Sprachliche Qualität im Selfpublishing – wann lohnt sich ein professionelles Lektorat?

Fabienne Franz

Wenn es um Qualität im Selfpublishing geht, kommt man am Thema professionelles Lektorat kaum vorbei. Denn nach wie vor haben Selfpublisher mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass es in ihren Büchern von Fehlern nur so wimmelt. Die zentrale Frage lautet: Lohnt sich ein professionelles Lektorat für Selfpublisher? Die Antwort: Jein. Eine pauschale Antwort gibt es wie immer nicht, es hängt zum größten Teil vom Autor und seiner Motivation ab.

Natürlich reicht die Motivation alleine noch nicht aus. Ein professionelles Lektorat in Anspruch zu nehmen, bedeutet auch Kosten auf sich zu nehmen, die man als Selfpublisher nicht unbedingt wieder einnimmt.  Initiativen wie die Arbeitsgemeinschaft Flexi Lektorat bieten inzwischen auch kostengünstige Möglichkeiten wie beispielsweise das Smiley Lektorat an. Diese Alternativen zu einem Voll-Lektorat sind weniger ausführlich, dafür aber für die meisten bezahlbar. Dass die Frage pro oder contra Lektorat unter Selfpublishern so hitzig diskutiert wird, liegt unter anderem daran, dass viele nicht das Geld für ein Lektorat aufbringen und jemanden vermeintlich in ihrem persönlichen Werk rumpfuschen lassen möchten.

Schließlich besteht der Hauptvorteil im Selfpublishing für viele darin, dass einem als Autor alle Möglichkeiten offen stehen, ohne dass jemand reinredet. Doch es ist eben häufig ein Nachteil, wenn man selbst sein einziger Kritiker und auch Lektor ist. Die Gefahr der Betriebsblindheit steigt und es schleichen sich Fehler ein, die man auch beim fünften Mal schlichtweg überliest. Als Autor liegt es also nahe, sein Werk von einer zweiten Person lektorieren zu lassen. Die günstigste Lösung dafür ist oftmals das Werk einem Freund oder Bekannten zu geben. Doch dies kann die Leistung eines professionellen Lektorats in keinster Weise ersetzen, weshalb man als Autor mit Buchmarktambitionen davon absehen sollte.

Bei allen Diskussionen rund um die Qualität selbstverlegter Bücher sollte im Vordergrund stehen, welchen Anspruch der Autor selbst an sein Werk hat. Schreibt man ein Werk hauptsächlich für sich und seinen Bekanntenkreis, ist ein Lektorat sicher nicht unbedingt notwendig und häufig unrentabel. Denn in diesem Fall zahlt man als Autor drauf. Ein Gewinn ist eher unwahrscheinlich und in der Regel auch nicht das Ziel. Möchte man als Autor hingegen auf dem Buchmarkt professionell auftreten, möglichst breit wahrgenommen werden und an dem eigenen Werk verdienen, so ist ein professionelles Lektorat ernsthaft zu überlegen. Ein selbstpubliziertes Werk mit zahlreichen Fehlern schreckt viele Leser ab und spielt Skeptikern in die Hände. Fallen einem schon beim ersten Durchblättern sprachliche Fehler oder Logiklöcher auf, landet ein Selfpublishing-Werk schnell in der Ecke. Häufig nach dem Motto: Das passiert, wenn plötzlich jeder veröffentlichen kann. Der Leser als zusätzlicher Lektor sollte dahingehend auch nicht vernachlässigt werden.

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) scheint Selfpublisher auch zunehmend als vielversprechende Kunden einzuordnen. Blickt man auf deren Website mit dem dazugehörigen Lektorenverzeichnis findet man dort den Hinweis, dass sich unter den aufgeführten Lektoren auch Spezialisten für Autorenberatung befinden. Dies kann man als Angebot in Richtung der Selfpublisher verstehen. Dass Selfpublisher für den Verband immer interessanter werden, zeigt sich auch daran, dass inzwischen ein eigener Flyer zum Thema „Freies Lektorat im Selfpublishing“ herausgegeben wurde. Ein zentrales Argument des Flyers bezieht sich dabei eindeutig auf die Professionalität, die durch die Zusammenarbeit mit einem freien Lektor gegeben wird. Das Vorurteil der mangelnden Qualität ist auch hier deutlich erkennbar.

Zusammenfassend zeigt sich, dass ein professionelles Lektorat im Selfpublishing kein Muss, jedoch ein eindeutiges Qualitätsmerkmal darstellt. Wenn man als Autor aufgrund der finanziellen Mittel vor die Entscheidung gestellt ist, ein Lektorat oder ein Korrektorat in Anspruch zu nehmen, so sollte dennoch dem Korrektorat Vorrang eingeräumt werden.Werke mit  Rechtschreib- und Grammatikfehlern werden häufiger als schlechte Qualität abgestempelt, als solche mit Logiklöchern.

Letzten Endes ist die Frage nach einem professionellen Lektorat auch eine Frage der Ehre für viele Selfpublisher, ob und wie sie dem Vorurteil der mangelnden Qualität entgegentreten. Ein klares Signal wäre, durch professionelles Lektorat den Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und den unprofessionellen Eindruck nachhaltig zu verändern.

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