indieautor: Ein Literaturport für Autoren und Leser, Selfpublishing und Schreibkunst

Nachdem am Dienstag ein Gastbeitrag von spubbles bei indieautor erschien, kommt heute Anton Goldberg (Autor, Lektor und Literaturwissenschaftler) bei uns zu Wort und stellt uns sein Blog indieautor genauer vor. Einen seiner Schwerpunkt hat er dabei für uns genauer ins Auge gefasst: Das Selfpublishing.

Ein Gastbeitrag von Anton Goldberg

Das Literaturblog indieautor (gegründet im Mai 2015) richtet sich dem Namen nach zwar vor allem an Indie-Autoren bzw. Selfpublisher, versteht sich aber als eine Plattform für Schreibkunst, als Literaturport für Autoren und Leser im Allgemeinen. Es geht um gute Literatur – egal, auf welchem Wege diese in Erscheinung tritt. Gute, aber noch unbekannte Autorinnen und Autoren sollen entdeckt werden. Gute und schon bekannte Autorinnen und Autoren sollen gegebenenfalls noch bekannter gemacht werden. Bücher aus renommierten Publikumsverlagen und Bücher von Selfpublishern oder Independent-Kleinverlagen stehen hier zunächst einmal prinzipiell gleichberechtigt nebeneinander. Eine Praxis, die im gängigen Literaturbetrieb bisher – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – noch nicht die Regel ist.

Die zwei Seiten des Selfpublishing

Das relativ neue Phänomen des Selfpublishing ist Segen und Fluch zugleich. Ein Segen ist es, weil es potentiell jedem die Möglichkeit bietet, auf relativ einfachem Wege die Torwächter des Literaturbetriebs, nämlich die Verlage, zu umgehen. Ein Fluch ist es, weil es potentiell jedem die Möglichkeit bietet, auf relativ einfachem Wege die Torwächter des Literaturbetriebs, nämlich die Verlage, zu umgehen.

Pro: Auf der einen Seite ist es begrüßenswert, dass die hoffnungslos überforderten Lektorate der Verlage nicht mehr alleinig ausschlaggebend dafür sind, welche Texte veröffentlicht werden und welche nicht. Alleine aufgrund mangelnder Kapazitäten an Zeit (zur eingehenden Begutachtung unverlangter Manuskripte) und Programmplätzen schaffen es viele gute Texte auf herkömmlichem Weg nicht zur Veröffentlichung in einem renommierten Publikumsverlag. (Einen aufschlussreichen Artikel zum Thema „Unverlangte Manuskripte“ gibt es hier) Und auch die mitunter sehr respektablen Kleinverlage können dieses Defizit nicht auffangen. Hier ist das Selfpublishing sicher eine willkommene Alternative, um gute Texte dennoch zu veröffentlichen.

Contra: Auf der anderen Seite wird der Markt durch diese relativ neue Möglichkeit der Veröffentlichung von unzähligen Büchern überflutet, die auf herkömmlichem Wege vollkommen zu Recht durch die Torwächter des Literaturbetriebs ausgesiebt worden wären. Aber Online-Händlern wie Amazon ist die literarische Qualität der Texte relativ egal, solange Verkäufe generiert werden. Nennen wir es beim Namen: Es wird auf dem Wege des Selfpublishing sehr viel Müll produziert. Es fehlt hier mit dem Verlag in vielen Fällen zugleich auch die Instanz, die für einen Mindeststandard von inhaltlicher, formaler und gestalterischer Qualität Sorge trägt.

Ausrichtung

indieautor ist grundsätzlich für die Möglichkeiten, die das Selfpublishing bietet. Das wird niemanden wundern. Gleichwohl ist es mir, als bibliophilem Autor, Lektor, Literaturwissenschaftler und Betreiber von indieautor, sehr wichtig, dass gewisse Mindestansprüche an die Qualität selbstverlegter Werke erfüllt werden. Dahingehend liegt indieautor ganz auf einer Linie mit dem Ansatz von Qindie, dem „Autorenkorrektiv“, dessen Siegel für die Qualität der so gekennzeichneten Bücher bürgt. Man könnte sagen, dass indieautor u.a. das gleiche Anliegen hat: die Herstellung qualitativ hochwertiger Selfpublishing-Bücher zu unterstützen.

Dies geschieht zum einen durch die Bereitstellung nützlicher Informationen bzgl. des Literaturbetriebs im Allgemeinen und dem Selfpublishing im Speziellen. Es gibt Tipps zur Gestaltung und zum Marketing, Links zu interessanten Tools und Angeboten für Autorinnen und Autoren sowie allgemeine Beiträge zum Thema Schreiben. Neben diesem kostenlosen Service von indieautor ist dem Ganzen zudem mit skriptdoktor ein professionelles Lektorat angeschlossen, das gegen faires Honorar seine Dienste in allen für Autorinnen und Autoren sowie für das Selfpublishing relevanten Bereichen anbietet (Lektorat; Gestaltung von Cover, Satz/Layout, Klappentext; Erstellung von Verlagsanschreiben, Exposés, Gutachten; Schreibwerkstatt; Literarisches Ghostwriting).

