Ist das noch indie? versus Der Buchbranche den Rücken kehren

Sebastian Bröhm

Emily Bold

Hanni Münzer hat es geschafft. Sie ist bei einem Verlag untergekommen, der ihr Buch veröffentlichen wird. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Verlag, sondern um den renommierten Münchner Piper Verlag. Glückwunsch!, möchte man rufen. Wenn man allerdings weiß, dass Hanni Münzer bereits seit Anfang 2013 erfolgreich in Sachen Selfpublishing unterwegs ist (die Frankfurter Allgemeine bezeichnete sie gar als »Selfpublishing-Königin«) und dieser Erfolg sich unter anderem auch auf ein Buch stützt, nämlich Honigtot, eben jenes Buch, das nun im kommenden Jahr bei Piper nochmals veröffentlicht wird – dann macht sich vielleicht doch ein wenig Skepsis breit. Münzer hat immer wieder betont, sie wolle nicht zu einem Verlag und bezeichnet sich vehement als Indie-Autorin. Doch wie indie ist das eigentlich noch, bei einem großen Verlag wie Piper zu veröffentlichen? Und wie sehr indie ist es, seine Freiheiten als Selfpublisher an den Nagel zu hängen, um sich an einen Konzern zu binden? Fragen, die die Autorin wahrscheinlich selbst am besten beantworten kann.

Das dachten wir uns auch, weshalb wir kurzerhand per E-Mail Kontakt zu ihr aufgenommen haben. Wir wollten uns über die Motivationsgründe, die diesem Schritt zugrunde liegen, Klarheit verschaffen.

Eine Antwort folgte auf dem Fuße: Münzer betont darin, sie wolle als Autorin gelesen werden und begründet dies damit, dass der SP-Marktanteil in Deutschland 5% betrage; der des gedruckten Buches hingegen 95%. Außerdem sei Piper immer ihr Wunschverlag gewesen. Ihre vier anderen Bücher vertreibe sie weiterhin selbst als Indie. Das nächste Buch ebenso. –

Vielleicht lässt sich mit Hanni Münzer eine kleine Diskussion via E-Mail aufrechterhalten. Wir werden euch an dieser Stelle über Neuigkeiten informieren.

Elfriede Jelinek, Jahrgang 1946, Literaturnobelpreis 2004.

Im Februar diesen Jahres kursierte die Meldung, Jelinek wolle mit der ihrer Meinung nach in der Buchbranche üblichen Vetternwirtschaft und Korruption nichts mehr zu tun haben – und kehrte ihr damit den Rücken. Schon seit dem Erhalt des Nobelpreises veröffentlicht Jelinek ihre Prosa nur noch auf ihrer persönlichen Website. Dies gipfelte darin, dass sie den rund 900 Seiten starken Roman Neid, der übrigens ein reiner »Online-Text« bleiben und nicht in gedruckter Form erscheinen soll, seit seiner Entstehung 2007/2008 als kostenlosen Download anbietet. Sie äußerte sich des Weiteren dahin gehend, dass Bücher, die nur im Netz erscheinen, so gut wie nie besprochen würden. Das sei gut für sie und so wolle sie es haben. An diesem Punkt kamen kritische Meinungen aus dem Plenum: Ist das nun elitäres Anspruchsdenken, das die Österreicherin hier an den Tag legt? Erlauben könnte man sich so etwas ja mit Nobelpreis in der Tasche! Steckt gar ein Konzept hinter Jelineks Veröffentlichungsstrategie? Oder ist es einfach nichts weiter als ein willkürliches Dagegen? Eine Provokation?

Für uns ist nun natürlich auch die Frage interessant, ob sich Jelinek bereits als Selfpublisherin bezeichnen ließe, da sie Prosa, Theatertexte, Essays und sonstige Notizen regelmäßig über ihre Website veröffentlicht. Oder führt diese Bezeichnung schon zu weit? Ist ihr Publikationsgebaren nicht vielmehr eine Art Bloggen? Aber wer bitte bloggt schon einen 900 Seiten Roman? –

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