Unter der Lupe: Der Selfpublisher-Verband

Am 06. Juni hielt Daniel Isberner, Geschäftsführer des Selfpublisher-Verbands, einen Vortrag auf der Mainzer Minipressen-Messe. Vor kleiner Runde erklärte er die grundlegenden Ziele, die der Verband verfolgt, warum die Gründung überhaupt notwendig war und wie dem Selfpublisher zu einem besseren Image verholfen werden soll. Ich habe mich unter das Publikum gemischt, das vor allem aus Autoren bestand, und gelauscht …

(c) Selfpublisher-Verband e. V.

Zu den Problemen, die Selfpublisher immer noch quälen, gehört laut Isberner vor allem der schlechte Ruf: Ohne Kontrolle und ohne Qualität wird im Selfpublishing quasi alles auf den Markt gebracht (angeblich). Sich dagegen zu wehren ist schwer und muss mit der Zeit kommen. Die Kunden müssen schließlich erstmal die guten Texte finden. Nichtsdestotrotz ist die Überschwemmung des Marktes durch Selfpublishing-Titel tatsächlich ein Problem, denn das Gros der AutorInnen bemüht sich bei der Veröffentlichung, dem Vorurteil entsprechend, nicht um ein Lektorat oder Korrektorat. Aber es gibt eben auch die anderen Selfpublisher, die Liebhaber, wie Isberner sie nennt. Und die sollen durch den Selfpublisher-Verband vereinigt werden.Eines der hervorgehobenen Ziele ist es somit, vom Konkurrenzdenken weg zu kommen und sich stattdessen untereinander zu vernetzen. Zusammenarbeit soll entstehen. Und zwar durch Zusammenhalt. Der Verband will vor allem diesen Austausch zwischen den AutorInnen schaffen.

Ein weiteres Problem, das sich nicht alleine durch die Vernetzung der Selfpublisher lösen lässt, ist der Kontakt zum Buchhandel. Hier will der Verband Abhilfe schaffen. Wie können AutorInnen es schaffen, ihre Bücher im stationären Sortiment zu etablieren? Die Idee: Ein Katalog. Ganz ähnlich den Verlags-Vorschauen der etablierten Player will der Selfpublisher-Verband einen Katalog herausgeben, der die Titel seiner Mitglieder listet. Dadurch erhofft man sich, dass der Buchhändler nicht wie bisher von den Massen an neuen Büchern erdrückt, sondern ihm die Suche durch eine Vorauswahl von passenden Titeln für das jeweilige Sortiment erleichtert und so Zeit erspart wird. Bisher hat der Verband ca. 80 Mitglieder. Wenn man davon ausgeht, dass jedes Mitglied mindestens zwei Bücher veröffentlicht hat, dürfte das dennoch ein sehr umfangreicher Katalog werden. Zu der genauen Ausgestaltung konnte Isberner noch nicht viel sagen, der Katalog soll aber bis zur Frankfurter Buchmesse 2015 fertig sein und dort am Stand des Selfpublisher-Verbands ausliegen. Derzeit werden die Titel der Verbandsmitglieder auf der Website gelistet – allerdings noch unvollständig. Auch über die Auslieferung wurde debattiert. Bisher sieht das Konzept vor, dass die AutorInnen die Kataloge beim Verband anfordern und eigenständig in Buchhandlungen ihrer Wahl verteilen sollen. Gewisse Zweifel regten sich angesichts dieses Systems.

Der Katalog ist aber nicht das einzige, was der Verband seinen Mitgliedern bietet: Sie erhalten Rabatte bei Eintrittspreisen zu bestimmten Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Selfpublishing-Day, oder vergünstigte Angebote auf Werbeplattformen. Durch entsprechende Fördermitglieder sollen kostenlose Hilfestellungen wie eine juristische Erstberatung bei rechtlichen Problemen ermöglicht oder Kontakt zu Lektoren hergestellt werden.

Die Mitgliedschaft kostet übrigens 8€ im Monat für ordentliche Mitglieder, 6€ für außerordentliche, und steht prinzipiell allen Selfpublishern offen. Neben den schon erwähnten Lektoren und Juristen wünscht man sich vor allem noch Distributoren oder Coverdesigner als Fördermitglieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Selfpublisher-Verband vertritt einige gute Ansätze, von seiner Gründung werden sicherlich nicht nur die Selfpublisher, sondern auch Lektoren oder Designer profitieren – noch steckt er jedoch in den Kinderschuhen. Die Ideen stehen, müssen aber noch in vielerlei Hinsicht ausgearbeitet und fokussiert werden. Aber man darf auch nicht zu kritisch sein, schließlich existiert der Verband erst seit Februar 2015.

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Ein Kommentar zu “Unter der Lupe: Der Selfpublisher-Verband

  1. Die Sache mit dem Katalog finde ich richtig gut. Eine Übersicht über die Selfpublisher Titel zu haben ist als Privatkunde schon schwer, für den Buchhändler aber bestellentscheidend. Ich werde mir auf jeden Fall einen besorgen,wenn es soweit ist. Daumen hoch!

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