Das Selfpublishing und die Bibliotheken

Selfpublishing ist längst kein Phänomen mehr, das sich nur auf Amazon und Co. beschränkt – vor allem der stationäre Buchhandel soll mehr und mehr als Partner eingebunden werden und Selfpublishing-Titel in sein Sortiment aufnehmen. Das bietet sich vor allem für Titel mit regionalem Bezug oder Printprodukte an. Was bisher eher im Hintergrund stand ist die Frage nach der Präsenz vom Selfpublishing in Bibliotheken. Vor allem für die Onleihe könnten selbstpublizierte Werke eine Bereicherung sein – oder?

Die Not der Bibliothekare

Ebenso wie die Buchhändler plagt die Bibliothekare vor allem die Zeitnot. Es gibt im Selfpublishing zu viele Titel, die durchforstet werden müssten. Dabei stellt das Vorurteil der mangelnden Qualität meist die erste Hürde dar. Die Buchhändler oder Bibliothekare werden von der großen Masse „schlechter“ Selfpublishing-Titel abgehalten überhaupt tiefere Blicke in diesen Teil der Branche zu werfen. Es würde großen zeitlichen (und auch finanziellen) Aufwand bedeuten, passende Selfpublishing-Titel ausfindig zu machen und einzukaufen. Dafür bräuchte es fast schon einen eigenen Mitarbeiter. Und das können sich die meisten Bibliotheken nicht leisten. Dennoch gibt es schon erste Ansätze, die Selfpublishing und Bibliotheken miteinander verbinden.

Die Deutsche Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt im gesetzlichen Auftrag sowohl e-Books als auch gedruckte Bücher. Somit unterliegen auch Selfpublishing-Titel der Ablieferungspflicht. Davon sind jedoch e-Books ausgenommen, die nur bei Amazon erscheinen, da e-Books im Dateiformat Mobi nicht entgegengenommen werden. Eine freiwillig eingereichte, umgewandelte ePub-Datei hingegen schon. Das heißt, dass immerhin die Nationalbibliothek selbstpublizierte Titel sammelt und speichert. Sie sind für Nutzer dieser Bibliothek auch zugänglich, doch wie steht es mit öffentlichen Bibliotheken und dem Angebot der Onleihe?

Onleihe und öffentliche Bibliotheken

Durch die sog. Onleihe können Nutzer über das Internetportal ihrer Bibliothek ganz legal e-Books und andere elektronische Dateien ausleihen. So könnten auch Selfpublishing-Titel für Kunden der öffentlichen Bibliotheken nutzbar gemacht werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Bibliothek Kenntnis über die Titel erlangt und bereit ist, Geld für diese Titel auszugeben. Es stellt sich somit die Frage, wie Bibliotheken an die Selfpublishing-Titel gelangen, bzw. wie die Selfpublisher es in die Bibliotheken schaffen, wenn es keine Abgabepflicht gibt. Das leidige Problem der Finanzierung drängt sich wieder in den Vordergrund. Abhilfe möchte der Selfpublishing-Dienstleister Books on Demand (BoD) schaffen. Anfang des Jahres wurde das Angebot auf die Onleihe der öffentlichen Bibliotheken ausgeweitet und bietet somit den Autoren neue Vertriebsmöglichkeiten. Das Problem: BoD bietet zwar die Möglichkeit auf Präsenz in der Onleihe, der Autor muss allerdings selbst aktiv werden und sein Werk der entsprechenden Bibliothek vorstellen. Schließlich muss am Ende doch der jeweilige Bibliothekar entscheiden, welche Titel er einkauft. Das bedeutet immer noch zeitlichen Aufwand. Entscheidet sich der Bibliothekar für einen Selfpublishing-Titel, erhält der Autor 70 Prozent der Lizenzgebühren. Für Autoren ist der Aufwand somit durchaus lohnenswert.

Fazit

Durch die Deutsche Nationalbibliothek werden Selfpublishing-Titel gespeichert, durch BoD können Autoren direkt in Kontakt mit öffentlichen Bibliotheken treten und ihre Werke über die Onleihe  verfügbar machen. Das löst zwar teilweise das Problem der Verfügbarkeit von Selfpublishing-Titeln in Bibliotheken, zeitliche und finanzielle Hürden werden dadurch jedoch nicht überwunden. Autoren müssen immer noch selbst aktiv werden, am besten die lokalen Bibliothekare ansprechen und ihr Werk eigenständig vermarkten. Vielleicht muss das System der Onleihe auch an sich noch weiter ausgebaut werden bevor das Selfpublishing in die öffentlichen Bibliotheken einkehren kann.

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