Von Verlegern und Schwarzen Schafen

spb_Leipzig_ohneVerleger, das kommt von „vorlegen“… Ja, wir hören das während unseres Studiums oft genug und als Buchwissenschaftler und Buchhändler kennt man die Gepflogenheiten der Branche auch irgendwann. Trotzdem ärgern uns neben schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen auch unseriöse Verleger, mit denen es die Autoren schwer haben. Dass es auch anders geht, zeigt eine Münsteraner Initiative.

Jeder Autor steht irgendwann vor seinem Erstlingswerk und überlegt, auf welchem Weg es zum Leser gelangen soll. Meist unwissend, lassen sie sich von unseriösen Angeboten locken, die es eben auch in der Buchbranche gibt. „Druckkostenzuschussverlage“ oder „Vanity Press“ werden die genannt, die sich nicht an den klassischen Ablauf des Verlegens halten. Also den Tausch von Nutzungsrechten gegen wirtschaftliches Risiko (eben das „Vorlegen“). Nein, eher läuft es dort so ab, dass der Autor seine Rechte abgibt und zusätzlich noch die Druckkosten (oder mehr) entrichten soll – und am Ende darf man als Autor dann auch noch darauf hoffen, eine ordnungsgemäße Abrechnung und Verkaufszahlen zu bekommen.

Natürlich sind das die Schwarzen Schafe in der Branche und sie sind deutlich abzugrenzen von den Dienstleistern im Selfpublishing-Bereich, die auch bezahlt werden wollen, aber eben nur einfache Nutzungsrechte bekommen um keine Urheberrechtsverletzung einzugehen. Hier wird kein klassischer Verlagsvertrag unterschrieben. Daher nennen sich diese aber auch nicht Verlag und geben damit auch nicht vor, etwas anderes als ein Dienstleiter zu sein.

Als Selfpublisher steht man heute einer Vielzahl von Dienstleistern gegenüber, die man vergleichen muss. Jeder Anbieter hat seine Schwerpunkte und es gilt genau zu erkunden, welches Angebot das richtige für das jeweilige Buch ist. Will man digital oder als Printbuch veröffentlichen? Welche Zusatzleistungen wie Lektorat, Korrektorat, Vertrieb oder Covergestaltung braucht man? Wie groß ist der Seitenumfang des Buches? Enthält es Bilder? Und so weiter… Ja, das kann sehr anstrengend sein. Und zeitraubend. Trotzdem kein Grund, den vermeintlich einfacheren Weg des Zuschussverlages zu gehen!

(c) Monsenstein und Vannerdat OHG

Um diesen Autoren unter die Arme zu greifen und auch um Transparenz und Nachhaltigkeit auf dem Markt zu gewährleisten, hat das Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat aus Münster die Initiative FAIRöffentlichen ins Leben gerufen. Selbst sind sie mit Ruckzuckbuch.de mittlerweile alte Hasen im Selfpublishing-Bereich. Das Ziel ist es, den Autoren zu helfen, die sich nicht als Digital Natives verstehen, die sich in der Branche nicht auskennen, denen Richtlinien und Standards helfen sich zurechtzufinden. Als Neuling gestaltet es sich nicht nur schwer, sich in Sachen Vertragsrecht und Branchengepflogenheiten einzufinden, sondern man ist auch mit den branchenüblichen Preisen für Dienstleitungen nicht vertraut. FAIRöffentlichen will da Abhilfe schaffen. Die drei wichtigsten Ziele, die die unabhängige Prüfgruppe erarbeitet hat, lauten:

  1. Autorinnen und Autoren geben nur so viele Rechte ab, wie für die Erreichung ihrer Publikationsziele erforderlich sind. In der Regel werden dabei nur einfache Nutzungsrechte für einen klar definierten Zeitraum und einen klar definierte Nutzungsrahmen übertragen. Die Möglichkeit einer vorzeitigen Kündigung muss gegeben sein.
  2. Die Kosten für Autorinnen und Autoren werden transparent aufgeschlüsselt. Günstige Einstandspreise, die vorhersehbare, aber nicht offen kommunizierte Folgekosten nach sich ziehen, lehnen die zusammengeschlossenen Dienstleister ab. Die Kosten für einzelne Dienstleistungen heben sich dabei nicht von marktüblichen Preisen auf dem freien Markt ab.
  3. Autorinnen und Autoren werden über die einzelnen Dienstleistungen transparent und verständlich informiert. Das gilt für Fragen der Vertriebskanäle, des Marketings oder der Produktion ebenso wie für alle anderen offerierten Leistungen, insbesondere die Beteiligung der Autorinnen und Autoren an den Buchumsätzen. Die Absatzchancen eines Buches werden ehrlich kommuniziert. Offerierte Leistungen sollen den realistischen Zielen und Möglichkeiten einer Veröffentlichung dienen.
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