Ein Herz kommt selten allein – Teil I

Marisa Klein

In unserer letzten Sitzung vom 05.12. saßen wir alle gebannt vor unseren Bildschirmen, um einer der bekanntesten Liebesgeschichten der Literatur ein Gesicht oder, in unserem Fall, ein Cover zu geben.
Mit unserem zumindest teilweise als fortgeschritten zu bezeichnendem InDesign-Wissen und unseren Ideen setzten wir Bilder ein, schnitten aus und experimentierten mit Ausrichtungslinien, Farben und Schriften. Dabei herausgekommen sind vier sehr unterschiedliche Cover, zu denen wir sowohl Positives als auch einige Verbesserungsvorschläge besprachen.
Zu Fragen der Wahrnehmung und Wirkung von Farben und Symbolen hilft die Publikation „Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Printmedien“ von Joachim Böhringer [1].

Cover_Tabita              Cover_Olga

 An Olgas Cover hat uns besonders die Bearbeitung ihres verwendeten Bildes beeindruckt. Der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt, wie man aus einem nicht besonders gut abfotografierten Motiv ein stimmungsvolles, einheitliches Bild erzeugen kann. Mithilfe von Photoscape hat Olga das Bild ins Negativ gesetzt und während es in den Randbereichen verschwommen ist, wurden die Gesichter der „Liebenden“ scharf gestellt und der Blick der Betrachter somit auf sie gelenkt.
Vorherrschende Farben sind Blau- und Weißtöne, welche laut Böhringer „Ruhe“ und „Gelassenheit“ sowie „Helligkeit“ und „Wahrheit“ symbolisieren. Insbesondere auf diesem Cover ist der Einsatz der freien Bildsprache ersichtlich.

Cover_Olga        Original
© Olga Janke

Das Motiv zeigt die Skulpturen eines Mannes mit Flügeln und einer Frau in seinen Armen. Obwohl sie sehr nahe scheinen, wird durch die Flügel eine Distanz erzeugt, die der Liebesgeschichte zwischen Romeo und Julia den transzendentalen Aspekt zuspricht und somit auch das Ideal der Liebe, die durch den Tod Frieden unter den verfeindeten Familien stiftet. Dem Betrachter werden die Themen, mit denen sich „Romeo und Julia“ beschäftigt, unbewusst durch den melancholischen Anklang des Bildes und der Ähnlichkeit zur Szene Julias auf dem angeblichen Totenbett präsentiert. Das Motiv ist auf Olgas Cover eindeutig das Hauptaugenmerk, die Schrift gibt dem Ganzen einen Rahmen und schafft einen einheitlicheren Eindruck. Nach längerem Diskutieren zur Wahl der Schrift kamen wir zu dem Schluss, dass sie zu den antiken Skulpturen passt, da die Serifen der Schrift die Härte des Motives gut widerspiegeln – eine Groteske wäre hier fehl am Platz gewesen.

Das zweite Cover in einem tiefen, dunklen Rot hat Tabita erstellt. Obwohl etwas zu viel Raum leer geblieben ist und es noch weitere Angaben in zum Werk hätte geben können, waren wir begeistert von der schönen geschwungenen Schrift „Granjon LT Std“ und der sauberen Anordnung zu einem Herz.

Cover_Tabita
© Tabita Hahn

Tabita hat für ihr Cover eine Schrift gewählt, welche in Zusammenhang mit der Herzform besonders gut wirkt. Da wir als Betrachter einer Schrift unbewusst auch die emotionale Wirkung dieser aufnehmen, wirkt sie harmonisch und zum Thema passend. Besonders die sanften Übergänge in der Form des Herzens fallen auf.
Rot, die „Farbe der Liebe“, welche nach Böhringer auch mit „Energie“ oder „Leidenschaft“ assoziiert wird, ist die klassische Wahl für ein Werk wie „Romeo und Julia“. Auch Tabita hat sich an der freien Bildsprache orientiert, welche dem Betrachter das Thema des Werkes versinnbildlicht ohne ihn direkt darauf zu stoßen. Interessant war, welche verschiedenen Vorstellungen wir in Bezug auf das Symbol in der Mitte des Herzens hatten. Während Olga es als Zeichen für „Gift“ sah, verband Alexa es eher mit „Herzbruch“, Sven interpretierte es pragmatisch als Pluszeichen und ich als einfaches Kreuz. Hieran kann man sehen, dass es manchmal auch ganz auf den Betrachter ankommt, als was er die Sprache eines Bildes interpretieren will, unabhängig von der Intention des Gestalters.

Während auf dem Coverentwurf von Olga zwei Elemente typografisch aneinander ausgerichtet sind, verbinden sich bei Tabita Schrift und Motiv wortwörtlich zu einem Covermotiv.
Die beiden Enwürfe sind grundlegend unterschiedlich und stellen das Werk „Romeo und Julia“ jeweils mit anderen Schwerpunkten vor.

Wie die anderen beiden Cover aussehen und was für ein Fazit wir durch unsere eigene Covergestaltung für Selfpublisher haben…
…erfahrt ihr morgen in „Ein Herz kommt selten allein – Teil II“!

[1] Böhringer, Joachim; Bühler, Peter; Schlaich, Patrick: Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Prinmedien. Konzeption und Gestaltung. 5. Aufl. Berlin: Springer Verlag 2011, S. 17-21.

Advertisements

2 Kommentare zu “Ein Herz kommt selten allein – Teil I

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s