Tipps rund um Verlag und Selfpublishing auf der Leipziger Buchmesse

Marisa Klein

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Auf der Leipziger Buchmesse 2015 war auch dieses Jahr Selfpublishing ein gefragtes Thema. Aus zahlreichen Vorträgen pickte ich mir einen heraus, um diesen Fragen nachzugehen: Warum finden manche Autoren keinen Verlag? Wenn man sich für das Self-Publishing entscheidet, worauf sollte man achten?

Die Veranstaltung „Selfpublishing oder Verlag?“ im autoren@leipzig-Forum fand in Form eines Vortrags von Wolfgang Tischer statt. Tischer gründete 1996 die Website literaturcafe.de und berät seit vielen Jahren Verlage, JournalistInnen und AutorInnen.

Warum scheitern so viele Bewerbungen bei Verlagen?

Eine Wahl zwischen Selfpublishing oder Verlag hat man als Autor erst einmal nicht wirklich. Ob das Manuskript angenommen wird, entzieht sich schließlich der eigenen Kontrolle. Selfpublishing dagegen geht immer. Tischer erklärt dem Publikum, warum die Verlage so oft Manuskripte, insbesondere unter Verwendung einer Standardabsage, ablehnen. Die Autoren bekommen kein Feedback, keine Kritik, so dass sie ihr Werk verbessern könnten. Oft nehmen sie es dem Verlag sogar persönlich, sind frustriert und wütend. Doch Tischer rät sachlich zu bleiben und beschreibt die häufigsten Gründe, weshalb die Autoren und ihre Manuskripte abgelehnt werden:

  1. Selbstüberschätzung. Der Text ist trotz Herzblut und Leidenschaft für die Sache qualitativ zu schlecht.
  2. Das liegt daran, dass sich falsches Feedback geholt wird. Freunde und Familie sind voreingenommen und in der Regel nicht in der Materie.
  3. Das Argument: „Selbst Nicht-Leser fanden es gut“. Das ist eher ein K.-o.- Kriterium. Wer sich mit Literatur gar nicht auseinandersetzt, kann diese auch schlecht beurteilen.
  4. Das Manuskript passt nicht in das Verlagsprogramm. Der Autor muss sich die Verlagsbranche genau ansehen und die Programme studieren, nicht einfach das Manuskript an alle Verlage versenden, die ihm einfallen.

Als Autor ist es wichtig, dass man sich auf dem Buchmarkt ein wenig auskennt. Dass man beispielsweise weiß, welche Genre gerade im Trend sind und welche auf dem absteigenden Ast. Und natürlich, was für Programme die Verlage haben, welche Autoren dort veröffentlichen, welchen Umsatz sie erwirtschaften. Aufpassen sollte man bei sogenannten „Zuschussverlagen“, die das Buch nur mit einer erheblichen Geldspritze vom Autor selbst verlegen. Das sind unseriöse Anbieter. „Kein Geld vorab an den Verlag zahlen!“, sagt Tischer. Der Verlag habe zu zahlen, nicht umgekehrt.

Erfolgsrezept für Selfpublisher?

Ein Erfolgsrezept konnte Wolfgang Tischer uns leider nicht nennen (vielleicht wollte er es auch nicht verraten?), aber er hatte gute Tipps in petto. Da Selfpublishing-Bücher es selten in die Presse schaffen, muss der Autor für das Marketing selbst tätig werden. Das gilt auch, wenn er dafür Dienstleister in Anspruch nimmt.

  1. Zustimmung im Netz sollte nicht mit Verkaufszahlen verwechselt werden. Nur weil jemand deine Seite liket, heißt das noch lange nicht, dass er auch dein Buch kauft.
  2. Vorsicht mit dem Geld! Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter für Selfpublisher, die Aufgaben wie Lektorat, Korrektorat und dergleichen übernehmen. Doch sollte man diese nicht blindlings in Anspruch nehmen, sondern abwägen, was sich lohnt, und was man doch besser selber macht. Und: Wenn der Text schlecht ist, hilft auch noch kein so fähiger Dienstleister.
  3. Gute Formatierung für E-Books beachten.
  4. Lieber mit einem kleinen Text starten, als mit einem 600-Seiten Schinken. Änderungen und Feedback sind bei kurzen Texten einfacher umzusetzen.
  5. Gute und qualifizierte Testleser suchen. Auch wenn man nicht in den Verlag möchte, können fachlich passende Kritiker den Erfolg des Werkes erhöhen.

Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer. Wenn man das Selfpublishing nicht nur als Hobby betreibt, sondern vielleicht sogar als Lebensunterhalt anstrebt, muss man dranbleiben. Kontakte müssen geknüpft werden und die Werbetrommel muss ordentlich und regelmäßig gerührt werden. Gewinnspiele und Preisaktionen erhöhen die Bekanntheit. Aber nicht vergessen: Es gibt die Preisbindung und die gilt natürlich auch für Selfpublisher! Hier muss man aufpassen, dass die Grenzen des Legalen nicht überschritten werden.

Aus dem Vortrag von Wolfgang Tischer konnte ich viel mitnehmen, auch wenn ich mich durch unser Selfpublishing-Projekt schon intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hatte. Gerade auf den Buchmessen zeigt sich, dass das Selfpublishing immer mehr an Bedeutung erhält und dass der Trend noch steigen wird!

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