Selfpublishing 2.0

Auf der Mainzer Minipressen-Messe gab es nicht nur viel zu sehen, sondern auch bei Vorträgen und Seminaren einiges zu lernen. Weil wir uns ja mit dem Thema Selfpublishing befassen und damit unweigerlich immer wieder auf den Namen Matthias Matting stoßen, standen zwei brave Redaktionsmitglieder an einem Freitag mal besonders früh auf und machten sich auf den Weg ins Mainzer Rathaus zum Vortrag zum Thema Selfpublishing 2.0.


Die Dauer von dreieinhalb Stunden kamen uns erstmal richtig lange vor, aber wenn man das Thema Selfpublishing allgemein erklären will und jeden Aspekt kurz ansprechen möchte, dann dauert das eben seine Zeit.

Zu Beginn sprach Matthias Matting über den e-Book Markt allgemein, schließlich findet Selfpublishing vor allem hier statt. Dann ging es weiter mit den Themen Texte schreiben und welche Programme man dafür verwenden kann, mögliche Werbeinstrumente, Rechtliches, wie komm ich vom e-Book zum Taschenbuch und welchen Distributer/Lektor/Korrektor kann ich beauftragen, wenn ich das denn möchte. Alles in allem hatte man nach den ganzen Themen einen kurzen informativen Überblick über Selfpublishing. Allerdings war das nur die Spitze des Eisberges und eine gemischte Gruppe von Verlegern, Studenten und Autoren zu unterhalten ist schwierig, wenn jeder einen anderen Wissensstand hat.

Ich habe danach angefangen mir mal wieder Gedanken über Autoren im Selfpublishing allgemein zu machen. Ich gebe zu, ich kenne nicht unendlich viele Autoren und daher mag meine Einschätzung hier auch eher subjektiv sein. Aber schon an diesem kleinen Seminar hat man erkannt, dass es viele Menschen gibt, die ein Buch geschrieben haben und sich noch nie Gedanken über das Verlegen gemacht haben und nicht wissen, was da als Selfpublisher eigentlich auf sie zukommt. Kein Wunder also, dass das große Thema in diesem Bereich neben „wie komme ich in den stationären Handel“ auch und vor allem die Professionalisierung der Autoren ist. Zwar gibt es schon welche, die sehr professionell arbeiten und viel Zeit und Mühe in die Veröffentlichung ihrer Bücher stecken. Aber messen wir den Erfolg mal am Geld, so können bis jetzt gerade mal ca. 150 von insgesamt 75000 Selfpublishern in Deutschland vom Schreiben leben. Und wer und wo ist der ganze Rest?

Zuletzt möchte ich noch sagen, dass Autoren im Selfpublishing Bücher verkaufen, weil sie unter anderem näher am Endkunden sind als andere Autoren. Sie vermarkten sich selbst oft mit und wollen auch ihre eigene Geschichte erzählen, damit gewinnt man Sympathien, damit verkauft man Bücher. Um hier positiv aufzufallen, finde ich ein daraus resultierendes höfliches interessiertes Miteinander unumgänglich. Nicht nur unter den Autoren und ihren Kunden. Ich finde die Selfpublisher haben auch die Aufgabe einen Blick über den Tellerrand zu werfen um zu schauen: Was machen eigentlich andere in der Buchbranche und wie funktioniert das System Buch außerhalb von Amazon in Deutschland überhaupt. Hier haben meiner Meinung nach noch manche (und ich sage explizit nicht alle!) Autoren einen großen Nachholbedarf.
Natürlich haben viele Händler Vorurteile gegenüber Selfpublishern und ich hoffe, der neu gegründete Verband kann da etwas Abhilfe schaffen. Aber auch in die andere Richtung gibt es noch einiges an Unverständnis oder Unwissenheit. Sicherlich hat jeder andere Ziele und irgendwie wollen wir ja alle Geld verdienen, aber in Deutschland gibt es einige kulturelle Privilegien, die schützenswert sind und wenn das bedeutet zwei Exemplare seines Buches der deutschen Nationalbibliothek zu schenken, dann sollte man sich auf das große Ganze besinnen und sich freuen, dass auch in 100 Jahren noch jemand mein Buch da finden kann!

Kann man mal drüber nachdenken, wie ich finde und beende mit diesem Satz meinen etwas idealistischen, vielleicht studentisch naiven „wir sollten uns alle liebhaben“-Beitrag.

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