Annie Stone: „Ich versuche jeden Tag an meinem Business zu arbeiten“

Annie Stone hat es geschafft – binnen eines Jahres veröffentlichte sie acht e-Books und stürmte damit bis an die Spitze der Amazon-Charts. Mittlerweile hat sie ihren Bürojob an den Nagel gehängt und lebt vom Schreiben. Auf der Leipziger Buchmesse hatten wir Gelegenheit, mit ihr zu sprechen und der Frage nachzugehen, ob es Glück, Zufall oder doch eher der richtige Marketing-Riecher war, der für sie den großen Selfpublishing-Traum wahr werden ließ …

Wie wurdest du überhaupt zur Selfpublisherin?
Mein erstes Buch „Writing her Own Story“ ist vor ziemlich genau einem Jahr, am 14.03.2014, erschienen. Ich habe die Geschichte geschrieben und war mir dann gar nicht sicher, was ich damit machen will, z.B ob ich das einem Verlag vorstellen möchte oder nicht. Letztendlich habe ich mich dann für Selfpublishing entschieden, weil ich einfach herausfinden wollte, wie das funktioniert. Weil es schnell geht, weil man schnell das Ergebnis und die Effekte sehen kann und weiß, ob ein Text gut ankommt oder eben nicht.

Das heißt, es ging vor allem um die schnelle Rückmeldung vom Leser?
NJW_6476Genau. Wenn man über einen Verlag veröffentlicht, kann es ja teilweise bis zu 18 Monate dauern, bis das Buch wirklich zu haben ist, und das war mir zu lang. Ich wollte relativ zügig sehen, wo das Buch landen kann, wie es bei den Lesern ankommt.

Du bist im Bereich Social Media – in Form von Facebook und deinem Blog – sehr aktiv und immer in Kontakt mit deinen Fans und deinen Lesern. Geht es dabei um das Feedback oder betrachtest du das eher als Marketinginstrument?
Es ist natürlich beides! Die Tatsache, dass mir meine Leser direkt und live Feedback per Mail oder über Nachrichten und Kommentare geben können, ist immens wichtig. Wenn mich jemand für ein bereits publiziertes Buch kritisiert, dann ändere ich es zwar nicht, aber ich nehme Anregungen vor der Veröffentlichung auf. Zum Beispiel habe ich mal ein Gewinnspiel gemacht, bei dem die Leser entscheiden konnten, wie die Protagonisten im nächsten Roman heißen sollten. Und deshalb heißen sie jetzt Marlene und Nate.

Glaubst du, dass diese Möglichkeit, sich selbst einzubringen, den Leser anspornt?
Ich glaube schon, dass die Erreichbarkeit und damit die Nähe zum Autor, die man als Leser empfindet, sehr wichtig ist. Ich poste ja nicht nur über meine eigenen Bücher, sondern auch über andere Bücher, die ich mag, oder über Reisen, die ich gemacht habe. Ich glaube, dass man als Leser so das Gefühl bekommt, dass man auch die Person dahinter kennt. Und das ist wichtig, um wirklich loyale Fans und eine engagierte Leserschaft aufzubauen.

Dein aktuelles Buch „There have always been Fairytales“ ist bei epubli erschienen – warum hast du dich gerade für diesen Dienstleister entschieden? 
Auch mein erstes Buch ist bei epubli erschienen. Ich habe vorher viele verschiedene Anbieter analysiert, mir auf der Selfpublisherbibel angeguckt, wie Matthias Matting sie einschätzt und dann selber die Angebote überprüft. Zu neobooks und epubli habe ich per Email Kontakt aufgenommen, und am Ende hatte epubli für mich und meine Vorstellungen das bessere Angebot.

Was sagen denn deine Freunde und deine Familie so dazu – zum Schritt in die Selbstständigkeit, aber auch zum Erotik-Genre an sich?

