Ein Herz kommt selten allein – Teil II

Marisa Klein

Hier kommt wie versprochen die Fortsetzung unseres Blogbeitrags zu unserer Sitzung am 05.12.
In diesem zweiten Teil geht es um die noch nicht vorgestellten Coverentwürfe zu „Romeo und Julia“. Wir sind gespannt auf eure Meinung:

Cover_Alexa_Sven      Cover_Marisa

Alexa und Sven präsentierten uns ein Cover, welches wir als eine komplett neue Art von Design wahrnahmen. Sie haben eine freie Bildsprache gewählt, die dem Betrachter, sofern mit dem Werk vertraut, eine sofortige Assoziation mit „Romeo und Julia“ ermöglicht.

Cover_Alexa_Sven

© Alexa Kreßmann und Sven Plamann

Zentriert wird dem Betrachter ein Herz gezeigt, eckig und wie aus einem Computerspiel. Oberhalb des Herzens ist im selben Design das berühmte Giftfläschchen zu sehen, aus welchem Julia trinkt, um ihren Tod vorzutäuschen. Unterhalb das Schwert, auch wieder ein bekanntes „Mordinstrument“ des Theaterstückes.
Die Symbole sind farbig voneinander abgesetzt und treten besonders deutlich durch den pechschwarzen Hintergrund hervor. Laut Böhringer wird die Farbe Schwarz von der Allgemeinheit mit „Geheimnis, Kraft“, aber auch mit „Seriosität“ und „Dunkelheit“ assoziiert.
Die Farben der Symbole, Türkis, Pink und Weiß stellen einen deutlichen Kontrast dar und stehen laut Böhringer für „Kühle“ und „Weiblichkeit“, also sehr passend ausgewählt für „Romeo und Julia“. Die Anzahl an Farben ist ideal, denn mehr als fünf Farben könnten den Betrachter überfordern [1]. Die Schrift „Desdemona“ hat Sven nach längerem Überlegen innerhalb der Gruppe eingefügt und wir befanden sie als passender als die zuvor ausprobierten Schriften wie eine zu runde Futura oder eine zu eckige und ausgefallene Groteske. Die Serifen bieten einen guten Kontrast zu dem Motiv und geben dem Cover seinen eigenen Touch.
Was hier fehlt, um es als Cover erkenntlich zu machen, wären Angaben zum Autor (von den Urhebern war es beabsichtigt, den Autornamen nicht vorne auf das Cover zu schreiben). Zudem befanden wir, dass in Bezug auf Aufbau und Struktur noch ein paar Feinarbeiten in Bezug auf Zentrierung und Anpassung nötig gewesen wären.

Als Letztes stelle ich noch mein eigenes Cover vor. Wie Sven sofort und richtig erkannt hatte, habe ich ein wenig bei Diogenes abgekupfert. Die Umrahmung des Bildes und der weiteren Angaben bieten dem Betrachter eine abgeschlossene Einheit auf dem Cover, die Anordnung der Elemente ist zentriert und aneinander ausgerichtet.

Cover_Marisa

© Marisa Klein
Bildquelle: Anna Magal Romeo & Juliet http://goo.gl/71SiU6

Wie die anderen Mitglieder unserer Gruppe habe ich mich auf drei bis vier Farben beschränkt, um eine zu bunte Mischung zu vermeiden. Die Farben für die Schrift habe ich dank der sehr nützlichen Pipettenfuntion in InDesign direkt aus dem Bild übernommen, was dazu führt, dass der Gesamteindruck trotz der auffallenden Farbe ausgeglichen wirkt. Auch ich habe mich bei Pinktönen, Schwarz und Weiß bedient. Da ich „Romeo und Julia“ einen modernen Touch geben wollte, habe ich es als „Handytragödie“ deklariert und ein dementsprechendes Bild eingesetzt, auf welchem die berühmte Balkonszene auf einem Smartphone mit zwei Büroklammerfiguren nachgeahmt ist. Gearbeitet wird hier mit der Assoziation des Betrachters, welcher zumindest ein wenig mit dem Werk vertraut sein sollte, um das Bild zuordnen zu können. Des Weiteren kam uns dazu die Überlegung, dass das Cover auch zu einem Buch passen würde, dessen Inhalt die Geschichte von Romeo und Julia in die heutige Zeit überträgt, beispielsweise „Romeo und Julia – Ein WhatsApp-Verlauf“ oder Ähnliches.
Unten habe ich ein Pixel-Herz eingesetzt, um das Thema Liebe einzubringen und um die Modernität zu verdeutlichen. Der Autorname ist ein Anagramm von William Shakespeare.
Insgesamt wirkt das Cover vom Aufbau her recht streng, eine Auflockerung der Bild-Text-Anordnung durch Techniken, derer ich leider (noch nicht?) mächtig bin, wäre wünschenswert. Zudem ist zu überlegen, ob die Einfassung durch den schwarzen Rahmen nicht doch zuviel leeren Raum auf dem Cover hinterlässt.