Bookwatch

Darüber hinaus findet man auf indieautor auch Buchrezensionen. Dabei handelt es sich zwar auch um Bücher aus renommierten Publikumsverlagen, die besprochen werden, doch Selfpublishing-Werke oder Veröffentlichungen aus kleinen Independent-Verlagen erhalten ebenfalls und gleichberechtigt die Chance auf eine Rezension. Voraussetzung ist selbstverständlich in jedem Fall, dass mich das entsprechende Werk interessiert und handwerklich ordentlich gemacht ist. Grundsätzlich werden nur solche Bücher gelesen und besprochen, bei denen ich vorab davon ausgehe, dass es sich um wirklich empfehlenswerte Werke handeln könnte. Dass sich dies nicht in jedem Fall erfüllt, lässt sich an den Rezensionen ablesen. Wichtig bei den Rezensionen ist aber der positive Ansatz. Ein Buch, bei dem von Vornherein ein Verriss höchstwahrscheinlich ist, rezensiere ich lieber gar nicht.

Wie wird das Angebot von indieautor bisher angenommen?

Wie man sich vorstellen kann, möchten viele Selfpublishing-Autoren (wie übrigens renommierte Verlage auch) die Möglichkeit nutzen, über Rezensionen auf Literaturblogs auf ihr Werk aufmerksam zu machen. Gerade in letzter Zeit häufen sich die Rezensionsanfragen bei mir. Da es sich bei indieautor um ein noch recht junges Blog mit vergleichsweise relativ überschaubarer Follower-Zahl handelt, frage ich mich manchmal, wie viele solcher Anfragen wohl die bereits wesentlich etablierteren Literaturblogs erhalten. Jedenfalls kann und möchte ich nicht jeder der Anfragen nachkommen, weil ich meine Lektüre vor allem nach Interesse ausrichte und meine Zeit begrenzt ist. Trotzdem freue ich mich über jede Anfrage, umso mehr, wenn es sich tatsächlich um ein spannendes Projekt handelt, das ich ggfls. unterstützen kann.

Die kostenpflichtigen, an indieautor angeschlossenen Angebote von skriptdoktor werden hingegen bisher eher selten angefragt. Das mag mehrere Gründe haben.

Erstens sind die Preise für die angebotenen Leistungen zwar fair, aber nicht billig. Das liegt an meiner Überzeugung, dass professionelle Arbeit nicht zu Dumping-Preisen angeboten werden sollte. Ich lebe von meiner Tätigkeit als freier Autor, Lektor und Publizist. Ich habe eine Frau, ein kleines Kind und zwei Hunde. Dumping-Preise kann ich mir schlichtweg nicht leisten. Auf der anderen Seite weiß ich, dass nicht jeder Selfpublisher das Geld für ein professionelles Lektorat aufbringen kann.

Zweitens sieht vielleicht nicht jeder Selfpublisher die Notwendigkeit für ein Lektorat des eigenen Werkes; entweder weil er oder sie das prinzipiell nicht so wichtig findet oder weil er oder sie sich möglicherweise gar nicht im Klaren ist über die Mängel des eigenen Schreibens. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Drittens könnte es zum Teil auch daran liegen, dass auf indieautor nicht unbedingt sehr offensiv Werbung für das kostenpflichtige Angebot gemacht wird und dieses eher am Rande in Erscheinung tritt. Dies ist aber gewollt und bleibt auch so, weil ich persönlich Seiten, auf denen mir überall Werbung entgegenspringt, eher unangenehm finde.

Ausblick

indieautor befindet sich stetig in Erweiterung und ist um Optimierung bemüht. Ziel ist es, die wichtigsten Informationen zum Thema Schreiben und Selfpublishing übersichtlich zu bündeln und verständlich aufzubereiten. Dabei möchte indieautor eine Alternative und Ergänzung sein zu bereits bestehenden Angeboten wie beispielsweise der Selfpublisherbibel oder eBookBoss. In erster Linie möchte indieautor ein angenehmer und komfortabler Literaturport für Autoren und Leser, Selfpublishing und Schreibkunst sein, auf dem es Nützliches und Interessantes zu entdecken gibt. Keine Form des Schreibens und des Veröffentlichens soll hier kategorisch ausgeschlossen werden. Ob jemand von einem Verlagsvertrag träumt oder überzeugter Indie-Autor ist – es gibt für beides nachvollziehbare Gründe. indieautor möchte sowohl die einen als auch die anderen mit Rat und Tat unterstützen und den Leserinnen und Lesern empfehlenswerte Werke aus allen Segmenten vorstellen. Gute Literatur kann viele Formen annehmen. Am besten natürlich die Form von schönen Büchern.

indieautor ist offen für Gastbeiträge, sofern sie thematisch zum Blog passen. Wer Fragen oder Anregungen hat, kann sich gerne an mich wenden: antongoldberg@gmx.net

 

 

 

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