Communities und Selfpublisher

Selfpublishing und Online-Leben scheinen sich kaum noch trennen zu lassen. Auch, weil das Internet den Austausch mit Lesern und anderen Autoren, beispielsweise durch Online Communities und soziale Netzwerke, möglich macht. Wenn wir über Qualität im Selfpublishing reden wollen, dann muss der Gedanke der interaktiven, internetbasierten, virtuellen Community folglich miteinbezogen werden. Warum? Weil der aktive Austausch mit Dritten (egal welche Funktion diese haben) die Werke der Selfpublisher beeinflussen.

Sprechen wir von Communities, meinen wir heute den Austausch in der digitalen Welt. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert den Begriff der Virtual Communities wie folgt:

Sie verbinden Teilnehmer gemeinsamer Interessen, ohne dass ein räumliches Zusammentreffen stattfindet. Virtuelle Community; die E-Community steht allgemein als Begriff für die organisierte Kommunikation innerhalb eines elektronischen Kontaktnetzwerkes und damit für die Bereitstellung einer technischen Plattform für die Zusammenkunft einer Gruppe von Individuen, die in einer bestimmten Beziehung zueinanderstehen. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch immer die soziale Interaktion und damit der Austausch selbst geschaffener entweder inhaltlich oder personenbezogener Informationen (sog. User-generated Content). Entsprechend weisen die Individuen gemeinsame Bindungen in Hinblick auf Interessen, Ziele oder Aktivitäten auf und besuchen zumindest zeitweise einen gemeinsamen Ort. Die Möglichkeiten hinsichtlich der Form und des Inhalts der Kommunikation sind dabei mehr oder weniger grenzenlos. Als elektronisches Kontaktnetzwerk dient die E-Community ihren Mitgliedern insbesondere in zweierlei Richtung: Zum einen soll der Informations- und Kommunikationsaustausch zwischen bereits einander bekannten aber auch unbekannten Teilnehmern unterstützt werden, zum anderen soll das entstehende Beziehungsgeflecht zwischen den Teilnehmern mithilfe elektronischer Funktionen verwaltet und gepflegt werden können.

Der Mensch ein Herdentier

Die Autoren, die sich selbst verlegen, müssen sich austauschen, da sie sonst auf sich alleine gestellt wären. Im Verlag gibt für jede Frage einen relevanten Ansprechpartner; der Selfpublisher kann erstmal nur Familie und Freunde um Rat fragen. Heute sucht man sich die Antwort auf seine Fragen meist im Internet. Warum ist das so? Grundsätzlich, weil der Mensch ein Herdentier ist. Gruppen liefern Orientierung, Hilfe, sozialen Austausch uvm. Die Herde stellt den Zusammenschluss individueller Gruppen dar. Dieses Bild lässt sich leicht auf die Dynamik innerhalb von Communities übertragen. Hier finden sich unterschiedliche Menschen zusammen (manch einer hat schon behauptet Facebook fördere den Narzissmus). Im Gegensatz dazu steht der Schwarm, indem alle gleich sind.

Der Autor und vor allem der Selfpublisher wandelt sich von der Figur im Elfenbeinturm zum Autor, der grundsätzlich an Austausch interessiert ist. Der Selfpublishing-Autor im speziellen, weil er es muss, wenn er erfolgreich sein möchte.

Selfpublisher, die sich vernetzen

Online Communities dienen dem Austausch, der Information, der Wissensbereicherung und nicht zuletzt auch als Geschäftsmodell.

Vernetzungsmöglichkeiten gibt es mittlerweile mehr als genug. Das beginnt sicherlich erstmal in den sozialen Netzwerken (als Teil von Online Communities): Facebook ist da mit der Möglichkeit Gruppen zu jedem erdenklichen Thema gründen zu können wohl die größte Plattform. Hier finden sich für Selfpublisher viele verschiedene Autorengruppen, Gruppen in denen man seine aktuellen Titel vorstellen kann sowie die Selfpublishing-Gruppe, die für allerlei Fragen Platz bietet. Aber auch die meisten Dienstleister im Bereich Selfpublishing bieten die Möglichkeit sich an Communities zu beteiligen. Beispielsweise bieten hier neobooks, Oetinger34, XinXii oder Bookrix die Möglichkeit sich über Foren miteinander, den Lesern oder Bloggern thematisch auszutauschen. Im Bereich Fanfiction stellt die Interaktion mit anderen Fanfiction-Autoren die wichtigste Instanz dar, denn hier geht es grundsätzlich nicht nur ums Schreiben, sondern vor allem um den Austausch und das gegenseitige Bewerten der Texte. Wattpad und fanfiction.de sind hier zum Beispiel die geeigneten Plattformen. Dann gibt es noch den Bereich, der nur der Kommunikation mit den Lesern gewidmet ist, zum Beispiel Social Reading-Plattformen wie Lovelybooks. Auch international gibt es Möglichkeiten des Austausches, wie John Kremer’s Book Marketing Network. Hier finden sich Gruppen, Foren und Blogs – auch für Selfpublisher.

