Repositorien – Alles im Grünen Bereich?

Im Bereich Wissenschaft gibt es wohl kaum einen Veröffentlichungsweg, der dem Begriff „Selfpublishing“ besser gerecht werden kann, als die Selbstarchivierung. Der „Graue Weg“, die individuelle Selbstarchivierung auf der eigenen Homepage, kommt dem Aspekt der völlig unabhängigen und selbständigen Veröffentlichung dabei am nächsten. In puncto Reichweite lässt er jedoch stark zu wünschen übrig. Wesentlich vielversprechender sind dahingehend institutionell unterhaltene Dokumentenserver, sogenannte Repositorien. Diese sind, ebenso wie Open Access-Journals, eine Variante, auf dem „Grünen Weg“ zu publizieren.

Unterschieden wird zumeist zwischen institutionellen und disziplinären Repositorien. Während letztere eine Sammlung von Texten einer bestimmten Disziplin beinhalten (z.B. SSOAR, das Social Science Open Access Repository), setzen sich institutionelle Repositorien aus den hauseigenen Publikationen von Universitäten oder anderen Forschungseinrichtungen (z.B. Helmholtz-Zentren) zusammen. Die Dokumentenserver erfüllen im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie ermöglichen den von der jeweiligen Institution finanzierten Wissenschaftlern die Veröffentlichung ihrer Texte und gleichzeitig deren langfristige Archivierung an einer zentralen Stelle. [1, S.26]

Eine der Kernfunktionen der 2002 gegründeten Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) ist die Zertifizierung solcher Dokumentenserver. Kriterien hierfür sind beispielsweise die für Autoren und Herausgeber angebotenen zusätzlichen Dienstleistungen sowie die Verarbeitung und langfristige Speicherung der Dokumente und ihrer Metadaten. Insbesondere soll ein möglichst reibungsloser Zugriff auf das Archiv gewährleistet werden, sowohl für Nutzer als auch für andere Online-Dienste. Von den momentan 186 Repositorien [2] in Deutschland sind bisher 49 mit einem DINI-Zertifikat ausgezeichnet.

archimed.uni-mainz.de

archimed.uni-mainz.de

Zu diesen gehört auch das Repositorium der Uni Mainz: ArchiMeD, das Archiv Mainzer elektronischer Dokumente. Abschlussarbeiten, aber auch Preprints und vollständige Publikationen bereits etablierter Forscher werden in diesem Archiv gespeichert und so für Leser zugänglich gemacht. Die hier hinterlegten Dokumente werden vom Online-Katalog der Mainzer Universitätsbibliothek erfasst, der wiederum regional und überregional mit weiteren Katalogen vernetzt ist. Die Inhalte sind somit, zumindest in der Theorie, überall und jederzeit verfügbar. Damit jedoch ein Nutzer, der beispielsweise in der Kölner UB nach Literatur sucht, auch Treffer aus dem Mainzer Archiv angezeigt bekommt, muss er hierfür den Suchradius entsprechend auch bis nach Mainz ausweiten. Insofern spielt die geografische Entfernung zur Heimatbibliothek eines Dokuments weiterhin eine Rolle. Das Problem ist hier nicht die Verfügbarkeit, sondern die Auffindbarkeit.

Diese Hürde wird durch spezielle Metakataloge überwunden: Die Open Archives Initiative (OAI) hat es sich zum Ziel gesetzt, standards of interoperability zu entwickeln, also Softwarelösungen und allgemeine Rahmenvorgaben, die den Austausch von Titeldaten und Parametern zwischen digitalen Archiven mit unterschiedlichen Strukturen erleichtern sollen. Sogenannte OAI-Serviceprovider, wie z.B. OAIster, sammeln die Titeldaten von den verschiedenen Anbietern ein, stellen sie für die Suchanfragen bereit und ermöglichen es somit, von einer zentralen Seite aus zahlreiche Repositorien weltweit zu durchsuchen und von dort auf die Dokumente zuzugreifen.

Und im Unterschied zu Google & Co interessiert es diese Kataloge herzlich wenig, welcher Treffer am häufigsten angeklickt wurde oder was Kunden sonst noch kauften. Gibt man hier den Namen eines weltberühmten Schriftstellers ein, so steht an erster Stelle eben nicht sein wichtigstes Werk aus dem Jahre 1850, sondern die kürzlich eingereichte Magisterarbeit einer völlig unbekannten Germanistik-Studentin. Die Entscheidung, welche die besten Treffer sind, bleibt dem Nutzer selbst überlassen.

[1] Claudia Blum: Open Access als alternatives Publikationsmodell in der Wissenschaft. 2007.

[2] Von der Lektüre der Liste der Repositorien raten wir all jenen dringend ab, die körperliche Schmerzen erleiden angesichts der immer haarsträubendere Blüten treibenden Manie, auf der Suche nach einem schmissigen Akronym sehr grenzwertige Produktbezeichnungen zu konstruieren. (Anmerkung der Spubbles-Redaktion: Diese Fußnote kann Spuren von Selbstironie enthalten.)

Advertisements

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s