Von Farben, Schriften und Gestaltungslinien

Tabita Hahn

In der Sitzung am 28. November haben wir nach einer kurzen Einführung in die Grundfunktionen von InDesign ein neues Cover für den Rundbrief des Zentralen Fachschaftenrats gestaltet.

In der kommenden Woche möchten wir das Cover eines belletristischen Romans gestalten. Daher haben wir vorab Cover von Selfpublishing-Romanen genauer betrachtet, von denen an dieser Stelle zwei Beispiele vorgestellt werden sollen:

Cover 2 Cover 1
© AP-D-sign            © Andreas Adlon

Maske statt Farbe

Das erste Cover zu dem Krimi „Tod im Netz“ von Andreas Adlon zeigt eine marmorierte Oberfläche, auf der ein Knoten aus einem weißen Seil liegt. In der linken unteren Ecke befinden sich ein paar Tropfen „Blut“. Zwischen den „Blutflecken“ und dem Knoten befindet sich der Titel des Buches: „Tod im Netz“.
Diese Textzeile, in einer Antiqua und roter Farbe, wurde zentriert zwischen den beiden Bildrändern gesetzt.
Antiqua: „Buchstaben mit unterschiedlicher Strichstärke und mit Serifen.“ [1]
Über dem Knoten befinden sich der Autorenname und das Wort „Kriminalroman“. Diese drei Wörter wurden in den Versalien (Großbuchstaben) einer Grotesken gesetzt.
Grotesk: „Buchstaben mit gleichmäßiger Strichstärke ohne Serifen.“ [2]

Cover 1
© Andreas Adlon

Der Nachname ist am größten und zentriert positioniert.
Die anderen beiden Wörter sind an verschiedenen Gestaltungslinien, die sich aus dem Nachnamen ergeben, ausgerichtet. Das Wort „Kriminalroman“ beginnt an derselben Gestaltungslinie wie das „L“ von „Adlon“ und endet an derselben Gestaltungslinie wie das „N“ von „Adlon“. Bei „Andreas“ ist es ein bisschen komplizierter, hier beginnt das Wort an derselben Gestaltungslinie wie das „D“ von „Adlon“ und endet an derselben Gestaltungslinie wie der erste senkrechte Strich des „N“s von „Adlon“.
„Kriminalroman“ ist in schwarz geschrieben wohingegen „Andreas Adlon“ mit einer Textmaske aus einem Bild mit einer marmorierten Oberfläche sozusagen ausgeschnitten wurde. Die ausgeschnittenen marmorierten Wörter sind ein bisschen dunkler als der Hintergrund des Covers.
Durch die marmorierte Schrift und die Anordnung der Wörter an den Gestaltungslinien wirken diese drei Wörter wie ein sehr stimmiger und gleichzeitig abwechslungsreicher Textblock, der sofort ins Auge springt. Durch die „Farblosigkeit“ allerdings auf eine verhältnismäßig zurückhaltende Weise. Insgesamt wirkt dieses Cover wie das vieler Kriminalromane und könnte auch in einem Verlag erschienen sein.

Drei Farben, zwei Schriften, ein Bild, keine Gestaltungslinie

Das zweite Cover zu dem Kriminalroman „Teufelsweg“ von Maren Nordberg zeigt im Hintergrund das Ufer eines Flusses als Gegenlichtaufnahme. Das Foto ist anscheinend in keiner Weise bearbeitet worden und das Gegenlicht der Sonne ist so stark, dass die Gebäude und Bäume am Ufer kaum zu erkennen sind.

Cover 2© AP-D-sign

Der Titel des Buches „Teufelsweg“ ist rot und in einer Grotesken als oberstes und größtes zentriert gesetzt worden. Darunter steht die Bezeichnung „Roman“ in blau und einer Antiqua. Ein ganzes Stück weiter unten steht der Name der Autorin „Maren Nordberg“ in zwei Zeilen, in einem hellen beige und Antiqua gesetzt. Die beiden Wörter „Maren Nordberg“ wurden an derselben Gestaltungslinie ausgerichtet, diese stimmt allerdings weder mit der Gestaltungslinie des Wortes „Roman“ noch des Wortes „Teufelsweg“ überein. Dadurch sind die Textzeilen noch nicht einmal linksbündig, sondern sind einfach irgendwo auf dem Hintergrund angeordnet.
Durch die harte Blendung des Sonnenlichts wird der Blick des potenziellen Lesers schon in einem sehr kleinen Format auf dieses Cover gelenkt, das hat sicherlich seine Vorteile. Bei diesem Cover ist es allerdings schwierig das Genre des Romans sofort zu erkennen und es ist ebenfalls fragwürdig, ob solch ein Cover in einem Verlag erscheinen würde.

Soweit ein kleiner Einblick in die Spannbreite der Gestaltung von Belletristik-Selfpublishing-Covern: Vom ersten vorgestellten Cover mit einem Bild, Gestaltungslinien, Farben und Schriften die harmonisch auf den potenziellen Leser als ein Gesamtwerk wirken bis hin zu dem Sammelsurium aus einem Bild, Schriften und Farben des zweiten vorgestellten Covers.

Wie die Anordnung von Farben, Schriften und Symbolen auf dem Cover unseren ersten Eindruck bestimmen und damit die Kaufentscheidung beeinflussen können…
…erfahrt ihr in unserem nächsten Blogbeitrag am 14. Dezember!

[1] Hans Peter Willberg: Wegweiser Schrift. 2011, S. 49
[2] Hans Peter Willberg: Wegweiser Schrift. 2011, S. 49

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