Der wohl größte Unterschied zwischen Facebook-Gruppen und Spezialforen wie beispielsweise der Autorenwelt ist, dass in Social Media-Plattformen oft nicht die Information im Vordergrund steht, sondern die eigene Person, die bekannt gemacht werden soll. Foren oder Community-Plattformen sind hier meist spezifischer und damit lösungsorientierter ausgerichtet.

Community als Qualitätsinstanz?

Nicht nur der Austausch zwischen Autoren, Dienstleistern, Designern oder Lektoren spielt eine wesentliche Rolle, sondern vor allem der Austausch mit den Fans bzw. Lesern. Nun gelten Selfpublisher als kommunikativer als der durchschnittliche Verlagsautor und wahrscheinlich stimmt das auch, resultierend daraus, dass die Selfpublisher ihr Marketing – meist Social Media Marketing – selbst machen und damit direkt in Interaktion mit ihren Lesern treten.

Was bedeutet das? Nicht nur, dass eine Fanbase wichtig für die Vermarktung, Rezensionen und den Absatz ist, nein, sie ist auch wichtig als Qualitätsinstanz. Der Leser wird nicht nur zum Fan, sondern auch zum Kritiker. Testleser helfen beim Inhalt und äußern Bedürfnisse, an denen man sich nun orientieren kann (oder eben nicht). Das Selfpublishing rückt den Leser in eine neue Rolle, indem er auf seine Wünsche eingeht. Was auf der einen Seite in einem gewissen Maße Zielgruppenorientiertheit zeigt auf der anderen Seite aber auch wieder die Individualität der Texte der Autoren in Frage stellt. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen Individualität und Annährung/Gleichheit durch „zu viel“ Austausch. Wie weit der Autor auf die Wünsche seiner Leser eingeht bleibt ihm überlassen. Die Verbesserungsvorschläge der Leser gehen von der Korrektur der Rechtschreibfehler oder stilistische Anmerkungen bis zum Anpassen von Charakterzügen der Figuren im Text.

Crowdfinding – Leser finden Fehler

Eine Möglichkeit, die den Community-Gedanken nutzt und dem Leser eine erhebliche und neue Rolle zukommen lässt ist das Crowdfinding. Stefan Waldscheidt beschreibt in seinem Artikel im DerSelfpublisher (Zweite Ausgabe), wie er das Finden von Fehlern seiner Leserschaft überlassen hat. Dabei ging es vor allem um die Suche nach Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern. Natürlich hat er diese Leistung auch vergütet, als Anreiz gab es einen Euro pro gefundenen Fehler und am Ende kam die ganze Fehlersuche auch noch billiger als ein Korrektorat. Ideen muss man nur haben und umsetzen.

Abschließend möchte ich noch auf zwei Community-Fakten von Dennis Schmolk hinweisen:

#fakt1: Community-Unterstützung hilft, dem Profi wie dem Debütanten. Gerade für unbekannte Autoren ist eine große, starke Community aber eine Chance, Fans und treue Leser zu begeistern. Wie das geht? Ein Patentrezept gibt es nicht, aber es hat sich bewährt, drei Regeln zu beachten:

  1. Zunächst einmal sollte man sich eine zu den eigenen Wünschen passende Community aussuchen – abhängig vom Genre, Stil und der Zielgruppe.
  2. Wenn man neu ist, erstmal zuhören, höflich sein, freundlich interagieren und generell gute Manieren an den Tag legen.
  3. Selbst guten Content anbieten, Hilfestellungen leisten und ein nachhaltiges Netzwerk aufbauen.

#fakt2: Community ist schön, macht aber viel Arbeit

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