Selfpublishing auf den Buchtagen – Experten diskutieren

Auf den Buchtagen 2015 in Berlin stand unter anderem auch Selfpublishing auf dem Programm. Da gab es zum Beispiel eine Diskussion zwischen Matthias Matting (selfpublisherbibel), Sönke Schulz (Tredition) und Michael Döschner (neobooks). Es sollte vor allem darum gehen, wie der aktuelle Stand von Selfpublishing in der deutschen Buchbranche ist und ob Selfpublishing nun eigentlich eine Chance oder eine Bedrohung für das Verlagswesen ist.
Schon zu Beginn des Gesprächs wurde den Zuhörern deutlich, dass man es hier mit Marketing-Leuten zu tun hatte, die vor allem ihre eigene Idee vertreten wollen. Dass es eigentlich eine Diskussion sein sollte, schien nicht ganz ins Bewusstsein der Redner vorgedrungen zu sein.

Der Hybrid-Autor – Verkaufsschlager von morgen?

Das Gespräch beginnt mit einem relativ langen Monolog von Matting, der zunächst einen „kleinen“ Einblick in den Selfpublishing-Markt gibt und erläutert, dass Selfpublishing, im Gegensatz zum Bereich  e-Books allgemein, nicht sobald stagnieren werde, sondern der Markt weiterhin im Wachstum begriffen sei. Die Erfolge von SP-Autoren liegen derzeit aber vor allem im e-Book Bereich, was der Prognose möglicherweise etwas widerspricht. Als erfolgreiche Autorin, die ihr Buch auch im Print (und bei einem Verlag) unterbringen konnte, wird Hanni Münzer genannt. Nachdem Matting dann noch die verschiedenen Autoren dargestellt hat und erklärt, dass die neue Gattung des Hybrid-Autors auf dem Vormarsch sei, kommt er auf aktuelle Trends zu sprechen. Dazu gehören: Professionalisierung, steigende e-Book-Preise, Zusammenschlüsse (wie der Selfpublisher-Verband) und die Entdeckung des stationären Sortiments auch für Selfpublisher.

Selfpublisher sind wählerischer geworden

Matting kommt schließlich auf die Frage der „Diskussion“ zu sprechen: Ist Selfpublishing für Verlage eine Chance oder eine Bedrohung? Matting sieht Vorteile für Verlage, beispielsweise bei der Autorenakquise, weist aber auch darauf hin, dass Autoren, die im Selfpublishing erfolgreich sind, wählerischer geworden seien und sich entdecken lassen. Ob dadurch die Anzahl unaufgefordert eingesandter Manuskripte zurück geht, bleibt fraglich. Zuletzt betont er die Marktmacht von Amazon, der Großkonzern sei nämlich auch im Verlagswesen sehr aktiv und biete den Autoren gute Konditionen. Allerdings fehle auch hier der Kontakt zum Buchhandel.

Buchhandels-Rabatte überdenken

Inzwischen kommt auch Sönke Schulz, der Vertreter von Tredition, zu Wort und greift die Problematik des Kontakts zum Buchhandel auf. Seiner Meinung nach sind die größten Probleme die Einkaufskonditionen. Autoren und auch Dienstleister könnten sich die vom Buchhandel verlangten Rabatt-Konditionen nicht leisten und solange der Buchhandel nicht offen für neue Verhandlungen sei und auch bereit, ein gewisses finanzielles Risiko einzugehen, stehe es um die Zukunft von Selfpublishern im Buchhandel schlecht. Schulz erhofft sich, dass die Diskussion Buchhändler anregt, ihre aktuellen Bedingungen zu überdenken, denn gute Selfpublisher bekomme man nur, wenn man flexibler werde.

Plattformen als selbstorganisierte Nachwuchs-Casting-Show

Da schaltet sich der Kollege von neobooks, Michael Döschner, ein. Auch er führt erstmal einen kleinen Monolog und erklärt das Prinzip von neobooks, dem Selfpublishing-Format aus dem Hause Droemer Knaur, kommt dann aber auf eine weitere Problematik des Buchhandels zu sprechen: Die Selektion. Hier liege der Vorteil klar bei Verlagen, die eine Vorauswahl treffen. Mit dem Angebot an Selfpublishing-Titeln sei der Händler schlichtweg überfordert. Neobooks könne da Abhilfe schaffen, durch die Plattform sollen Autoren nämlich zu Droemer Knaur kommen und so wiederum in den Buchhandel. Aber ist das noch so richtig Selfpublishing im Buchhandel? Es wäre auf jeden Fall der „klassische“ Weg in den Laden … Die Diskussion geht noch eine Weile weiter, vor allem wird darüber gestritten, ob Selfpublishing-Dienstleister nicht soetwas wie Zuschuss-Verlage seien. Klar wird schließlich, dass die Lösung in neuen Geschäftsmodellen liegt.

Das Gespräch verlief zu Beginn etwas einseitig, wurde am Ende aber doch zu einer richtigen Diskussion, die hauptsächlich Fragen aufwarf. Den Rednern war vor allem daran gelegen, ihre Unternehmen als besonders fortschrittlich und innovativ zu präsentieren. Konkrete Lösungen zum Problem mit dem Buchhandel oder tatsächliche Aussagen über „Chance oder Bedrohung für Verlage“ gab es wenige. Dennoch regte das Gespräch hoffentlich einige Akteure dazu an, sich weiter mit Selfpublishing und den neuen Marktherausforderungen zu befassen.

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