Hingeschrieben und fertig? Da fehlt doch was …

Olga Janke

Das meinen wir auch! Daher stand im Mittelpunkt unserer Sitzung am 16. Januar das Textlayout.
Wir sind der Frage nachgegangen, wie sich wohl ein angehender Autor dem Thema widmen würde. Dafür haben wir uns sowohl ein paar Dienstleiter angeschaut als auch einige Programme, mit denen ein Autor ein Do-It-Yourself-Layout gestalten könnte.
Zuerst zu den Programmen: Es gibt auf der einen Seite Layoutprogramme, die wenig kosten und gut sind, und auf der andere Seite welche, die viel kosten und die man lieber vergessen sollte. Selbstverständlich auch anders herum.
Wir haben uns Programme wie InDesign, LaTex, Scribus und Papyrus Autor angeschaut.
Auf was wir bei den Dienstleistern gestoßen sind, hat uns doch ziemlich überrascht – und das nicht im positiven Sinne…

Wir haben uns die Internetauftritte von Die Buchhandwerker, Quindie-Partner, Romanmentoren und Typowerkstatt angesehen.
Auffällig war, dass keine der Seiten genaue Angaben dazu macht, auf was beim Layouten eines Buchtextes das Augenmerk gelegt werden sollte und ob Richtlinien dafür gibt. Alle Plattformen preisen professionelle Arbeit an, ohne die Dienstleistung näher zu beschreiben. Preise werden meist nicht genannt.
Dafür waren einige Arbeitsproben als PDF auf den Webseiten vorhanden, welche anhand von gelayouteten Texten exemplarisch die Arbeitsweise des jeweiligen Dienstleisters präsentierten.

Dieser Zauber ist schiefgegangen…

Einige Dienstleister sollten sich jedoch überlegen, ob es wirklich so klug ist, diese Arbeitsbeispiele zu zeigen. Denn was man zu sehen bekommt, ist teilweise schlimmer als so manche hingeschluderte Hausarbeit. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Die ersten Seiten eines Buches mit Titel und Inhaltsverzeichnis waren falsch herum angelegt, Initialen bei jedem neuen Abschnitt mit entweder viel zu nahem oder zu weitem Abstand zum Text und einfache Grafiken ansprechend in den Text einzufügen, schien größtenteils eine schier unlösbare Aufgabe gewesen zu sein.
Die Frage, die sich unserer kleinen Gruppe in diesem Zusammenhang stellte, war, wie sich denn solche Dienstleister über Wasser halten können und welche Autoren sich freiwillig so etwas antun und sogar freiwillig Geld dafür ausgeben.
Aber da kommt wieder die Frage auf: Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei?

Auch wenn man auf Amazon bei manchen Selfpublishing-Titeln den „Blick ins Buch“ wagt, hat man das Gefühl, einem Flickenteppich gegenüber zu stehen. Denn häufig werden besonders kurze Sätze und Absätze gewählt – vermutlich, um die „Häppchen“-Lektüre besonders einfach zu machen. Unter Aspekten der Ästhetik, der „schönen Lesbarkeit“ bleibt dies jedoch sehr zweifelhaft.

Textlayout – Wer war da am Werk?

Nach der Konkurrenzanalyse machten wir uns in InDesign selbst an Werk. Unser Ziel war, einen Text zu layouten und dabei zu ermitteln, was Probleme sein könnten. Im Folgenden zählen wir auf, was wir gelernt haben:
Beginnen sollte man mit dem Goldenen Schnitt. Mithilfe speziell angelegter Hilfslinien und entsprechender Anpassung der Seitenränder erhält man in InDesign das Ideal eines lesefreundlichen Textrahmens.

Damit für den Leser eine bessere Orientierung auf der Buchseite gegeben ist, sollte man erst auf Seite drei mit dem Text anfangen.
Beim Einsetzen des Textes in InDesign sollte darauf geachtet werden, dass dieser untereinander verknüpft ist, um die Bearbeitung erfolgreich durchführen zu können. Bei „Häppchen-Texten“ ist es unumgänglich, diese direkt untereinander zu platzieren. Des Weiteren ist auf die Registerhaltigkeit zu achten. Das heißt, dass in den Zwischenzeilen nicht die Zeilen von der Rückseite zu sehen sein dürfen – die Textzeilen müssen deckungsgleich angelegt sein. Dies ist ein Merkmal von professionell layouteten Texten!

Erster_Schritt_InDesign

1. Schritt – Text nicht registerhaltig

Zweiter_Schritt_InDesign

2. Schritt – Text registerhaltig, doch ohne Einzüge

Sind diese Einstellungen getan, sollte man sich um die Kapitel und Kolumnentitel kümmern. Dafür erstellt man extra Absatzformate für den Fließtext, die Kapiteltitel und die Kapitelziffern. Mit der Suchfunktion kann man anschließend einfach die Überschriften suchen und entsprechend dem erstellten Format ändern, ohne jede Überschrift neu formatieren zu müssen.
Beim Text sollte darauf geachtet werden, dass es keinen Einzug am Anfang des Kapitels gibt. Danach sollte bei jedem neuen Absatz ein Einzug um ca. vier Millimeter erfolgen.
Die Seitenzahlen werden wie der Goldene Schnitt auf der Musterseite angelegt. Zum Schluss wird das Inhaltsverzeichnis erstellt.

Dritter_Schritt_InDesign

3.  Schritt – Registerhaltiger, gelayouteter Text

Alles in allem ist es zwar sehr zeitaufwendig, aber eigentlich kein Hexenwerk – oder?

Welche Richtlinien wir für das Textlayout herausgearbeitet haben und auf was Selfpublisher in jedem Fall achten sollen…
… erfahrt ihr in unserem nächsten Beitrag am 01.02.

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Ein Kommentar zu “Hingeschrieben und fertig? Da fehlt doch was …

  1. Wäre das eine sinnvolle Geschäftsidee? Ein ordentliches Layout anzubieten zu einem für Selfpublisher annehmbaren Preis? Oder hätte so etwas, angesichts der nicht überzeugend gestalteten Bücher, die dennoch erfolgreich sind, eher geringe Chancen? Was meinen Sie?

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