Mut zum Sauerteig

roh_04Lukas Lieneke

Der Startschuss ist gefallen, die Frankfurter Buchmesse hat begonnen. Bis zum Ende der nächsten Woche werden wir von spubbles euch täglich direkt von der Messe über die neusten Entwicklungen, Trends und Dienstleistungsangebote aus dem Bereich Selfpublishing informieren. Den Start machen wir heute mit der gestrigen Eröffnungspressekonferenz der Self-Publishing Area.

Unter der Moderation von Markus Gogolin (Frankfurter Buchmesse) sprachen Johannes Monse und Tom van Endert (beide Geschäftsführer bei Ruckzuckbuch) über die wichtigsten Entwicklungen und Tendenzen innerhalb der Selfpublishing-Branche sowie über das diesjährige Veranstaltungsprogramm der Self-Publishing Area. Als zentraler Themenschwerpunkt im Bereich Selfpublishing wurde vom Trio für dieses Jahre die zunehmende Professionalisierung der Szene ausgemacht, was sich auch im Programmangebot wiederspiegle. Denn wie bereits im letzten Jahr handelt es sich auch 2015 bei vielen der Interviews und Diskussionsrunden um Veranstaltungen mit beratender Funktion. Im Fokus stehe die Förderung und Unterstützung der Autoren bei ihrer Arbeit als professionelle Selfpublisher und weniger die Produktpräsentation durch bestimmte Unternehmen oder Dienstleister.

Johannes Monser, Thomas Gogolin, v E (v. l. n. r.)

Markus Gogolin (m.) im Gespräch mit Johannes Monse (l.) und Tom van Endert von Ruckzuckbuch

Das Angebot wird breiter

Als ein Zeichen für die Weiterentwicklung des Selfpublishing-Marktes wurde von den Gesprächsteilnehmern das zunehmend breitere Spektrum an Themen und Genres benannt. Zwar dominierten nach wie vor Erotik und Fantasy den Selfpublishing Markt, allerdings seien inzwischen auch andere Genres – vor allem das Sachbuch – auf dem Vormarsch. „Auch für uns ist es immer wieder spannend, welche Genres und Titel von den Käufern nachgefragt werden“, berichtete Monse. „Einer unserer Autoren hat beispielsweise ein Sachbuch über Wohnimmobilien herausgebracht – ein Titel von dem ich niemals geglaubt hätte, dass er sich gut verkaufen würde. Ein anderer hat ein Buch über den Sauerteig publiziert. Beide Titel verkaufen sich sehr gut, hätten es aber wahrscheinlich niemals in ein Verlagsprogramm geschafft.“ Durch professionell agierende Selfpublisher, die beispielsweise Wert auf ein gutes Layout legen und sich auf eine bestimmte Zielgruppe fokussieren, hätten daher auch ausgefallene Sachbuchtitel das Potential zum Verkaufsschlager.

Auch im Bereich Social Media und Selbstvermarktung hätten Selfpublisher in den letzten Jahren enorm hinzugelernt. Die Autoren wüssten inzwischen um die Bedeutung der Markenbildung durch die eigene Person. „Sich selbst gut darzustellen und zu verkaufen ist heute mindestens genauso wichtig wie gut schreiben zu können“, so Monse.

Vom Selfpublisher zum Indie-Autor

Monser: Selfpublishing bald als Qualitätssiegel?

Monse: Selfpublishing bald als Qualitätssiegel?

Für die Zukunft des Selfpublishing prognostizierte die Runde eine ähnliche Entwicklung, wie sie beispielsweise auch in der Musikbranche innerhalb der Indie-Szene zu beobachten gewesen sei. Auch Selfpublishing werde sich somit in Zukunft von einer anfangs unsortierten, aus Ablehnung gegenüber dem kommerziellen Mainstream entstandenen Publikationsform hin zu einem professionellen Teil des Buchmarkts entwickeln. Selfpublishing könne so langfristig auch zu einer eigenen Marke, einem eigenen Qualitätssiegel werden, das auch für Verlage von Interesse ist, betonte Monse. „Langfristig wird es sich kein großer Publikumsverlag mehr erlauben können, auf ein Selfpublishing-Angebot zu verzichten.“

Damit einher gehe auch ein neues Selbstbewusstsein vieler Autoren. Ein Selfpublisher wolle demnach nicht länger als wenig professionell und allein arbeitender Schriftsteller wahrgenommen werden, sondern als Indie-Autor, der unabhängig aber nicht unprofessionell veröffentlicht. Es sei außerdem wahrscheinlich, dass die Grenzen zwischen reinen Selfpublishern und Verlagsautoren langfristig immer mehr verschwimmen werden und das Feld der Hybrid-Autoren, die sowohl im Verlag als auch unabhängig publizieren, immer größer werde. „Viele Autoren werden sich zunehmend sagen: Es gibt zwar Dinge, die mein Verlag gut kann, aber es gibt umgekehrt auch Gebiete, auf denen ich allein viel besser bin“, prognostizierte van Endert. Dass diese Entwicklung nicht nur von den Selfpublishern ausgeht, sondern auch von der Seite der Verlagsautoren, zeigte zuletzt der Fall Cornelia Funke.

Am Ende der Konferenz steht also ein durchaus positiver Ausblick auf die Zukunft des Selfpublishing innerhalb des deutschen Buchmarkts. Wir werden in den nächsten Tagen sicherlich noch genug Gelegenheiten erhalten, um dieses Bild zu überprüfen und selbstverständlich auch darüber berichten.

The story goes on!

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