Open Access als Geschäftsmodell

Lukas Lieneke

Die Idee des Selfpublishing gehört zu den bedeutendsten Publikationswegen im Bereich des Open Access. Unter der glamourösen Bezeichnung »Goldener Weg« verbirgt sich im Open Access-Jargon die Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Inhalte in einem elektronischen Medium durch den jeweiligen Autoren – quasi der Inbegriff des Selfpublishing. Doch mittlerweile haben auch die Verlage das mögliche Potential des Open Access für sich entdeckt und ihre Schlüsse daraus gezogen.

Als sich 2003 in der Berliner Erklärung eine Vielzahl deutscher und internationaler Forschungsorganisationen für einen allgemein offenen und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen aussprach, mag dies bei manchem Verleger für Kopfschmerzen gesorgt haben. Aus Sicht vieler Wissenschaftsverlage stellte die Open Access-Bewegung eine potentielle Konkurrenz für das eigene Geschäftsmodell dar und wurde als Ergebnis der im Netz vorherrschenden Umsonst-Mentalität interpretiert. Heute, elf Jahre nach der Berliner Erklärung, zählt Open Access hingegen vielfach zum normalen Bestandteil des wissenschaftlichen Verlagsangebots. Dies mag zunächst verwundern, denn auf den ersten Blick scheinen sich Open Access und Verlag auszuschließen. Hinter dem einen steckt die Idee vom kostenlosen und freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, hinter dem anderen ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen, das mit dem Verkauf eben dieser Informationen sein Geld verdient. Doch inzwischen haben auch die Verlage entdeckt, wie sich mit Open Access Geld verdienen lässt.

Um einen Artikel oder eine Monographie als Open Access-Publikation zur Verfügung zu stellen genügt es nicht, diese als PDF auf einer frei zugänglichen Homepage hochzuladen. Das Dokument ist damit zwar frei zugänglich, seine Chancen innerhalb der endlosen Massen an Informationen des Internets überhaupt wahrgenommen zu werden tendieren aber in der Regel gegen Null. Um seine Informationen also auffindbar und für die Fachwelt rezipierbar zu machen, werden viele Autoren um das Versenden gedruckter Rezensionsexemplare nicht herum kommen. An dieser Stelle kommen die Verlage ins Spiel. Diese nehmen innerhalb der Open Access-Bewegung zunehmend die Rolle von Servicepartnern ein, die Autoren und wissenschaftlichen Institutionen die Möglichkeit zur Vermarktung von Open Access-Produkten bieten. Neben dem Vertrieb der gedruckten Rezensionsexemplare stellen viele Verlage (beispielsweise Springer und de Gruyter) eigene Plattformen zur Verfügung, auf denen die Autoren ihre Informationen als Open Access publizieren können. Neben einer verbesserten Sichtbarkeit und Verbreitung besteht auf diesen Plattformen auch die Möglichkeit, über den Verlag gedruckte kostenpflichtige Exemplare des jeweiligen Textes zu bestellen. Denn trotz ihrer kostenlosen Verfügbarkeit im Internet besteht besonders bei Monographien nach wie vor eine hohe Nachfrage nach gedruckten Exemplaren. Gerade Universitätsbibliotheken favorisieren neben einem Zugang zur Onlineversion den zusätzlichen Kauf eines gedruckten Exemplars, da (vor allem in den Geisteswissenschaften) die Veröffentlichung einer gedruckten Monographie nach wie vor als Qualitätsmerkmal gilt. Auch im Zeitschriftenbereich betreiben Verlage hybride Publikationsmodelle, die die Nutzung von Artikeln sowohl unter Open Access-Bedingungen, als auch kostenpflichtige anbieten. Häufig werden in diesem Fall Artikel nach einer gewissen Sperrfrist (innerhalb derer sie kostenpflichtig angeboten werden) kostenlos als Open Access zur Verfügung gestellt. Dies kann sowohl auf der verlagseigenen Plattform, als auch auf der Homepage des Autors geschehen. Die kostenlose Bereitstellung bereits erschienener Verlagspublikationen wird dabei als »Grüner Weg« bezeichnet.

Sowohl für die Autoren, die ihre Inhalte so zugänglich wie möglich veröffentlichen wollen, als auch für die umsatzorientierten Verlage, stellen diese Modelle eine Kompromisslösung dar, von der beide Parteien profitieren. Bei all den Vorteilen, die eine solche Kooperation bietet, bleibt dennoch abzuwarten, welche Auswirkungen sich hieraus für die (ursprünglich nicht kommerzielle) Idee des Open Access ergeben.

Advertisements

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s