Freiwillige Qualitätskontrolle im Selfpublishing

Nachdem der Leser als Qualitätsinstanz betrachtet wurde, soll es in diesem Beitrag um verschiedene Initiativen gehen, die sich der Qualität im Selfpublishing verschrieben haben. Es handelt sich dabei um freiwillige Selbstverpflichtungen, Plattformen und Verbände – grundsätzlich fordern alle dasselbe: hohe Qualität im Selfpublishing! Doch welche Qualitätsstandards legen diese Initiativen eigentlich genau fest?

Selfpublishing rocks!

Stephan Waldscheidt betreibt den Blog schriftzeit.de. Eigenen Angaben zufolge „die Anlaufstelle Nr. 1 für Roman-Autoren“. In inzwischen mehr als 600 Artikeln gibt er Tipps und hilft Autoren dabei, noch bessere Autoren zu werden. Auch das Selfpublishing nimmt Raum in seinem Blog ein. Vor allem der Beitrag „Selfpublishing rocks! Die Initiative der Selfpublisher für mehr Qualität“ erweckte unser Interesse. Waldscheidt stellt in diesem Beitrag Qualitätskriterien für Selfpublisher vor, die zu einer verbesserten Qualität führen sollen. Er macht deutlich, dass es sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung handelt und keineswegs straffe, unveränderbare Kriterien erstellt werden sollen – denn das Grundprinzip des Selfpublishings, unabhängig zu bleiben und frei zu entscheiden soll auch hier bestehen bleiben. Die Selbstverpflichtung soll dazu führen, das Image der Selfpublishern und ihrer Bücher nachhaltig zu verbessern. Nicht nur beim Leser, auch bei Verlagen, Buchhändlern und anderen Institutionen des Buchmarkts. Durch das Gütesiegel „Selfpublishing rocks!“, das man auf dem Blog herunterladen kann, kann der Selfpublisher die Zugehörigkeit zu dieser Initiative zeigen.

sp rocks

Die Qualitätskriterien von Selfpublishing rocks lauten:

  1. Ich respektiere meine Leser und nehme sie und ihre Ansprüche ernst
  2. Ich biete die beste mir mögliche Qualität an – in Inhalt und Aufmachung
  3. Ich biete meine Bücher zu fairen, sich im Rahmen des Üblichen bewegenden Preisen an und garantiere ein gutes Verhältnis von Preis und Leistung
  4. Ich vermarkte und bewerbe meine Bücher selbstbewusst – aber ich spamme niemanden mit Werbung voll, nicht in den sozialen Netzen und erst recht nicht per Mail
  5. Ich respektiere die Arbeit anderer Selfpublisher
  6. Ich respektiere die Arbeit von Verlagen und Buchhändlern
  7. Ich respektiere auch die Autorenkollegen, die sowohl mit Verlagen zusammenarbeiten als auch andere Bücher selbst veröffentlichen (Hybrid-Autoren)
  8. Ich will als Selbstverleger permanent besser werden und bilde mich weiter – als Autor und als Unternehmer
  9. Ich verfolge meine Autorenkarriere mit Nachhaltigkeit

Qindie

Qindie, das ist die Verbindung von Qualität und Indie-Autoren – die Online-Plattform wurde von einer Gruppe gegründet, die sich unter anderem aus Autoren, Grafikern, Juristen und BWLern  zusammensetzt. Ihr Ziel ist  es, ein Netzwerk zu schaffen, das ihre individuellen beruflichen Stärken bündelt und gezielt Selfpublisher anspricht. Diese sollen die Synergie- und Netzwerkeffekte der Plattform für sich nutzen, um sich innerhalb des Buchmarkts besser behaupten zu können – auch und vor allem was das Vorurteil der mangelnden Qualität betrifft. Das Netzwerk besteht aus Selfpublishern, Lesern, Rezensenten, Lektoren, Korrektoren, Grafikern, Schreibcoaches, Layouter, Shops, Übersetzer und vielen mehr.