Annie Stone: She flies with her own wings (c) epubli

Annie Stone: She flies with her own wings (c) epubli

Ich habe mir darüber im Vorfeld selbst viele Gedanken gemacht! Erst nach der Veröffentlichung habe ich überhaupt meiner Familie und meinen engsten Freunden davon erzählt, dass ich eine Geschichte geschrieben und veröffentlicht habe, die dann auch noch sehr erfolgreich wurde. Eigentlich hatte ich gedacht, ich kann das einfach unter den Tisch fallen lassen und muss es keinem erzählen, weil eh niemand mein Buch lesen würde. Dann war ich total überrascht, wie positiv die Reaktionen waren. Ich habe von keinem meiner Freunde und Verwandte etwas Negatives gehört, auch nicht, als sie die Bücher gelesen haben und wussten, in welchem Genre ich schreibe. Nicht alle lesen meine Bücher, und das ist auch vollkommen in Ordnung, man muss nicht alles mögen, aber es gab niemanden, der in irgendeiner Weise negativ reagiert hat.

Im Buchreport-Blog sagtest du kürzlich, dass deine Bücher besser laufen, wenn du sie nicht in der Kategorie „Erotik“, sondern als „Liebesromane“ anbietest. Hast du eine Vermutung, woran das liegen könnte?
Ich denke schon, dass Erotik sich auch gut verkauft, gerade in den letzten paar Jahren. Letztendlich wird aber maßgeblich durch die Algorithmen von Amazon beeinflusst, dass Liebesromane besser laufen als Erotik. Diese Sparte wird nämlich dort im allgemeinen Ranking nicht berücksichtigt. „Liebesromane“ oder „Thriller“ werden aber sehr wohl auch ins allgemeine Ranking aufgenommen. Das bedeutet vergrößerte Sichtbarkeit.

Viele Autoren träumen davon, dass ihr Manuskript mal von einem großen Verlag veröffentlicht wird. Hast du selbst mal ein Manuskript dort eingeschickt?
Ich habe nie ein Manuskript eingeschickt, aber ich bin auch nicht dagegen, bei einem Verlag zu veröffentlichen. Ein kleinerer Verlag, der Latos-Verlag, wird vier Bücher von mir im Mai und Juni verlegen, so dass die Taschenbücher auch in der Buchhandlung zu finden sein werden. Ich halte es für sehr wichtig, mehrere Standbeine zu haben, um nicht von einer einzelnen Plattform abhängig zu sein. Für mich selbst glaube ich, dass eine Mischung aus Verlag und Selfpublishing genau das richtige ist, gerade für Deutschland, wo Amazon nicht mit 80 % den Markt beherrscht. Print spielt hier noch eine vergleichsweise große Rolle. Und wenn es Verlage gibt, die gute Angebote machen, dann kann man die auch durchaus annehmen!

Inzwischen kannst du vom Schreiben auch ganz gut leben. Wie hat sich dadurch dein Alltag verändert?
Der Alltag hat sich natürlich dahingehend verändert, dass ich nicht mehr von acht bis sechzehn Uhr in einem Büro sitzen muss. Das ist ein großer Vorteil, denn jetzt kann ich mir meine Zeit selber einteilen. Vormittags mache ich Dinge, die nichts mit Schreiben zu tun haben, weil ich kein Morgenmensch bin. Ich bin dann bei Facebook und beantworte Emails und dergleichen, nachmittags fange ich an mit dem Schreiben. Ich versuche, regelmäßig und jeden Tag zu schreiben, aber es ist auch kein Beinbruch, wenn es mal nicht so ist. Trotzdem versuche ich jeden Tag in irgendeiner Weise an meinem Pseudonym, an meinem Business zu arbeiten. Außerdem reise ich total gerne! Ich war jetzt gerade drei Monate in Südostasien, sowas kann man mit einem normalen Bürojob und fünfeinhalb bis sechs Wochen Urlaub im Jahr gar nicht machen.

Eine letzte Frage zum Abschluss: Wie schätzt du die Zukunft des Selfpublishings ein?
Ich denke, dass Selfpublishing immer wichtiger wird und auch, dass die Selfpublisher sich weiter professionalisieren werden. Mittlerweile investieren viele in ein Lektorat, in professionell gestaltete Cover oder Buchtrailer. Das wird sicherlich noch mehr werden, und dadurch wird auch das Ansehen steigen.

***

Für die Vermittlung des Gesprächs möchten wir uns herzlich bei Leonie Langer vom epubli-Team bedanken. Im Dezember 2014 schrieb sie über die Professionalisierung im Self-Publishing: „Self-Publisher, entscheidet euch„.

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