Ein durchstrukturierter oder normaler Arbeitsalltag ist also gar nicht immer möglich. Aber nur so macht die Arbeit Spaß!

Wie unterscheidet sich das Scouting auf einer Selfpublishing-Plattform von der klassischen Autorenakquise im Verlag?

Klassische Autorenakquise erfolgt über Agenturen oder direkten Einsendungen. Agenten reichen i.d.R. ein ausgearbeitetes Exposé und eine Leseprobe vor. Es wird dann geprüft, wenn der Agent etwas vorlegt. Das Scouten auf Selfpublishing-Plattformen dagegen erfolgt mit dem fertigen Buch bzw. der Leseprobe. Dadurch dauert es länger bis der Überblick über Charaktere und Plot hergestellt ist. Die Auswahl der zu lesenden Titel erfolgt durch die eigene Auswahl und die notwendige Zeit dafür muss in den Arbeitsalltag integriert werden. Es hilft uns sehr, wenn zusätzlich ein Exposé eingestellt wird! Wir können durch die Akquise auf neobooks sehr zielgerichtet nach Titeln für unser Programm suchen, das macht die Akquise hier so agil und schnell.

Wie viele Bücher sichten Sie im Durchschnitt pro Woche und wie gewährleisten Sie, dass sich kein Autor benachteiligt oder übergangen fühlt?

Die angebotene Manuskriptmenge und auch die eigene Recherche sind wochenabhängig, aber wir schauen uns sicherlich mindestens 10 Manuskripte die Woche genauer an.

Manuskripte, die über unseren Blog hereingeschneit kommen, prüfen wir innerhalb von acht Wochen. Es ist offen kommuniziert, dass wir uns innerhalb von acht Wochen mit einem Angebot bei den Autoren melden oder auch nicht.

Unsere bereits akquirierten Autoren profitieren von einem ausgearbeiteten System der Autorenkommunikation und schnellen Antwortzeiten auf Nachrichten. Wir wollen unseren Autoren ein angenehmes Umfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen und in dem offen und ehrlich kommuniziert wird.

Eliane Wurzer, Lektorin bei Droemer Knaur © Markus Röleke

Eliane Wurzer, Lektorin bei Droemer Knaur © Markus Röleke

 

Julia Schaer, Lektorin bei Droemer Knaur © M. Schaer

Julia Schaer, Lektorin bei Droemer Knaur © M. Schaer

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von der einer klassischen Lektorin? Besteht Ihre Aufgabe in erster Linie darin geeignete Bücher bzw. Autoren zu finden und eine Erstbewertung zu schreiben oder gehört auch Lektoratsarbeit dazu?

Die „klassische“ Lektorin, die nur geeignete Bücher scoutet, gibt es heutzutage nicht mehr. In unserem Falle ist vermutlich die Berufsbezeichnung „Produkt-Managerin“ noch passender. Das Finden von neuen Stoffen und Autoren und die darauffolgende Textarbeit gehört natürlich dazu, muss aber oft in der Freizeit stattfinden. Darüber hinaus sind Lektoren mit der Autorenkommunikation, der Vorschau-Erstellung, der Titeldatenpflege, dem Coverbriefing und vielen weiteren Dingen beschäftigt.

Wie umfangreich sind diese Gutachten, welche Bewertungspunkte werden hier berücksichtigt? Kurz: Wie bewerten Sie und ist der Umfang überhaupt zu meistern?

Wir scouten alle zwei Wochen einen Titel und schreiben ein kurzes Gutachten. Dieses ist vergleichbar mit einer Rezension. Der Umfang ist variable, aber durch die relativ konzentrierte Bewertung ist es machbar. Bewertungspunkte sind verschiedene Kriterien, nach welchen wir auch alle eingehenden Manuskripte bewerten: Die Entwicklung der Charaktere, der rote Faden der sich durch die Geschichte zieht, das Setting, wie originell die Geschichte aufgebaut ist, die Sprache und die Erzählweise spielen ebenso eine Rolle.

Wie beurteilen Sie die Qualität der Texte? Wenn Sie eine Prozentzahl angeben müssten: Wie viel „gutes“ Material befindet sich unter den bei neobooks eingereichten Titeln?

Wir scouten seit dem Start von neobooks und haben damit sehr gute Erfahrung gemacht – es sind hier bereits um die 100 Verlagsverträge für Newcomer-Autoren entstanden. Die Bestseller-Autorin Susanna Ernst gehört da genauso dazu wie zum Beispiel Kathrin Lichters mit ihrer „Backstage Love“-Serie – das heißt: Es gibt sehr viel „gutes Material“, doch wie überall müssen auch bei uns Werk und Verlag/Programm zusammenpassen – und das ist leider nicht immer der Fall!

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