Rückblickend in die Zukunft schauen

roh_04Am Sonntag endete die diesjährige Buchmesse – Zeit Bilanz zu ziehen. Auf der Bühne der Self-Publishing Area wurde deshalb zurückgeblickt, was sich diese Messe verändert hatte, und vorausgeschaut, was sich wohl bis zum nächsten Jahr (und darüber hinaus) im Selfpublishing noch wandeln werde. Es sprachen Iris Kirberg (BoD), Johannes Monse (Ruckzuckbuch), Janina Treder (epubli) und Kirstin Dreimann (tao.de) über Neues, Altbekanntes und die Zukunft.

Die Self-Publishing Area der diesjährigen Buchmesse versprach Workshops, Präsentationen und Gespräche rund ums Thema. Bei den Veranstaltungen sprang den Zuschauern immer wieder ein Schlagwort ins Auge: Professionalisierung. Darum drehten sich viele der Veranstaltungen der SP-Area in diesem Jahr. Es schien das Top-Thema zu sein, das sowohl Autoren als auch Dienstleister gerade umtreiben – alles natürlich in Verbindung mit Discoverability und dem Buchhandel.

Auch die Redner der Abschlussrunde sind sich einig: Selfpublishing hat sich professionalisiert. Die Dienstleister berichten alle von einem Publikum, dass schon sehr viel erfahrener im Bereich des Selfpublishings sei als die  Jahre davor. Die Autoren streifen nicht mehr ziellos herum, auf der Suche nach Hilfe – oder gar einem Verlag. Sie gehen gezielt auf die Stände der Dienstleister zu, ließen sich beraten, wägen ab, was für ihr Buch das Beste sei. So sehen alle auch eine Verdichtung der Anbieter. Man sei aber keine Konkurrenz, nein, jeder sei auf einen bestimmten Bereich des Selfpublishings spezialisiert. Alle eine große Gemeinschaft. Außerdem sei der Markt groß genug, man habe noch lange nicht alles ausgeschöpft und stehe sich auch deshalb nicht im Wege. Ob das tatsächlich so ist, oder die Dienstleister vor allem vor den Zuschauern den Schein des Zusammenhalts und der Zugehörigkeit zu einer großen Selfpublishing-Gemeinschaft wahren wollen, ist fraglich. Die Gesprächsrunde entwickelte sich allerdings mehr und mehr zu einer kleinen Werbeveranstaltung, in der sich alle Recht gaben, alle auf die Schultern klopften.

Bei der Frage, wie die Dienstleister nun konkret auf die Professionalisierung reagieren, wurde möglichst einheitlich geantwortet. Man versuche zu beraten und zu unterstützen, beispielsweise beim Marketing oder bei Messevorbereitungen. Man biete den Autoren einen Werkzeugkasten, dieser müsse aber weiterhin alles selbst umsetzen. Bei der Vielzahl der Autoren sei eine direkte Betreuung nicht möglich. Wahrscheinlich würde das auch irgendwie dem Konzept des Selfpublishings widersprechen, zumindest für die Autoren, die gänzlich frei sein wollen und eben keinen Verlag oder Dienstleister möchten, der ihnen die meiste Arbeit abnimmt.

Das Thema Buchhandel wurde ebenfalls abgearbeitet. Auch hier Einigkeit: Zusammenschlüsse wären sinnvoll. Aber auch eine Verbindung zum Verlag könne nicht schaden, wie die Selfpublishing-Dienstleister betonen, die aus einem Verlagsunternehmen heraus gegründet wurden. Das Fazit war irgendwie nicht besonders konkret. Und ja, die Professionalisierung ist da und wird noch mehr kommen. In welchen Bereichen genau und was das für den Buchmarkt bedeuten könnte, wurde aber auch in dieser Diskussion nicht angeschnitten.

Der Ausblick, welche Themen relevant für die nächsten Jahre seien, war nicht besonders originell. Weitere Professionalisierung, wachsende Bedeutung der Community und am besten eine Verbindung von Verlagen, Buchhandel und Selfpublishing. Kurz wurde angerissen, dass auch Metadaten und Discoverability wichtige Themen seien, die vor allem Autor und Leser zusammenbringen können. Der gesamte Warenkatalog werde sich verändern. Abschließend wurde noch darüber sinniert, dass Hybride in den nächsten Jahren alle Bereiche der Branche betreffen werden. Besonders bei Verlagen und Dienstleistern werden die Grenzen mehr und mehr verschwimmen.

Man darf gespannt sein, was die nächste Buchmesse bringt, welche Themen tatsächlich relevant sein werden und welche sich vielleicht bis zum nächsten Jahr schon wieder von selbst erledigt haben. Auf dieser Abschlussdiskussion wirkten alle Dienstleister wie einer, machten gleichzeitig aber Werbung für sich selbst und kamen zu keiner wirklich neuen Erkenntnis. Vielleicht spiegelt genau das die aktuellen Diskussionen rund um die Professionalisierung des Selfpublishings wider. Vielleicht waren am Messe-Sonntag aber auch alle einfach nur müde.

Advertisements

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s