Tredition: Selfpublisher legen zunehmend Wert auf Professionalisierung – Teil 2

Samuel Kerber

Im ersten Teil unseres Interviews mit dem Selfpublishing-Dienstleister Tredition ging es unter anderem um die Frage, wo eigentlich die Grenze zwischen Dienstleister und Verlag liegt, und welche Arten von Selfpublishern es so gibt. Im zweiten Teil erkundigten wir uns unter anderem nach dem Phänomen „Hybridautor“ und einem Genre, das bei der Diskussion um Selfpublishing häufig übergangen wird: Sachliteratur.

In welche Richtung wird sich die Szene entwickeln? Eher zu Indieautoren, die Unabhängigkeit suchen, aber doch den Service eines Verlages nutzen wollen, oder doch zu „reinen“ Selfpublishern?

Tredition: Die Zahl der sogenannten Hybridautoren wird zunehmen, d.h. jene, die sowohl im klassischen Verlag veröffentlichen (oder veröffentlicht haben) als auch die Vorzüge des Selfpublishing zu schätzen wissen und diese nutzen. Für jeden Autor ist es zwar verlockend, sein Buch unter bekannter Verlagsmarke publizieren zu können, zugleich kann das aber bedeuten, wichtige Rechte abzugeben. Darauf wollen sich immer weniger Autoren einlassen. Selfpublishing punktet zudem mit dem Vorteil, ein Buch sehr schnell auf den Markt bringen zu können. Reicht ein Autor sein Buch bei einem klassischen Verlag ein, kann es gut passieren, dass er nie oder erst nach sehr langer Zeit eine Antwort erhält. In den allermeisten Fällen ist die Reaktion der Verlage auf unverlangt eingereichte Manuskripte negativ. Das hat tredition 2013 im Rahmen einer Umfrage unter deutschsprachigen Publikumsverlagen erhoben. Demnach erhält ein klassischer Verlag zwischen 3.000 bis 10.000 unverlangt eingereichte Manuskripte pro Jahr – in der Regel wird keines davon veröffentlicht! Es fehlt schlichtweg die Zeit, diese ganzen Texte zu sichten.

Da Autoren auf rechtliche Flexibilität Wert legen, bietet tredition Vertragsfreiheit an. Das heißt, Autoren räumen uns die nicht exklusiven Verwertungsrechte für ihr Werk ein. Sie können also ihr Buch z.B. auch noch bei einem anderen Dienstleister oder Verlag veröffentlichen.

Aktuell haben belletristische Werke ein starkes Übergewicht im Selfpublisher-Bereich. Wieso ist das so und wie gehen Sie mit Fach- und Sachliteratur um? Ist diese Sparte überhaupt interessant für eine Selfpublishing-Plattform?

Die Wahrnehmung, im Selfpublishing würden mehrheitlich belletristische Titel veröffentlicht, ist nicht richtig. Tatsächlich ist die Zahl der Sach- und Fachbücher, die auf dem Wege des Selfpublishing ihren Weg in den Buchmarkt nehmen, deutlich höher als angenommen. Bei tredition beispielsweise beträgt der Anteil der Sach- und Fachbücher am gesamten Titelportfolio 54 Prozent.

In vielen Fachverlagen ist es außerdem seit jeher Usus, verlegerische Leistungen nur bei einer entsprechenden Bezahlung durch den Autor anzubieten. Mitunter sind dabei auch Lektorat und Satz vom Autor vorab selbst durchzuführen oder zusätzlich zu finanzieren. Nach eben diesem Prinzip arbeiten Selfpublishing-Dienstleister, mit dem Unterschied, dass sie im Gegensatz zu Fachverlagen i.d.R. viel günstiger und nicht auf bestimmte Fachgebiete und Themen begrenzt sind.

Fach- und Sachbuchliteratur ist für Selfpublishing geradezu prädestiniert! Bei Fachbuchthemen ist es oft wichtig, ein Buch sehr schnell auf den Markt zu bringen, um z.B. auf eine aktuelle Debatte zu reagieren oder aktuelle Marktdaten publizieren zu können. Die klassische Halbjahrespolitik der Verlage (zwei Mal im Jahr ein neues Programm) ist hierbei wenig zuträglich.

Selfpublishing ist auch eine bewährte Publikationsform für Hochschulen und Universitäten. Die Bucerius Law School beispielsweise gibt unter den Namen „Bucerius Law School Press“ Fachliteratur heraus und nutzt dafür die Technologien und die vertriebliche Infrastruktur von tredition. Studenten und Absolventen wird damit die Möglichkeit geboten, unkompliziert die eigenen Forschungsarbeiten einem breiten Lesepublikum zugänglich zu machen, die Hochschule selbst erschließt sich damit eine Möglichkeit, ihr Renommee zu steigern und wissenschaftliche Inhalte unter eigener Marke international verfügbar zu machen.