Zeitfresser Coverdesign?
Wenn wir in unseren Stunden am Computer arbeiteten, kam uns die Zeit eigentlich immer zu kurz vor und man wollte sich so gar nicht mehr vom Bildschirm trennen. Nach einigem Herumwerkeln und Probieren wurde uns bewusst, wie viel Arbeit und Details in einem Cover stecken, sei es selbst erstellt oder in Auftrag gegeben.
Auch das Betrachten der eigenen Ergebnisse aus größerer Entfernung und die kritischen Anmerkungen innerhalb der Gruppe brachten uns zu der Erkenntnis, dass gute Covergestaltung von einigen wesentlichen Elementen abhängt: Farbharmonie und -spannung, eine saubere Anordnung und besonders eine Verbindung zwischen Schriftbild und Inhalt auf dem Cover tragen maßgeblich zum Erfolg eines Werkes bei. Auch wenn es dauert, viel Zeit und einige Entwürfe braucht – ein gutes Cover ist ein Muss. Kein Selfpublisher sollte daher leichtfertig mit der Frage der Covergestaltung umgehen!

[1] Böhringer, Joachim; Bühler, Peter; Schlaich, Patrick: Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Prinmedien. Konzeption und Gestaltung. 5. Aufl. Berlin: Springer Verlag 2011, S. 16–21.

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2 Kommentare zu “Ein Herz kommt selten allein – Teil II

  1. Hier ein unbeteiligtes Urteil – ich finde die zwei Einträge zur Covergestaltung wirklich spannend. Aus eigener Erfahrung finde ich es immer schwierig, Cover fürs Selfpublishing zu designen – dadurch, dass man oft nur Name, Titel und eine Abbildung zur Verfügung hat, wirken Cover oft irgendwie rampschig und durch fehlendes Signet unklassisch. Daher kann ich die schnell vorbei rasende Zeit vorm PC sehr nachvollziehen.
    Meine rein persönliche Meinung nach diesen beiden Blogeinträgen: Die beiden Cover aus Teil I zeigen gute Ansätze. In beiden Fällen wurden klassische Serifenschriften genutzt, die auch zu dem klassischen Inhalt sehr gut passen. Gerade Tabitas Cover hat einen sehr verspielten Ansatz, den man mit ein bisschen Nachjustierung (bspw. kleben das i und das a zu sehr aneinander, alle Wörter könnten noch ein bisschen mehr in einem Verhältnis zueinander stehen) auf jeden Fall absegnen könnte.
    Teil II zu beurteilen fällt mir auf jeden Fall schwieriger. Marisas Bildauswahl finde ich bezüglich des Inhalts einer Handytragödie sehr passend – der Schriftsatz stört jedoch in seiner Anordnung. Der Verfasser klebt zu sehr am Kopf – auch die zwei unterschiedlichen Schriften passen nicht wirklich zusammen, vielleicht wären zwei Schriftschnitte einer Familie passender zusammen gewesen. Und auch das Herz gliedert sich nicht so richtig in die Gestaltung ein, vor allem durch die schwarze Kästelung.
    Am schwierigsten tue ich mich mit Alexas und Svens Vorschlag. Nicht nur, dass er mehr einem Plakat als einer Covergestaltung ähnelt, tue ich mich vor sehr schwer mit der Farbauswahl. Sicherlich sind schwarze Cover abwechslungsreich, aber hinsichtlich des Selfpublishing verbunden mit dem Lesen auf einem schwarz-weiß E-Ink-Gerät erscheint mir die Idee nicht sinnvoll, denn sicherlich kommen die sehr dünnen Linien der Grafiken nicht zur Geltung. Zu den Grafiken: das eckige Herz habe ich partout nicht erkannt – vielleicht liegt es an der sehr klassischen Gestaltung eines Herzens, die uns überall hin verfolgt – aber ich musste mehr an den Grundriss der Mainzer Synagoge denken, als an ein Herz. Was ich auch als störend empfand, war die für mich plumpe Farbauswahl von pink und blau auf dem Cover – ich glaube in der heutigen Zeit sollte man auf diese klischeebelasteten Farben à la Barbie und Lego nicht zurückgreifen. Was mir aber am meisten aufstößt: der Titel fehlt, sowohl Romeo als auch Julia haben zwar ihren Platz in beiden Ecken zugewiesen bekommen – aber das „und“ fehlt. Vielleicht eine Korinthenzählerei, aber wenn Shakespeare schon nicht genannt wird, dann wenigstens der Titel.
    Am Ende noch eine Bemerkung: die Gestaltung der Cover wurde sehr ausführlich beschrieben mit jeglichem Gedanken, wieso was wie warum gewählt wurde. Ja, das mag sein, dass Gestalter diese Gedanken dazu haben – der normale Leser wird jedoch das Buch nicht erst nach einer Bildanalyse kaufen, sondern nur auf Grund des ersten Gesamteindrucks – ein interessanter Inhalt mit ansprechendem Cover. Daher: ich denke, dass manchmal ein klassisch nüchtern aber gut gemachtes Cover kaufanregender wirken kann, als eins mit krassen Farbkontraste, aufdrängender Typo etc.

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