Once Upon a Time in the Deep Dark Web …

Ann-Christin Schulz

Wer nach Schattenbibliotheken im Deep Web suchen will, sollte Geduld mitbringen und sich noch einmal bewusst machen, dass die Nutzung einer solchen Bibliothek illegal ist. Eine anonyme Quelle hat mich in die Tiefen des Webs mitgenommen und einige Bibliotheken aufgespürt. Doch warum gibt es überhaupt Schattenbibliotheken und wie werden sie betrieben?

Durch das illegale Downloaden von e-Books werden die Urheberrechte der Autoren verletzt. In Deutschland wird diese Verletzung streng geahndet, es folgen ein Brief vom Rechtsanwalt und ein Strafgeld, das mehrere tausend Euro betragen kann. Umso interessanter ist es, sich einmal anzusehen, wie die Betreiber sich rechtfertigen. Die folgenden Statements stammen von zwei Schattenbibliotheken, die sich größtenteils auf Belletristik spezialisiert haben und viele aktuelle Bestseller in ihrem Katalog führen. Alle Grammatikfehler wurden aus dem Originaltext übernommen.

Copyright laws are obsolete. With the technology to copy books without cost we can finally have universal access to the culture. We can provide the tools to allow everybody read any book without dependence on their monetary resources. Of course we have to feed the authors, but with the capitalist way of commercialize culture now we are doing a really bad job at that. We are feeding big corporations, not the authors

 

That leads us to ‚Why?‘. The first reason is obvious, because I can. The second reason is a bit more complicated, but I consider this my ‚proof‘ that current copyright legislation is doomed. I also made this because I needed it myself and nobody wanted to sell me anything even remotely similar. Which is actually weird, since this is the single most obvious thing to have a computer handle, with all the benefits that include. Instead they all wanted to sell me locked-down ‚TV versions‘ of books that had all sorts of weird restrictions and they even had the nerve to make them more expensive than their paper alter-ego.

Ich überlasse es euch, zu beurteilen, inwieweit das nun eine triftige Rechtfertigung für Belletristik-Piraterie ist.

Betrieben werden die großen Bibliotheken meist von mehreren anonymen Personen, die teilweise um eine Spende in Form von Bitcoins bitten oder dem Nutzer anbieten, seine eigenen e-Books der Bibliothek hinzuzufügen. So vergrößern sich die Bibliotheken ständig. Sie werden auch durchaus gut besucht und genutzt, wenn man einer Statistik glauben darf, die meine Quelle auf einer dieser Websites fand:

 

Zahl der täglichen Besucher (links) und Downloads auf Seite X

Zahl der täglichen Besucher (links) und Downloads auf „Seite X“

Es gibt viele verschieden Arten von Schattenbibliotheken im Deep Web, ob es nun nur eine Liste mit Links ist, die Möglichkeit, sich eine ganze Sammlung auf einmal herunterzuladen, eine übersichtliche Bibliothek mit einem Katalog oder doch eine Schattenbibliothek, die sich auf wissenschaftliche Texte spezialisiert hat, sie alle scheinen rege benutzt zu werden. Die Betreiber rechtfertigen den Betrieb ihrer Schattenbibliotheken mit verschiedenen Gründen. Doch wie stichhaltig findet ihr sie? Für Kommentare ist unten Platz!

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2 Kommentare zu “Once Upon a Time in the Deep Dark Web …

  1. Die Argumentation der Betreiber finde ich schwach – klar ist „universal access“ erstmal eine nette Idee, mit dem Hinweis auf „to the culture“ tue ich mir aber eher schwer in dem Zusammenhang. Wir predigen ständig von Buch als Kulturgut – damit meinen wir aber meist nicht, dass es mittels Piraterie allen zur Verfügung stehen sollte. Denn grade um die Beständigkeit des Buchs als Kulturgut zu sichern, sind wir doch auf Verlage, Buchhandlungen, Plattformen und eben auch monetäre Gewinne für die Autoren angewiesen. Bei wissenschaftlichen Werken mag das mit dem „universal access“ schon wieder anders sein, da schreiben die Autoren aber auch meist nicht für ihren Lebensunterhalt, das Werk ist oft „nur“ Nebenprodukt ihrer eigentlichen Forschung. Dennoch kann ich mich mit Schattenbibliotheken gerade noch so gar nicht anfreunden.

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    • Dito. Beim Korrekturlesen hab ich auch einfach nur laut gelacht, als ich mir die Zitate durchgelesen habe, allein schon die Formulierung „copyright laws are obsolete“. Theoretisch kann ich dem Kultur-Argument ein winziges bisschen was abgewinnen – aber zum einen weiß ich nicht ob nun gerade sowas wie Diana Gabaldon so das ist, wozu jeder Zugang haben muss (die alte Debatte welchem Buch man nun diesen Mehrwert zuspricht oder nicht, ich weiß). Zum anderen sind hinsichtlich des Rechts auf „kulturelle Teilhabe“ weit eher Leihbüchereien oder verminderte Eintrittsgelder etc. für sozial benachteiligte Gruppen das, worüber man reden muss.
      Und wie Nina ja auch schon sagt: Bei wissenschaftlichen Publikationen muss man – meiner Ansicht nach – deutlich anders argumentieren. Zwar halte ich nichts davon, mich dem generellen Verlagsbashing anzuschließen und zu behaupten, deren finanzielle Interessen müssten nicht berücksichtigt werden, aber gerade im Falle wissenschaftlicher Publikationen ist es nun einmal so, dass die illegale Verbreitung von Verlagspublikationen den Autoren mehr nützt als schadet. Weil der Verlag, der mit der Exklusivität der Inhalte seine Gewinne generiert, dadurch die Rezeption behindert. Dabei geht es doch für den Wissenschaftler eben nicht darum, ein dickes Buch beim Verlag unterzubringen und die Füße hochzulegen, sondern um den Diskurs, der um den Inhalt entsteht und sein „Mitspracherecht“ in seiner Disziplin erweitert – der eigentliche Mehrwert einer Publikation entsteht also erst aus der möglichst breiten Zurkenntnisnahme.

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