DTP, Digitaldruck und das Selfpublishing

1985, das Jahr des Desktop Publishing (DTP).
Dank der Zusammenarbeit der Firmen Aldus, Adobe und Apple veränderte sich Mitte der 80er Jahre die komplette Struktur des Druckvorstufenmarktes. Das Layout-Programm „PageMaker“ von Aldus revolutionierte den Markt. Es sollte als erstes DTP-Programm auf dem damals noch neuen Macintosh von Apple laufen, wobei Adobe die hierfür nützliche Seitenbeschreibungssprache „Postscript“ beisteuerte.


DTP, das ist die Druckvorlagenerstellung vom Schreibtisch bzw. Bildschirm aus. Die bis dahin komplexe Satzarbeit im Bereich des Fotosatzes, die nur von Fachleuten und mit Hilfe bestimmter Software-Codes zu bewerkstelligen war, wurde im Laufe der folgenden 10 Jahre vollständig vom DTP abgelöst. Der Erfinder des „PageMaker“, Paul Brainerd, bezeichnete DTP als den Einsatz der Mikrocomputer-Technologie auf den Gesamtprozess schriftlicher Veröffentlichungen.

Aber was hat das mit Selfpublishing zu tun?
Nun, ab diesem Zeitpunkt boten die PCs die Möglichkeit, Bücher selbst zu setzen. Sicherlich nicht in dem Umfang, wie wir es heute von Programmen wie InDesign gewohnt sind, aber vor allem durch die grafische und nicht mehr zeilenorientierte Darstellung am Bildschirm konnten sich auch Laien mit dem Setzen beschäftigen.
Man könnte also meinen, dass ab diesem Zeitpunkt jeder Autor die Möglichkeit hatte, sein Buch selbst für den Druck vorzubereiten. Prinzipiell ja, aber fragte man Mitte/Ende der 80er Jahre nach der Funktion des Autors als Verleger, war das noch kein großes Thema. Eher befürchtete man, dass der Verlag als solcher seiner qualitätsverbessernden Funktion nicht mehr nachkommen könnte. DTP war viel mehr für kleine Verlage als für Autoren von Vorteil, denn diese konnten sich dadurch teure Setzkosten sparen. Die Autoren übernahmen also nicht plötzlich flächendeckend das Publizieren selbst, vielmehr bot DTP ihnen die Möglichkeit, mehr Einfluss auf die Herstellung ihrer Bücher zu nehmen. Das Setzen mit den Layout-Programmen war, dank der leicht verständlichen Benutzeroberfläche am Bildschirm, auch für Laien kein großes Rätsel mehr.
Durch die Digitalisierung der Druckvorstufe war die Voraussetzung für den Digitaldruck geschaffen. Eine weitere Erleichterung für das Selbstverlegen brachte das Mitte der 90er Jahre etablierte Book on Demand-Verfahren mit sich. Bücher erst auf Bestellung drucken zu lassen basierte auf der Technologie des Digitaldruckes, der es ermöglichte, auch kleinere Auflagen kostengünstig herzustellen. Dazu waren keine Druckplatten oder dauerhafte Druckformen mehr notwendig, wie das im Offset-, Hoch- oder Tiefdruck der Fall ist. Die dadurch geschaffene, kostengünstigere Möglichkeit, kleine Auflagen und Einzelexemplare zu drucken, bildete eine weitere Erleichterung für Autoren, die den Weg über einen Verlag nicht gehen, sondern eher selbstverlegen möchten.

Die Digitalisierung, die Möglichkeiten durch das Internet einen leichten Zugang zur Leserschaft zu finden, die Etablierung der e-Books und e-Reader sowie der geeigneten Vertriebsplattformen in den darauf folgenden Jahren, ermöglichten das Selfpublishing wie es heute besteht. Damals wie auch heute gilt dennoch: Ganz ohne Know-How geht es auch nicht. Hat man redaktionell, typografisch oder funktionell hohe Ansprüche an sein Produkt, steht mehr Arbeit dahinter, als man glauben mag.

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