Qindie

Außerdem erhebt Qindie den Anspruch ein Zuhause für gute Bücher zu sein – Bücher, die nicht dem professionellen Anspruch genügen, werden nicht für Qindie zugelassen. Die Wort- und Bildmarke Qindie ist damit für den Leser ein weiteres Gütesiegel, das auf Qualität geprüftes Selfpublishing verspricht. „Das Qindie-Label steht für Bücher, die formalhandwerklich professionell produziert sind und den gängigen Regeln des schriftstellerischen Handwerks entsprechen“ heißt es auf der Website. Zudem soll langfristig eine starke Marke geschaffen werden, die einem Verlag in nichts nachsteht.

Wie auch bei Selfpublishing rocks ist es für Qindie besonders wichtig, die Unabhängigkeit der Selfpublisher in keiner Weise einzuschränken. Gleichzeitig wollen sie Selfpublishing als Gemeinschaft stärken – „Jeder Autor bleibt weiterhin selbstverantwortlich, kann aber auf einen Pool aus Wissen und Kompetenz zurückgreifen. Die Verlage bleiben ebenfalls autonom, finden jedoch thematisch breit aufgestellte potenzielle Partner […]“

Der Selfpublisher-Verband

Der Selfpublisher-Verband ist der erste Verband in Deutschland, der gezielt für Selfpublisher gegründet wurde und die Interessen deutschsprachiger Autoren gebündelt vertritt. Mitgründer war unter anderem der Selfpublishing-Papst Matthias Matting (selfpublisherbibel.de). Voraussetzung für den Beitritt ist mindestens ein im Selfpublishing veröffentlichtes Buch oder e-Book oder die Absicht, ein Buch im Selfpublishing herauszugeben. Anders als bei Qindie findet hier keine Qualitätskontrolle statt – Mitglied kann jeder Selfpublisher werden, der die 8 Euro im Monat zahlt. Auch Firmen und Dienstleister für Selfpublisher können dabei sein und Fördermitglied werden.SP-Logo.png

Der Selfpublisher-Verband hat sich auf die Agenda geschrieben, eine starke Stimme für Indie-Autoren zu sein. Der Verband setzt sich unter anderem für eine niedrigere Mehrwertsteuer auf e-Books, eine günstigere ISBN für Indie-Autoren, einen besseren Zugang zur Buchbranche und Transparenz und Fairness ein. Auch der Professionalisierung widmet sich der Verband. So ist es einem Verbandsmitglied unter anderem möglich sich mit anderen Mitgliedern zu vernetzen und von deren Erfahrung zu profitieren, ihre Bücher über den Verband auf den Buchmessen auszustellen oder ihre Bücher auf der Website vorstellen zu lassen.

Der Selfpublisher-Verband appelliert vor allem an den Zusammenhalt der Selfpublisher, die Qualität der Werke der Mitglieder steht hier weniger im Vordergrund. Primäres Ziel des Verbandes ist es, den Selfpublishern eine Stimme zu geben, weniger die konkrete Vernetzung wie bei Qindie oder das konkrete Aufstellen von Qualitätsregeln. Ähnlich wie bei Selfpublishing rocks sind die Ziele des Verbandes eine freiwillige Selbstkontrolle, die der Satzung entsprechend aber von Mitgliedern eingehalten werden müssen/sollen.

Ziel erreicht?

Ob diese freiwillige Selbstkontrolle tatsächlich auch zu einer höheren Qualität im Selfpublishing führt, sei dahingestellt. Schaden tut sie zumindest nicht. Die hier vorgestellten Initiativen bieten zudem eine Möglichkeit, sich über Qualitätsstandards und Entwicklungen im Selfpublishing zu informieren. Das ist vor allem für Neueinsteiger interessant und ruft vielleicht dem ein oder anderen Alteingesessenen auch noch einmal ins Gedächtnis, worum es im Selfpublishing (neben dem Schreiben und Veröffentlichen) gehen sollte.

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