Amazon – keine Bedrohung oder nahe an der Monopolstellung?

roh_04Am Messe-Freitag wurde wieder reichlich über Selfpublishing diskutiert – für spubbles stand um 14 Uhr eine Diskussion über Amazon auf dem Programm. In der Self-Publishing Area sprachen unter der Leitung des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA) Mattias Matting (Selfpublisherbibel), Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren Österreich), Nicole Pfister-Fetz (Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS) und Gerlinde Schermer-Rauwolf (Verband deutscher Schriftsteller) über „Amazons digitale[n] Schritt gegen Autoren und Verlage“.

Die einstündige Gesprächsrunde drehte sich um viele verschiedene Aspekte des Großkonzerns Amazon. Besonders scharf wurde die Monopolstellung des Giganten diskutiert. Matting zufolge sei Amazon keine konkrete Bedrohung auf dem deutschen Buchmarkt. Die Tolino Allianz stehe inzwischen ungefähr auf gleicher Höhe und durch bracheninterne Zusammenschlüsse wehre man das potenzielle Monopol schon frühzeitig ab. Diese Abwehr werde durch spezifische deutsche Faktoren wie die Buchpreisbindung noch gestärkt. Doch diese Sicht auf Amazon teilen nicht alle Redner: Gerhard Ruiss sieht in Amazon durchaus eine Bedrohung für den Buchmarkt. Amazon spiele mit seinem Standort, umgehe Gesetze und lasse sich nur schwer (vor allem auf dem Rechtsweg) greifen. Das mache es besonders schwer gegen Verstöße vorzugehen.

Eine besondere Stellung nahmen Flatrate-Modelle in der Diskussionsrunde ein. Matting hält diese für unumgänglich, der Markt habe sich bereits darauf eingestellt und sie werden sich mehr und mehr in der Buchbranche durchsetzen. Auch sieht er eine gewisse Fairness bei der Bezahlung der Autoren durch das neue Abrechnungsmodell Amazons, das bei Verleihung pro gelesener Seite bezahlt. Dadurch würden Autoren mehr verdienen als üblich. Hier wird die Diskussion sehr lebhaft und schnell wird deutlich, dass nicht alle auf der Bühne einer Meinung sind.

Vor allem Gerhard Ruiss hält gegen die Ansichten Mattings und wirft Amazon vor, Autoren und Verlage gegeneinander auszuspielen. Amazon reize seine Grenzen immer weiter aus und würde die Leser zu „kontrollierten Lesern“ machen. Alles was über Amazon gelesen werde, werde durch das Unternehmen mitgelesen. Und wer über Amazon veröffentlicht sei längst kein Selfpublisher mehr, sondern eben ein Amazon-Publisher. Ruiss sieht in Verlagen immer noch ein gültiges Qualitätssiegel, das es zu unterstützen gilt.

Hinzu komme noch, dass Amazon versuche den Markt zu steuern – Amazon entscheide was gelesen werde. Auch wenn das vordergründig erstmal nicht den Anschein erwecke. Wichtig sei, dass Autoren die Vielfalt der Selfpublishing-Angebote, die es inzwischen gebe, auch nutzen. Denn bisher sei Amazon für den Autor, für den Leser und auch mit Blick in die Zukunft einfach die beste Wahl gewesen. Wenn sich das nicht ändere, könne sich Amazon schneller zum Monopolisten entwickeln als gedacht. Das wäre für den Buchmarkt, den Autor aber vor allem auch den Leser schädlich. Denn vor allem die Vielfalt des Buchhandels könne Amazon seinen Lesern so nicht bieten.

Ein Vertreter von Amazon war übrigens trotz mehrmaliger Einladung nicht bei der Diskussion anwesend. Darüber wunderte sich allerdings niemand.

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