Was würde Yuki Mai jetzt tun?

Maren Boguslawski 

Sicherlich ihren zweiten Teil von Midori – Trug und Schein veröffentlichen. Aber ab heute ist Yuki Mai auf sich alleine gestellt, unser Projekt ist beendet. Beendet ist vielleicht nicht das richtige Wort hierfür, aber zumindest der Kurs endet. Möglicherweise wird es aber eben doch einen zweiten Teil geben und auch der Blog wird  weitergeführt. Man darf also gespannt sein, was noch alles folgt. Zum Abschluss unseres Experiments wollen wir euch einen kurzen Überblick unserer Ergebnisse liefern.

Am Anfang unseres Projekts stand natürlich die Text- und Plattformauswahl. Das schwarze Schaf der Buchbranche – Amazon – sollte genauer unter die Lupe genommen werden, vor allem weil sie sich selbst gern als die beste und komfortabelste Lösung für Selfpublisher darstellen. Besonders mit ihren einsehbaren Statistiken locken sie neue Autoren in ihr Programm. Bei der Bearbeitung des Textes fühlten wir uns selbst oft als Autoren. In unserem speziellen Fall wollte der Autor anonym bleiben, sodass wir alles dafür taten, dass der Autor nicht der Autor ist, sondern wir. Ein gestelltes Autorenfoto samt einer zum Text passenden Biographie bildeten somit das Autorenprofil. Bei der Herstellung des eBooks war für uns vor allem das Zeitmanagement ein wichtiger Faktor. Deshalb lagerten wir beispielsweise die Cover-Produktion aus. Die Zusammenarbeit mit der Designerin funktionierte effektiv, schnell und unkompliziert und war für uns somit eine gute und preisgünstige Lösung.

Unsere spannendsten Erfahrungen machten wir im Bereich Marketing. Wir starteten mit vielen tollen Ideen in das Projekt – und mussten feststellen, dass so einiges in der Realität nicht so funktionierte, wie es sollte. Eine Facebookseite für unser Werk machte zum Beispiel gar keinen Sinn ohne die Unterstützung durch richtige Fans oder einer Leserschaft. Unser Kuchenverkauf dagegen war in unserem Rahmen sicher sinnvoll, da uns die vielen Verkäufe vor Ort an unserem ersten Veröffentlichungstag auf jeden Fall halfen einen hohen Platz in den Bestsellerlisten zu erreichen, aber ein allgemeingültiges Marketingmittel für jeden Selfpublisher ist das mit Sicherheit nicht. Generell funktioniert klassisches Marketing bei Selfpublishern eher schlecht. Alles funktioniert über das Internet, über die eigenen Netzwerke bzw. im Idealfall eine bereits vorhandene Fanbase. Schließlich steht kein Verlag dahinter, der mit seinem Namen bürgt. Ein Selfpublisher muss sich selbst als Marke etablieren und das geht nur, wenn er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Daran ist unser Projekt im Endeffekt auch gescheitert: Die Mechanismen von Amazon haben zwar gegriffen, aber nach der Flut an Verkäufen am ersten Verkaufstag folgte sehr schnell die Ebbe. So gut wie alle Käufe geschahen aus Gefälligkeit, nicht aus Interesse an unserem Buch. Wie sollte sich so eine Fanbase etablieren? Schade, dass wir an dieser Stelle nicht weiter gekommen sind. Aber vielleicht wäre das mit Teil zwei besser geworden? Wer weiß.

Um unserer Branche gerecht zu werden, üben wir an dieser Stelle Kritik an Amazon als Selfpublishing-Plattform, also aufgepasst! Amazons Angebot für Selfpublisher hat uns am Ende nicht überzeugen können. Es gibt keine wirklich sinnvollen Statistiken über den eigenen Verkauf, sondern nur, wann wie viele eBooks verkauft wurden. Interessante Benutzerdaten, wie Kunden etwa auf unseren Titel aufmerksam geworden sind, teilt Amazon natürlich nicht. Diese Daten behält es lieber für sich selbst. So können wir aber am Ende unseres Projekts keine quantitativen Aussagen über den Verkauf machen. Waren es wirklich 90% Käufe aus Gefälligkeit? Oder sind auch Leser durch Amazons Empfehlungen auf unser eBook gestoßen? Auch bei der Erstellung des Buches sind uns einige Defizite aufgefallen: So gibt es zwar eine deutsche Eingabemaske für KDP, diese ist aber nicht an den deutschen Markt angepasst. Die Kategorien, in denen das Buch letztendlich erscheint, stimmen nicht mit den vorhandenen Kategorien in Amazon überein. Einige gibt es beispielsweise einfach nicht. Und selbst mit tatkräftiger Hilfe von Michael Meisheit sind wir im Endeffekt in den falschen Kategorien gelandet. Dieses „System“ blicken also nicht einmal die alteingesessenen Selfpublisher. Außerdem gibt es einige Fallen, in die ein unerfahrener Autor treten kann. Bei uns war es die Mehrwertsteuer, die nachträglich auf den eingegebenen Preis angerechnet wird. Und Änderungen dauern bei Amazon oftmals mehr als einen Tag, sodass wir mit unserem Verkauf mit einem falschen und in unserem Fall ungünstigen Preis starten mussten.

Unser Fazit des Experiments ist sehr ambivalent, vor allem was den letztendlichen Verkauf betrifft. Über diesen können wir so gut wie keine Aussagen tätigen, wir konnten hier für eine mögliche weitere Veröffentlichung nicht viel lernen. Die zentrale Frage, wegen welcher dieses Experiment gestartet wurde, ob Selfpublishing bei Amazon wirklich so einfach wie etwa bei Herrn Meisheit ist, können wir heute mit jein beantworten. Ja, von Amazons Algorithmen und Mechanismen her schon. Nein, da wir keine Fanbase hatten und auch keine bilden konnten. Ein wirklich gutes eBook zu erstellen kostet viel Zeit, Nerven und Geld. Und ohne ein großes Netzwerk kommt keiner weit. Außer man manipuliert seine Verkäufe auf andere Art und Weise, da sind einige hartnäckige Gerüchte in Umlauf. Letztendlich sollte sich ein Autor auch vor Augen halten, ob er wirklich bei Amazon veröffentlichen will. Amazons Ruf in der Buchbranche ist nicht besonders gut und kann potentielle Leser abschrecken.

Also: Es braucht mehr Präsenz und Zeit einen Autor und seine Texte zu etablieren und langfristig eine feste Leserschaft an sich zu binden.

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Ein Kommentar zu “Was würde Yuki Mai jetzt tun?

  1. Ich finde das Ergebnis, dass es viel Zeit und eigenen Einsatz (Geld, Geschick, Energie) kostet, ein gutes und erfolgreiches Buch zu machen, nur auf den ersten Blick ernüchternd. Denn das zeigt zwar einerseits, dass Selfpublishing allein nicht die Lösung für ein aus Autorensicht nicht mehr so recht funktionierendes Verlagswesen darstellt. Andererseits bedeutet es aber – und dies hat uns ja nementlich Alexander Pohl vermittelt -, dass heute auch im digitalen Bereich einiges dazu gehört, um erfolgreich sein zu können. Das gilt für den Bereich Marketing im weitesten Sinne und das gilt auch für die Qualität des Texts in jeder Hinsicht. Mithin dient der Markt also als eine Art Qualitätskontrolle – wenn auch vielleicht nicht im Sinne des überregionalen Feuilletons oder der Literaturkritik im öffentlich finanzierten Rundfunk, so doch immerhin für Leser und Käufer.

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