Pseudo-Bad-Boys und Beta-Leser

Danilo Blaeser

Am 23.09.2015 traf ich mich für Spubbles mit einer FanFiction-Autorin, die auf fanfiktion.de und einigen verwandten Foren als „Amira Flavia“ bekannt ist. Sie ist derzeit Master-Studentin und schreibt seit Ende 2012 Geschichten u.a. zum Harry Potter-Universum.

Danilo: Hallo, vielen Dank, dass du dich so kurzfristig zu diesem Interview bereit erklärt hast. Du steckst momentan hoffentlich nicht zu sehr im Stress?

Amira Flavia: Hi, kein Problem. Nein, abgesehen vom nächsten Kapitel meines Mammutprojekts ist es gerade relativ ruhig. Aber die Leute warten mittlerweile bereits seit fünf Monaten, es wird also Zeit.

Darauf kommen wir später auf jeden Fall zurück. Wie bist du zur Fanfiction gekommen?

Über eine Freundin. Ich hab das früher schon als Teenager ausprobiert, aber so richtig eingestiegen bin ich dann durch sie vor ungefähr drei Jahren.

Viele deiner Geschichten rangieren in der Länge zwischen zehn- und zwanzigtausend Wörtern, manche erreichen sogar die fünfzigtausend. Wie sehr achtest du dabei auf die Rechtschreibung etc.?

Ich habe zum Glück drei Betaleser, die Grammatik und Rechtschreibung kontrollieren und mir zum Inhalt Rückmeldung geben. Ohne wäre es nicht einfach, vor allem bei langen Geschichten.

Danke für das Stichwort. Eins deiner Werke namens „See you in New York“ sticht mit derzeit 877 Seiten und fast 500.000 Wörten ja ziemlich hervor. Worum geht es darin?

(Lächelt) Daran schreibe ich schon fast die gesamten drei Jahre. Wie die meisten Beiträge von mir spielt das Ganze in der Welt von Harry Potter, ungefähr zehn Jahre nach Voldemorts Ende. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen Draco Malfoy und Hermine Granger.

(Schockierter Blick)

Entspann dich, das ist weniger seltsam, als es klingt. Außerdem ist das Thema sogar relativ verbreitet. Es gibt leider einiges an oberflächlicher Fanfiction, auch zu noch ungewöhnlicheren Pairings wie Snape/Hermine oder sogar Snape/Harry, aber auch sehr gute mit tiefergehenden Plots.

Ich bemühe mich bei meinen Geschichten immer, möglichst nahe an den ursprünglichen Charakteren zu bleiben und den Verlauf so realistisch wie möglich zu halten. Und allein am Umfang sieht man ja, dass da wirklich Arbeit drin steckt. Außerdem ist Draco in meinen Augen auch nicht wirklich einer von den Bösen, sondern mehr ein „Pseudo-Bad-Boy“, und die finde ich als Protagonisten immer interessant, weil sie vielschichtiger sind.

Verstehe. Was müsste deiner Meinung nach denn passieren, damit die beiden zusammenfinden?

Bei meiner Version ist die Endschlacht etwas anders ausgegangen. Viele Leute sind gestorben, darunter ein Großteil von Hermines Umfeld, unter anderem Ron. Außerdem ist Draco zehn Jahre danach Vater einer Tochter statt eines Sohnes und außerdem verwitwet. Die beiden ziehen unabhängig voneinander nach New York und arbeiten beim dortigen Zaubereiministerium, er im Bereich magische Reisen, sie in der Betreuung der Kinder der Angestellten, also auch bei Dracos Tochter. Die Tochter gewinnt Hermines Herz und stellt die Verbindung zwischen den beiden dar, so entwickelt sich dann alles. Es steckt schon einiges an Romantik drin. Und nicht nur das.

Interessant, wie kommt die Geschichte bei den Lesern an?

Überwiegend positiv. Manche Leser schreiben unheimlich viel Feedback und singen geradezu Lobeshymnen. Kritik ist natürlich auch dabei, aber die ist in der Regel höflich und konstruktiv, was mich sehr freut. Es gibt auch viele „Schwarzleser“, die zwar am Ball bleiben, aber keinen Kommentar abgeben. Allerdings spricht auch das für Interesse, würde ich mal annehmen.

Sehe ich auch so. Noch eine letzte Frage, wie siehst du als Insider die FanFiction-Landschaft um dich herum, liest du selbst auch Geschichten aus dem Bereich?

Früher schon, mittlerweile weniger. Die Szene ist ziemlich durchwachsen. Es gibt sehr gute Geschichten, zum Beispiel habe ich auch ein Crossover aus dem Englischen übersetzt, in dem Luna Lovegood zu Sherlock Holmes in die Baker Street zieht, was zwischen Verrücktheit auf der einen und Logikvernarrtheit auf der anderen Seite zu einem ziemlichen Chaos führt, einfach genial.

Aber auf jede gute Geschichte kommen auch schlechte. Bei manchen ist die Idee gut, aber die Grammatik ein Graus. Bei anderen stimmt die Rechtschreibung, aber der Inhalt ist grottig. Und selbst vorsichtige Kritik wird von ein paar Autoren nicht gut aufgenommen. Glücklicherweise sind das nicht alle, es gibt auch sehr viele, die unheimlich nett sind. Ich habe über die Community auch schon Freundschaften geschlossen, zu denen ich immer noch Kontakt habe.

Das freut mich zu hören. Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview.

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