Ein Gespräch über Lektorat im Selfpublishing

Samuel Kerber

Brauchen Selfpublisher ein professionelles Lektorat? Und wenn ja, was müssen sie dabei beachten? Darüber befragte Ingrid Haag, Chefredakteurin des Magazins „Der Selfpublisher„, „Textehexe“ Susanne Pavlovic, freischaffende Lektorin.

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(v.l.) Pavlovic, Haag

Was macht der Lektor?

Susanne Pavlovic beginnt, indem sie das Publikum über den Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat aufklärt. „Nachdem ein Korrektor einen Text berichtigt hat, weiß er vom Text nichts mehr“ erzählt sie grinsend, „das wäre bei einem Lektor eher nicht so gut.“ Schließlich müssen Lektoren sich auf den Stil eines Textes konzentrieren, die Suche nach Tippfehlern und falsch gesetzten Kommata könne dabei ablenken. Auch Marketingaufgaben zu übernehmen, wie es sich immer mehr Selfpublisher wünschen, ist schwierig für einen Lektor – die Aufgabenbereiche sind zu unterschiedlich. Dennoch kann ein Text in Absprache mit dem Autor auf eine bestimmte, marketingrelevante Gruppe „hinlektoriert“ werden.

Ruhe und viel Zeit

Zum Lektorieren braucht man vor allem Ruhe und Zeit, für einen durchschnittlichen Roman nimmt sich Pavlovic in der Regel vier bis sechs Wochen. Der Lektor muss sich auf den Text einlassen und ihn dann in seine Einzelteile zerlegen können, zudem muss er den Stil des Schreibers verstehen. Immerhin soll ein Lektor nicht den eigenen Stil durchdrücken, sondern die Formulierungen finden, die der Autor eigentlich wollte, aber nicht ganz gefunden hat. Also muss man sich keine Sorgen machen, dass der eigene Stil verwässert wird? „Bei einem schlechten Lektor schon“, lacht Pavlovic.

Zeit muss aber nicht nur der Lektor, sondern auch der Autor mitbringen. Der Lektoratsprozess findet im ständigen Austausch der beiden statt, Vorschläge müssen abgenickt oder –gelehnt, Alternativformulierungen erarbeitet, die strategische Ausrichtung bestimmt werden. Kurz gesagt, es müssen Synergien entstehen. Daher ist die Lektoren-Autoren-Beziehung auch so wichtig. Nur durch gegenseitiges Verständnis kann aus einem Text das volle Potential entlockt werden und ein freundschaftlicher Umgang hilft dabei. „Ich kenne Leute, die würden eher ihren Ehepartner verlassen, als ihren Lektor“ beschreibt Pavlovic das scherzhaft.

Testleser – ja, nein?

Noch eine Frage: Können Testleser vor einem Lektorat helfen? Ja, sagt die Textehexe, aber man darf nicht vergessen, dass Testleser in der Regel keine Analysen sondern Meinungen abgeben und diese nur sehr begrenzt auf die Mehrheit der Leser übertragen werden können. Pavlovic empfiehlt, Testlesern eine bestimmte Aufgabe zum Lesen mitzugeben, z.B. könne ein Leser nur auf die Spannung achten, ein anderer nur darauf, ob sich die Figuren rollengerecht verhalten.

Lektoren finden

Und zu guter Letzt: Wo finde ich gute Lektoren? Am besten, so Pavlovic, hört man sich bei befreundeten Autoren um. Die persönliche Einschätzung ist das wichtigste Qualitätsmerkmal eines Lektoren, eine offizielle Lektorenausbildung gibt es nämlich nicht. Andernfalls kann man aber auch im Internetverzeichnis des VFLL, dem Verband Freier Lektorinnen und Lektoren, nachschlagen.

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