Mal etwas praktisches: Ich habe mein Manuskript fertig und will es bei Ihnen veröffentlichen. Was jetzt?

Sie rufen unsere Webseite auf und starten den Bucherstellprozess, zu dem Sie direkt über den Button „Jetzt Buch veröffentlichen“ gelangen. Der Vorteil: Sie durchlaufen diesen Prozess nur einmalig und können Ihr Buch damit zugleich in drei Formaten – als Paperback, Hardcover und e-Book – veröffentlichen. Bevor Sie den Bucherstellprozess starten, können Sie natürlich auch bei uns anrufen oder uns eine E-Mail schreiben, wenn Sie Fragen haben.

Ausstattung & Design: Welches Format soll das Buch haben? Wie viele Seiten hat es? Möchten Sie einen matten oder glänzenden Umschlag etc.

Umschlag: Im nächsten Schritt widmen Sie sich der Erstellung des Buchumschlags. Entweder Sie wählen eine der Umschlagvorlagen von tredition aus, die Sie nach eigenen Wünschen gestalten und individualisieren können oder Sie laden einen eigenen Buchumschlag als pdf-Datei hoch. Welche Maße dieses pdf haben muss, errechnet Ihnen unser System auf Basis des gewünschten Formats und der Seitenzahl.

Buchdaten: Hier geben Sie alle wichtigen Metadaten zum Buch an:

Titel/Untertitel

Autor und evtl. Beteiligte (z.B. Co-Autoren, Lektoren, Illustratoren etc.)

Kurzbeschreibung und Stichwörter

Genre

Inhalt: Jetzt laden Sie Ihren Buchinnenteil hoch. Dabei haben Sie verschiedene Optionen:

Upload einer druckfertigen pdf-Datei

Upload einer ePUB-Datei (falls Sie Ihr Buch z.B. schon als e-Book veröffentlicht haben und jetzt noch eine gedruckte Ausgabe folgen soll)

Upload einer unformatierten Word-Datei und Durchführung unseres Online-Buchsatzes: Dabei wird das Dokument in wenigen Minuten automatisch formatiert (d.h. es werden z.B. Titelei, Impressum, Seitenzahlen hinzugefügt und der Text professionell gesetzt). Das so formatierte Word-Dokument können Sie sich noch einmal anschauen, in Ruhe final bearbeiten und dann von unserem System in ein pdf umwandeln lassen

Upload einer formatierten Word-Datei zur direkten Umwandlung in ein pdf

Provisionen: Hier legen Sie fest, wie viel Ihr Buch als Paperback, Hardcover und e-Book kosten soll. Dadurch, dass Sie als Autor selbst den Verkaufspreis festlegen, bestimmen Sie auch indirekt die Höhe Ihrer Provision.

Leistungen: Schlussendlich legen Sie fest, wie Sie die Buchveröffentlichung bezahlen möchten. Es gibt 2 Optionen. Entweder Sie bezahlen einmalig 149,90 Euro oder Sie erwerben 35 Eigenexemplare zum reduzierten Autorenpreis.

Zusammenfassung: Nach einem letzten prüfenden Blick auf alle eingegebenen Daten reichen Sie das Buch zur Veröffentlichung ein. Wir prüfen es innerhalb von 24 Stunden. Falls Korrekturbedarf besteht, weisen wir Sie darauf hin. Ansonsten können wir Ihr Buch direkt zur Zahlung freigeben und anschließend veröffentlichen. Nun ist Ihr Buch überall im Buchhandel bestellbar: Interessierte Leser können es in ihrer bevorzugten Buchhandlung ebenso bestellen wie bei Amazon, Thalia.de, buch.de, bei uns im eigenen tredition-Onlineshop usw…

Marketing für Ihr Buch: Kurz nach der Veröffentlichung versenden wir eine Pressemitteilung zu Ihrem Buch, die über Newsticker und Nachrichtenportale mehrere Tausend Journalisten erreicht. Über unsere sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter, Google+) verbreiten wir ebenfalls die Nachricht, dass Ihr Buch neu erschienen ist. Journalisten erhalten von uns kostenlose Rezensionsexemplare, wenn sie Ihr Buch besprechen möchten.

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Ein Kommentar zu “Tredition: Selfpublisher legen zunehmend Wert auf Professionalisierung – Teil 2

  1. Da wäre es jetzt mal interessant, ob dieses Verhältnis Belletristik zu „Sachliteratur“ bei anderen Dienstleistern ähnlich aussieht, oder ob Tredition eventuell da das besser zugeschnittene Modell anbietet und die entsprechenden Titel deshalb dort landen … Und grundsätzlich natürlich die Frage, welche Sorte Text letztendlich tatsächlich unter dieser Bezeichnung abgestempelt wird, die Meinungen gehen da ja teilweise etwas auseinander.

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