Ruckzuckbuch: Dienstleister in der Nische – Teil 2

Nachdem wir im ersten Teil des Interviews mit Ruckzuckbuch Fragen zur Arbeit innerhalb des Unternehmens gestellt haben, wollten wir jetzt wissen, wie es um das Selbstbild der Selfpublishing-Autoren und die Initiative FAIRöffentlichen steht.

Welche Zielgruppe sprechen Sie über Ruckzuckbuch und welche über die Colibri Autorenedition an? Und ist das Ziel, damit die weniger technikaffinen Autoren anzusprechen aufgegangen? Welche Autoren kommen hier jeweils auf Sie zu?

Johannes Monse: Ruckzuckbuch besteht als Marke seit über anderthalb Jahrzehnten – und wurde von uns in eine vollkommen andere Marktsituation als der derzeitigen gelaunched. Damals waren wir einer von einer Handvoll Dienstleister und konnten gerade über die direkte und unkonventionelle Kundenansprache Interessierte auf uns aufmerksam machen. Heute hat jeder größere Verlag eine Selfpublishing-Plattform und ködert mit großen Chancen und niedrigen Preisen. In diesem Kampf um Marktanteile gegen Mitspieler wie Holtzbrinck, Random House oder BoD/Libri können wir so nicht gewinnen. Wir brauchen Alternativen – und Nischen. Natürlich werden wir Ruckzuckbuch als etablierte Marke weiter am Markt positionieren und das Angebot ausbauen und verfeinern. Darüber hinaus wollen wir aber eben auch jene Autoren ansprechen, die mehr Unterstützung benötigen, eben weniger technikaffin sind und einfach erstklassig betreut werden wollen. Das Konzept geht auf – aber es braucht auch Zeit, als kleines Unternehmen eine komplett neue Marke einzuführen. Die dafür notwendige Geduld bringen wir aber gerne mit.

Sie sind von Anfang an dabei, denken Sie das (Selbst-) Bild der Autoren hat sich in den letzten 15Jahren verändert?

Das Bild der Selfpublisher hat sich in jedem Falle massiv gewandelt. Vor 15 Jahren gab es ja gar keine Selfpublisher, sondern Hobbyautoren und Eigenverleger. Der Selfpublisher von heute geht mit erhobenem Haupt auf die etablierte Buchbranche zu – und das sehr berechtigt. Das Selbstvertrauen mancher Selfpublisher ist hin und wieder allerdings fast manisch – und an der Realität vorbei. Die Masse der Veröffentlichungen bringt logischerweise auch eine immer größer werdende Anzahl von hervorragenden und professionellen Texten hervor – aber natürlich auch zu dem Preis einer schier unübersehbaren (zum Glück auch fast nicht sichtbaren) Masse von Schrotttiteln.

Dennoch ist das neue Auftreten gut und wichtig. Es rüttelt und schüttelt die alten Strukturen und schafft Platz für den Selfpublisher mit seinem Angebot für den Buchmarkt. Es ist und bleibt in meinen Augen nichts weniger als eine Revolution.

Wie läuft es eigentlich mit der Initiative FAIRöffentlichen?

FAIRöffentlichen ist ein längst überfälliges Angebot von seriösen Dienstleistern, um veröffentlichungswilligen Autoren Aufklärung zu bieten – und deren Portemonnaie zu schützen. Druckkostenzuschussverlage sind sicher nicht alle vor dem Strafgesetzbuch als betrügerisch anzusehen, dennoch sind sie meiner ganz persönlichen Meinung nach mit allergrößter Vorsicht zu „genießen“, spielen sie doch in meinen Augen mit dem Ego von Autoren und verlangen dabei sehr viel Geld für ein Theaterstück, in dem die große Publikation der geköderten Autoren aufgeführt wird.

Gerade erst wurde ein bekannter Druckkostenzuschussverleger mit einem seiner unerhört wichtig klingenden „Verlage“ als Co-Sponsor auf den Selfpublishing-Day eingeladen. Seriöse Dienstleister zeigen sich schockiert – der Veranstalter wirkt hier schlicht unaufgeklärt. Das zeigt: Die Initiative ist so wichtig wie eh und je. Viele Dienstleister sind im Kontakt mit uns, um gemeinsam mit uns im Kampf gegen Druckkostenzuschussverlage auf die Bühne treten zu können. Derzeit überarbeiten wir unsere Leitlinien, um die Zusammenarbeit einfacher und den administrativen Aufwand gering zu halten. Natürlich wären wir gerne schon längst fahnenschwenkend in der Öffentlichkeit – aber manchmal brauchen gute Ideen doch mehr Zeit und Arbeit, als im Vorfeld vermutet. Die Hauptsache ist, dass wir gemeinsam gegen Autorenabzocke aufstehen und gemeinsam mit den anderen Dienstleistern gute Aufklärung und faire Regeln entwerfen. Selbst, wenn wir noch eine Zeit brauchen, um wirklich den Startknopf zu drücken, so war der intensive Austausch unter den seriösen Dienstleistern und die dadurch stattgefundene Sensibilisierung dem Thema gegenüber schon jetzt den Einsatz wert.

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