Die liebe Not ums Geld …

Ann-Christin Schulz

Wer nicht gerade ein Millionär ist, kennt das Problem sicher: Geldmangel. Viele Belletristik‑Selfpublisher träumen vom Erfolg ihrer Bücher, um dadurch einen kleinen Nebenverdienst zu ergattern. Wissenschaftler haben diese Möglichkeit in der Regel nicht, Publikationen sind für sie kostspielig. Durch Förderprogramme und Preisgelder werden besonders Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet und ihre finanzielle Situation unterstützt. Auch Studenten haben die Möglichkeit Auszeichnungen zu ergattern, durch gute Leistungen an der Universität oder durch Teilnahme an Wettbewerben.

Für Wissenschaftler ist das Ziel des Publizierens nicht etwa Geld zu verdienen, sondern sich eine Reputation aufzubauen. Dafür müssen sie möglichst viele Artikel bei möglichst renommierten Journalen oder Verlagen veröffentlichen. Eher selten erhalten sie ein Honorar für ihre Arbeit, meistens müssen sie sogar viel Geld für das Publizieren eines Artikels bezahlen. Manche Wissenschaftler nutzen Open Access-Journals, deren Inhalte der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich sind. Sie setzten ihre Prioritäten darin, ihre Artikel einer möglichst breiten Masse zur Verfügung zu stellen, anstatt ihre Arbeit bei einem geachteten Verlag verlegen zu lassen. Auch die Nutzung dieser Journale kann Renommee mit sich bringen, wenn das Journal einen guten Ruf besitzt und der Artikel zitiert wird. Aber bei Open Access-Journals zu publizieren bedeutet nicht, dass damit keine Kosten verbunden sind. Dass die Artikel für alle frei zugänglich sind bedeutet lediglich, dass die Kosten für beispielsweise die Inbetriebnahme und Instandhaltung des Dokumentenservers auf jemand anderes zurückfallen. Diese Kosten übernehmen teilweise die Autoren oder sie werden von den Forschungsinstitutionen der Wissenschaftler oder den Universitätsbibliotheken übernommen. Die Mainzer Bibliothek hat zum Beispiel einen Etat von 100.000 Euro, der für die Finanzierung von Open Access-Artikeln bestimmt ist. Dreiviertel des Etats für 2015 stammen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die DFG fördert auch regelmäßig junge Wissenschaftler mit verschiedenen Projekten. Es gibt Forschungsstipendien, internationale Austauschprogramme und mehr. Wer promoviert ist, eine Projektidee hat und wem nur noch das Geld fehlt, sollte sich auf dieser Website definitiv einmal umsehen und sich bewerben. Die DFG vergibt auch regelmäßig Preise an junge Wissenschaftler, die bereits promoviert haben, beispielsweise den Heinz Maier-Leibnitz-Preis für herausragende Leistungen junger Wissenschaftler.

Aber auch schon während des Studiums ist es möglich Auszeichnungen zu erhalten. Die JGU beispielsweise prämiert herausragende Hausarbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Sobald eine Hausarbeit mit 1,0 bewertet wurde, kann sie von dem Betreuer beim Fachbereichsrat für eine Auszeichnung vorgeschlagen werden. Die Prämie für Hausarbeiten beträgt 150 Euro. Für besonders gute Abschlussarbeiten wird von der JGU ebenfalls ein Etat für die Fachbereiche zur Verfügung gestellt. Auch hier muss die Arbeit von dem Betreuer dem Fachbereichsrat vorgeschlagen werden. Die Prämie für diese Auszeichnung beträgt 300 Euro.

Es gibt auch Auszeichnungen, die speziell für Buchwissenschaftler gedacht sind. Der Hugendubel-Preis wird jährlich für die beste buchwissenschaftliche Abschlussarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München vergeben. Das Preisgeld beträgt insgesamt 3.000 Euro, 1.000 Euro gehen an den Preisträger, der Rest kommt dem Ausbau der Studiengänge Buchwissenschaft zu Gute.

Interessant für Buchwissenschaftler dürfte auch der Wettbewerb „Förderpreis für junge Buchgestaltung“ von der Stiftung Buchkunst und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sein. Von den Einsendungen werden drei Gewinnertitel von einer Jury ausgewählt, die besonders innovative, zukunftsweisende Konzepte zur gestalterischen Weiterentwicklung des Mediums Buch besitzen. Das Preisgeld für die Gewinner beträgt je 2.000 Euro. Die Bücher werden bei einer Preisverleihung in Frankfurt und anschließend mit einer Ausstellung auf der Frankfurter Buchmesse gewürdigt.

Wer vorhat, nach dem Studium wissenschaftlich zu forschen, sollte sich auf jeden Fall einmal genau mit den Finanzierungsmöglichkeiten seiner Publikationen und Forschungsprojekte auseinandersetzen. Je nach Fachbereich und Universität variieren die Förderungen und Auszeichnungen. Für uns Buchwissenschaftler gibt es, was Auszeichnungen angeht, leider weit weniger als für andere Fachbereiche, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen.

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Ein Kommentar zu “Die liebe Not ums Geld …

  1. Es gibt tatsächlich recht viele Fördermöglichkeiten und nicht selten bewerben sich weniger geeignete Kandidatinnen und Kandidaten, als man annehmen sollte. Ich möchte die Anregung, sich um Förderungen zu bemühen, daher deutlich unterstützen. Auch sind Preise und Stipendien Auszeichnungen, die dem persönlichen Fortkommen dienen. Trotzdem kann so das grundsätzliche Problem fehlender Grundsicherung für den wissenschaftlichen Nachwuchs durch entsprechende Dauerstellen natürlich nicht behoben werden.

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